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Wie eine Familie nach einem Arbeitsunfall gemeinsam das Leben meistert

Es ist ein Tag wie jeder andere: Ihr Wecker läutet, Sie frühstücken, machen sich bereit für den Tag, gehen zur Arbeit. Ein paar Stunden später spüren Sie Ihre Beine nicht mehr – Diagnose: Leben mit Rollstuhl. Wie reagieren Sie? Welche Gedanken schießen Ihnen durch den Kopf?

Vor fünf Jahren hatte Manuel einen Arbeitsunfall. Er „liftelte“ bei einer Liftgesellschaft während der Wintersaison und half den Kletterturm des Kinderspielplatzes abzubauen. Der Kletterturm kippte, stürzte auf ihn und drückte ihm das Rückenmark ab. Seitdem sitzt er im Rollstuhl. Trockener könnte man seine Geschichte nicht zusammenfassen. Dabei steht Manuels Schicksal sinnbildlich für das vieler Menschen in Österreich, denn der Unfall läuft unterm Strich immer gleich ab: Der Schlag passiert plötzlich und schnell, aber das Danach beschäftigt einen ewig. Manuel schaut nach vorne, hat neue Hobbies gefunden, alte neu für sich entdeckt, ist stolzer Papa und lebt sein Leben selbstbestimmt. Seine Familie und Freunde geben ihm Kraft.

„In der Reha wird einem doch einiges g'lernt"

Bei Manuels Geschichte ist eine Information besonders wichtig: Er hatte einen Arbeitsunfall.

Manuel beschreibt den Unterschied zu einem Freizeitunfall in einem Satz: „Ein Freizeitunfaller kriegt die benötigtste Versorgung und ein Arbeitsunfaller bekommt halt die bestmögliche Versorgung.“ Das bedeutet für Manuel zum Beispiel, dass er

  • einmal die Woche Physiotherapie hat – die Bewegungen lindern seine Rücken- und Nervenschmerzen und dienen ebenso als Spitzfußprophylaxe,
  • einen Zuschuss für einen handlicheren Rollstuhl bekommen und
  • in der Reha sogar zehn unterschiedliche Einwegkateter testen und den für sich passendsten auswählen durfte.

Nach einem Freizeitunfall werden diese Leistungen nicht automatisch von der gesetzlichen Unfallversicherung übernommen. Doch genau diese helfen Manuel dabei, im Alltag selbstständig zu bleiben und stehen ihm aufgrund seiner Unfallsituation gesetzlich zu.

„Barrierefrei ist nicht gleich barrierefrei.“

Zum barrierefreien Wohnen gehört mehr als breitere Türen. Dusche, WC, Schlafzimmer, Küche – Rollstuhlfahrer:innen haben andere Bedürfnisse, die erfüllt werden müssen.

Mit dem Rollstuhl konnte sich Manuel in seiner Wohnung nicht frei bewegen. Ständig streifte er an Wände. So viel wie möglich ohne Hilfe zu bewältigen, war und ist ihm extrem wichtig. Die Suche nach einer barrierefreien Wohnung war herausfordernd, denn: “Wer mit dem Thema keine Berührungspunkte hat, weiß nicht was barrierefrei eigentlich ist.”. Schließlich entschied er sich gemeinsam mit seiner Freundin Tamara für den Hausbau. Manuel brachte hier als gelernter Maurer sein handwerkliches Geschick ein und montierte unter anderem sämtliche Haltegriffe. Durch bodentiefe Fenster kann er die wunderschöne Landschaft genießen. Ein Aufzug schafft Bewegungsfreiheit.

Dabei dachte Manuel auch an einen eventuellen Stromausfall. Ein Notstromaggregat stellt sicher, dass er mit dem Aufzug stets ins Erdgeschoss kommt und im Notfall das Haus verlassen kann.

„Ich bin genauso Papa.“

Ein Unfall betrifft nicht nur den Verunfallten, sondern auch die Familie und stellt die Lebensplanung jedes:jeder Einzelnen auf den Kopf. Mit der Geburt ihrer Tochter Sophia wurde trotzdem ein Lebenstraum erfüllt. Als „Chefin“ im Haus bestimmt sie den Alltag der beiden. Sobald Tamara arbeitet oder Einkäufe tätigt, kümmert sich Manuel allein um Sophia. Auch wenn Sophia noch klein ist, spürt sie instinktiv, dass ihr Papa in der Bewegung eingeschränkt ist. Manuel lebt seine Vaterrolle wie jeder andere gute Vater.

„Gib alles, du musst durchbeißen!“

Manuels Botschaft an Menschen, die nach einem Unfall im Rollstuhl sitzen: „Nimm den Rollstuhl und fetz' über das Hindernis drüber!“

Seine ungebremste Willensstärke und sein Tatendrang, seine warmherzige Familie und die Hilfsbereitschaft seiner Freunde – Manuels Geschichte inspiriert und macht Mut.

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