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Was passiert wirklich, wenn es blitzt?

Blitze wirken für viele Menschen plötzlich und unberechenbar. Wie entsteht ein Gewitter eigentlich, warum lässt es sich so schwer vorhersagen und was bedeutet ein Blitzeinschlag fürs eigene Zuhause? Das erklärt Dr. Michael Fassnauer, Gründer des Wetterdienstes UBIMET.

04.08.2026 | Nina Hierzenberger | 4 Min. Lesezeit

Blitz schlägt über Wien ein

Wie entsteht ein Blitz?

„Damit ein Blitz entsteht, sind grundsätzlich drei Zutaten notwendig", erklärt Fassnauer: Es braucht ausreichend Feuchtigkeit in den niedrigeren Schichten der Atmosphäre, eine genügend starke Temperaturdifferenz mit der Höhe – also entweder sehr kalte Luft oben oder durch die Sonne stark aufgeheizte Luft nahe dem Erdboden – und einen Auslöser, der die Luft zum Aufsteigen zwingt, beispielsweise eine Kaltfront.

Sind diese drei Zutaten vorhanden, beginnt die Luft aufzusteigen – und kühlt dabei ab. Der enthaltene Wasserdampf kondensiert zu winzigen Tröpfchen: Eine Wolke entsteht, die umso höher wächst, je weiter die Luft aufsteigt. Innerhalb der Wolke herrscht dann regelrecht Verkehr, wie Fassnauer erklärt: „Warme Luft strömt nach oben, kalte nach unten, Wassertröpfchen, Eiskristalle und Graupelkörner stoßen ständig zusammen und laden die Wolke dabei elektrisch auf." Irgendwann wird der Spannungsunterschied so groß, dass sich die Ladung schlagartig entlädt: Es blitzt.

Wann blitzt es wo?

„Blitze sind für Meteorolog:innen wie ein Blick ins Innenleben der Gewitterwolke", so Fassnauer. Trotz aller moderner Messtechnik bleibt ein Gewitter aber nur bedingt vorhersagbar. Fassnauer vergleicht das mit einem Kochtopf: „Man weiß, dass das Wasser irgendwann zu sprudeln beginnt, aber man kann unmöglich vorhersagen, wo genau die Blasen zuerst aufsteigen werden."

Die Region, in der ein Gewitter wahrscheinlich ist, lässt sich zwar Stunden oder sogar Tage im Voraus eingrenzen, der genaue Ort und Zeitpunkt eines einzelnen Blitzes aber nur sehr kurzfristig. Gewitter sind zudem oft überraschend kleinräumig: Es kann in einem Wiener Bezirk aus Kübeln schütten, während im Nachbarbezirk noch die Sonne scheint.

Gut zu wissen

Die UNIQA Unwetterwarnung informiert per SMS oder E-Mail, wenn in deiner Region ein relevantes Wetterereignis erwartet wird – zum Beispiel Gewitter, Starkregen, Hagel oder Sturm.

Ein Blitz schlägt dort ein, wo die Bedingungen günstig für ihn sind", sagt Fassnauer. Das sind zum Beispiel hohe Bauwerke, Berggipfel, freistehende Bäume oder auch Windkraftanlagen – nicht, weil der Blitz von bestimmten Objekten angezogen wird, sondern weil sich die Entladung ihren Weg von der Wolke Richtung Boden bahnt, während sich gleichzeitig vom Boden aus unsichtbare Gegenentladungen nach oben bilden. Treffen sich beide, schließt sich der Stromkreis – und genau das sehen wir als Blitz. Hohe Bauwerke, Berggipfel oder freistehende Bäume werden dabei oft getroffen, weil sie den Abstand zur Wolke verkürzen.

Wie stark ein Blitz ausfällt, hängt von mehreren Faktoren ab: Je mehr Ladung sich in der Wolke angesammelt hat, desto kräftiger der Blitz. Außerdem haben die Länge des Blitzkanals, seine Stromstärke und auch die Dauer Einfluss. „Steht ein Blitz etwa für ein paar Sekunden am Himmel, handelt es sich um einen sehr starken Blitz", erklärt Fassnauer.

Was tun, wenn ein Gewitter aufzieht?

Klar ist: Wenn es blitzt, gilt es schnellstmöglich Schutz zu suchen. Zieht ein Gewitter auf, sollte man sich rasch in ein Gebäude oder ein Auto begeben. Falls das nicht möglich ist – etwa, weil man in den Bergen unterwegs ist –, kann man das Risiko trotzdem minimieren: „Von Bäumen, Gewässern und Metallgegenständen fernhalten!", rät Fassnauer. „Außerdem am besten in einer Mulde in die Hocke gehen, sich klein machen, Füße nah zusammenstellen und die Beine umklammern."

Auch daheim zählen kleine Handgriffe: Naht ein Gewitter, sollte man die Fenster schließen, Markisen einfahren, lose Gegenstände am Balkon oder im Garten sichern – und elektronische Geräte sicherheitshalber ausstecken. Schlägt ein Blitz in der Nähe ein, kann elektrische Spannung nämlich über Strom-, Telefon- oder Datenleitungen ins Haus gelangen – und diese Überspannung kann elektronische Geräte wie Router, Fernseher, Computer oder Smart-Home-Systeme beschädigen.

Gut zu wissen

Die UNIQA Haushaltsversicherung und die UNIQA Teil- und Vollkasko-Versicherung sind auch bei Unwetterschäden zur Stelle. Am besten direkt die Beraterin oder den Berater kontaktieren!

Blitze in Zahlen


  • Nur 10–20 % aller Blitze schlagen überhaupt auf dem Boden ein, der Rest spielt sich innerhalb der Wolke ab.
  • 90 % der Blitze sind negativ geladen. Die seltenen positiven Blitze sind aber deutlich stärker!
  • 1,4 Millionen Blitze registriert Österreich im Schnitt pro Jahr.
  • Der Juli ist der blitzreichste Monat (knapp 500.000 Entladungen), gefolgt von August (370.000) und Juni (330.000).
  • Die Hauptsaison liegt zwischen Mitte Mai und Ende August.
  • Blitz-Hotspots in Österreich sind Weiz, Graz-Umgebung und Hartberg-Fürstenfeld mit rund 30 Blitzen pro km² im Jahr.
  • Am ruhigsten geht es in Landeck, Imst und Bludenz mit nur etwa 8 Blitzen pro km² im Jahr zu.
  • Ein typischer Blitz setzt 30 bis 300 kWh frei. So viel Strom verbraucht ein Haushalt in ein paar Tagen bis Wochen.
  • Der stärkste je in Österreich gemessene Blitz betrug fast 400.000 Ampere, 2015 in Kramsach (Tirol). Eine normale Haushaltssteckdose ist mit gerade einmal 16 Ampere abgesichert.

Das Faszinierendste an einem Blitz? „Die pure Energie, die in Sekundenbruchteilen freigesetzt wird. Da merkt man, wie klein der Mensch eigentlich ist und welche Kraft die Natur entfalten kann“, sagt Fassnauer. „Das macht mich immer wieder ehrfürchtig.“

Michael Fassnauer
© Mirja Geh

Zur Person

Michael Fassnauer ist Gründer und Geschäftsführer von UBIMET. Das Unternehmen wurde 2004 in Wien gegründet und hat sich seither zum größten privaten Wetterdienst Europas entwickelt.

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