Blitz-Mythen im Check: Was stimmt wirklich?
Eichen sollst du weichen, Gummisohlen schützen, der Blitz schlägt nie zweimal ein? Rund um Blitze und Gewitter halten sich viele Irrtümer. Wir schauen uns die bekanntesten Mythen an und klären auf, was wirklich dran ist.
04.08.2026 | Nina Hierzenberger | 4 Min. Lesezeit

Mythos 1: Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen
Seit Jahrhunderten hält sich dieser Mythos hartnäckig, wie UBIMET-Gründer Dr. Michael Fassnauer bestätigt – dabei ist er längst widerlegt: „Dem Blitz ist es egal, in welche Baumart er einschlägt", sagt Fassnauer. Entscheidend ist schlicht, wie hoch und wie exponiert ein Baum steht – ein einzelner, freistehender Baum ist deshalb generell riskanter als einer mitten im Wald. Grundsätzlich sollte man bei Gewitter gar nicht unter einem Baum stehen: Durch ihre Höhe können Bäume den Abstand zur Gewitterwolke verkürzen und eher zum Einschlagspunkt werden
Wer sich bei einem Gewitter lieber gar nicht erst in der Nähe von Bäumen aufhalten möchte, weiß am besten schon vorher Bescheid. Die UNIQA Unwetterwarnung informiert dich rechtzeitig per SMS oder E-Mail, wenn in deiner Region ein Gewitter erwartet wird.
Mythos 2: Der Blitz schlägt nie zweimal an derselben Stelle ein
Auch das stimmt nicht: Besonders hohe oder exponierte Punkte werden sogar wiederholt getroffen, manche mehrmals im Jahr. Das ist auch der Grund, warum Kirchtürme, Sendemasten oder Wolkenkratzer meist mit Blitzableitern ausgestattet sind – ein Blitz sucht sich eben immer wieder denselben günstigen Weg. Ein Ort ist nach dem ersten Einschlag also nicht „erledigt”: Wenn die Bedingungen passen, spricht nichts dagegen, dass dort wieder ein Blitz einschlägt.
Mythos 3: Gummisohlen schützen vor Blitzschlag
Weil Gummi isoliert, klingt die Idee grundsätzlich logisch – aber ein Blitz hat eine so enorme Spannung, dass ein paar Millimeter Gummisohle daran nichts ändern. Wer bei einem Gewitter draußen ist, sollte sich deshalb nicht auf Sneaker, Wanderschuhe oder sonstige Sohlen verlassen, sondern rasch Schutz suchen, am besten in einem Gebäude oder Auto.
Mythos 4: Im Auto ist man wegen der Gummireifen sicher
Im Auto ist man bei Gewitter in der Regel gut geschützt – das liegt allerdings nicht an den Gummireifen. Entscheidend ist die Metallkarosserie: Sie wirkt wie ein Faradayscher Käfig und leitet die elektrische Ladung außen herum. Voraussetzung ist ein geschlossenes Fahrzeug mit Metallkarosserie – ein Cabrio mit Stoffverdeck bietet diesen Schutz nicht! Fenster und Türen sollten geschlossen bleiben, Metallteile im Innenraum sollte man während des Gewitters möglichst nicht berühren.
Mythos 5: Ein Blitzableiter macht das ganze Haus zu 100 % sicher
Ein Blitzableiter ist wichtig: Seine Aufgabe ist es, einen direkten Blitzeinschlag kontrolliert zur Erde abzuleiten – und so das Gebäude zu schützen. Was ein Blitzableiter jedoch nicht verhindert, sind Überspannungsschäden, also wenn ein Blitz in der Nähe einschlägt und die elektrische Spannung über die Stromleitung ins Haus gelangt – und dadurch Router, Fernseher oder andere elektronische Geräte lahmlegt. Naht ein Gewitter, ist es also sinnvoll, elektronische Geräte vorsorglich auszustecken.
Die UNIQA Haushaltsversicherung schützt den Wohnungsinhalt bei Unwetterschäden, etwa durch Überspannung. Bei der Eigenheimversicherung ist das Haus selbst abgesichert.
Mythos 6: Handys ziehen Blitze an
Dieser Mythos ist vergleichsweise jung, aber genauso falsch wie der mit den Eichen: „Die Handynutzung während eines Gewitters erhöht nicht die Wahrscheinlichkeit, dass der Blitz genau dort einschlägt", stellt Fassnauer klar. Weder das Handy in der Hand noch andere kleine Elektronikgeräte haben einen relevanten Einfluss darauf, wo ein Blitz einschlägt.
Mythos 7: Wenn es nicht mehr donnert, ist die Gefahr vorbei
Das ist leider nicht immer eindeutig: Ein Gewitter kann sich verlagern, neu verstärken oder in der Umgebung weiterhin aktiv sein. Auch wenn der Donner bereits leiser wird oder ganz verstummt, können Blitze noch länger im Umfeld der Gewitterwolke einschlagen – teils mehrere Kilometer von dort entfernt, wo es gerade noch gekracht hat. Nach dem letzten Donner sollte man deshalb nicht sofort wieder ins Wasser, auf freie Flächen oder in exponiertes Gelände, sondern die Lage lieber noch eine Weile beobachten.
Mythos 8: Tiere spüren ein nahendes Gewitter
Manche Tiere verhalten sich vor einem Gewitter tatsächlich anders – aber das liegt nicht an Hellseher-Fähigkeiten. Fassnauer nennt als Beispiel tiefer fliegende Schwalben: „Die Vögel spüren nicht direkt die Blitzgefahr“, erklärt Fassnauer, „sondern folgen ihrem Futter.“ Kleine Insekten fliegen nämlich kurz vor einem Gewitter oft näher am Boden, weil ihre Flügel durch die feuchter werdende Luft weniger effizient arbeiten.
Mythos 9: Bei Gewitter darf man nicht fernsehen, föhnen oder duschen
Hinter diesem Mythos steckt ein wahrer Kern: Das Fernseh- oder Föhn-Kabel an sich ist nicht gefährlich, aber bei Gewitter kann Überspannung über Strom-, Telefon- oder Datenleitungen ins Haus gelangen. Elektronische Geräte, die am Kabel hängen, können dadurch beschädigt werden.
Beim Duschen oder Baden hängt das Risiko übrigens stark von der Gebäudeinstallation ab: In älteren Häusern oder bei unklarer Installation ist es vernünftig, das Duschen, Baden oder Föhnen bei einem nahen Gewitter auf später zu verschieben.
Die UNIQA Haushaltsversicherung und die UNIQA Teil- und Vollkasko-Versicherung sind auch bei Unwetterschäden zur Stelle. Am besten direkt die Beraterin oder den Berater kontaktieren!

Zur Person
Michael Fassnauer ist Gründer und Geschäftsführer von UBIMET. Das Unternehmen wurde 2004 in Wien gegründet und hat sich seither zum größten privaten Wetterdienst Europas entwickelt.
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