Brustkrebs: Vorsorge und Früherkennung
Etwa jede achte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung sind die Heilungschancen aber gut.
Häufigster Krebs bei Frauen
Brustkrebs ist mit rund 30 Prozent der Neuerkrankungsfälle die häufigste Krebserkrankung bei Frauen und verursacht mit 18 Prozent auch die meisten krebsbedingten Todesfälle. Wird ein Mammakarzinom allerdings in einem frühzeitigen Stadium entdeckt, können heutzutage schon rund 85 Prozent erfolgreich behandelt werden.
Mammakarzinome entstehen im Brustgewebe
Ein Mammakarzinom entsteht, wenn es zu einer bösartigen Veränderung des Brustgewebes, meist im Bereich der Brustdrüsen, kommt. Je nach Auftreten unterscheidet man verschiedene Arten von Tumoren. Bleibt Brustkrebs unbehandelt besteht auch die Gefahr, dass sich Krebszellen ungehindert weiter ausbreiten. Bevorzugt passiert das über die Lymphknoten der Achseln oder über die Blutbahn, von wo aus sich im ganzen Körper Metastasen bilden können.
Persönliches Risiko minimieren
Zu den größten Risikofaktoren für Brustkrebs zählen das Alter, eine genetische Disposition und das Geschlecht: Zwar kann Brustkrebs auch bei Männern vorkommen, doch das betrifft in Österreich jährlich nur 50 bis 60 von ihnen. Auch Hormonersatztherapien standen lange Zeit unter dem Verdacht, das Brustkrebsrisiko erheblich zu erhöhen – zu Unrecht, wie man laut heutigem Stand der Wissenschaft weiß. Bevor sich Frauen für eine Hormonersatztherapie entscheiden, sollten sie mit dem behandelnden Arzt jedenfalls ausführlich über die verwendeten Präparate, die Dauer der Behandlung und die Dosierung sprechen sowie persönliche Vor- und Nachteile, auch im Zusammenhang mit eventuell bestehenden Risikofaktoren, sorgfältig abwägen.
Lebensstilfaktoren Bewegung und gesunde Ernährung
Ein gesunder Lebensstil kann das individuelle Brustkrebsrisiko – wie auch das Risiko für viele andere Erkrankungen – grundsätzlich immer positiv beeinflussen. Expert:innen empfehlen allem voran regelmäßige Bewegung, das Vermeiden von Übergewicht, den Verzicht auf Nikotin und Alkohol sowie eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Vollkorn und Fisch sowie möglichst wenig Fleisch, tierische Fette und Zucker.
„Keine Frau hat kein Brustkrebs-Risiko“
„Es gibt aber leider keinen Lebensstil, der Krebs jedenfalls verhindern kann“, betont Prof. Dr. Paul Sevelda, Facharzt für Gynäkologie mit Spezialisierung auf Brustkrebs und Gynäkologische Onkologie sowie Präsident der Österreichischen Krebshilfe. „Es gibt keine Frau, die kein Brustkrebs-Risiko hat. Daher empfehlen wir allen schon ab dem 40. Lebensjahr, regelmäßig zur Vorsorge zu gehen.“
Auffälligkeiten immer ärztlich abklären lassen
Brustkrebs bei Frauen unter 40 Jahren ohne erhöhtes Risiko kommt verhältnismäßig selten vor. Wenn aber einer Frau zum Beispiel beim Duschen eine Veränderung an der Brust auffällt, sei es ein Knoten im Bereich von Brust oder Achseln, eine blutige Sekretion aus der Brustwarze oder eine eingezogene Brustwarze auf einer Seite, sollte sie eine Ärztin, einen Arzt ihres Vertrauens aufsuchen. Diese:r wird die Frau neben der klinischen Tastuntersuchung zur weiteren Abklärung mittels Ultraschall oder Mammographie zuweisen. Auch Auffälligkeiten wie Veränderung der Brust in Form oder Größe oder der Haut sollten immer sofort fachärztlich abgeklärt werden.
Das Abtasten der Brust zu Hause oder auch bei der Ärztin, dem Arzt kann grundsätzlich das Bewusstsein für Brustgesundheit erhöhen. Allerdings sollte das fachgerecht durchgeführt und geübt werden. Das Abtasten der Brust ersetzt aber nicht die Mammografie, die die einzige wissenschaftlich erwiesene Methode zur Früherkennung ist.
Mammografie ab 40 empfohlen, ab 45 selbstverständlich
Auch ohne Symptome sollten Frauen auf die Mammografie setzen. Diese ist über das Österreichische Brustkrebs-Früherkennungsprogramm kostenlos und wird Frauen zwischen 45 und 74 Jahren empfohlen. Für sie ist die E-Card bereits automatisch für eine Früherkennungsmammografie alle zwei Jahre freigeschaltet.
Teilnehmen können Frauen bereits ab 40 Jahren, was aus Sicht von Expert:innen wie Sevelda empfehlenswert ist. Wer zwischen 40 und 44 oder über 75 ist, kann sich freiwillig unter frueh-erkennen.at registrieren. Wichtig ist, die Mammografie regelmäßig durchführen zu lassen, um Veränderungen rechtzeitig zu entdecken.
So läuft eine Mammografie ab
Bei der Mammografie wird das Brustgewebe mittels eines Röntgenverfahrens durch entsprechend zertifizierte, niedergelassene Radiolog:innen untersucht. Mit dieser Untersuchung lassen sich selbst kleine Knoten entdecken.
Wird eine Auffälligkeit festgestellt, muss es sich noch nicht um einen bösartigen Tumor handeln. Laut frueh-erkennen.at werden nur bei etwa 30 von 1.000 Frauen Veränderungen festgestellt und nur etwa sechs erhalten nach weiteren Untersuchungen eine Brustkrebs-Diagnose.
Weitere Diagnoseverfahren
Ergibt die Mammografie einen unklaren oder auffälligen Befund, stehen zur weiteren diagnostischen Abklärung mehrere zusätzliche Verfahren zur Verfügung:
Eine Ultraschalluntersuchung kann ergänzend stattfinden, um Tumore oder Zysten festzustellen. Ist das Brustgewebe eher dicht, was bei jüngeren Frauen häufig der Fall ist, kann in der Mammografie oft schwerer gesundes von krankem Brustgewebe unterschieden werden.
Eine Magnetresonanztomografie (MRT) wird mitunter bei Frauen mit genetischer Disposition zur Früherkennung durchgeführt oder auch zur weiteren Abklärung eines unklaren Befundes.
Zur weiteren Abklärung eines verdächtigen Befundes (BIRADS IV oder V) wird immer eine histologische Diagnose durch eine Biopsie notwendig sein. Dabei wird Gewebe aus der Brust entnommen und genauer untersucht. Wichtig ist, dass es durch die Punktion zu keiner Tumorzellverschleppung kommt.
Was, wenn es doch Krebs ist?
Wird ein Mammakarzinom festgestellt muss genau bestimmt werden, um welche Art es sich handelt, in welchem Stadium sich der Tumor befindet und wie er sich verhält. Anhand dessen kann die jeweils optimale Therapie im Rahmen eines interdisziplinären Tumorboards gefunden werden. Oft steht die operative Entfernung des kranken Gewebes am Anfang, aber in bestimmten Fällen muss zunächst mit einer Chemo- und Immuntherapie begonnen werden. Eine weitere antihormonelle Behandlung bei hormonempfindlichem Brustkrebs sowie die Strahlentherapie bei brusterhaltendem, operativem Vorgehen sind Teil der Standardtherapie.
Die zertifizierten Brustgesundheitszentren sind auf die interdisziplinäre Zusammenarbeit aller Fächer spezialisiert: Zertifizierte Brustkrebszentren
Spezielle Vorsorge für Hochrisikopatientinnen
Spätestens als vor einigen Jahren Hollywoodstar Angelina Jolie über ihre genetische Disposition und die präventive Entfernung ihrer Brustdrüsen berichtete, geriet das Thema erbliche Vorbelastung verstärkt in den Fokus. Tatsächlich kann eine Mutation wie BRCA-1 oder BRCA-2 vorliegen, zum Beispiel wenn innerhalb einer Familie bereits vermehrt Fälle von Brustkrebs auftraten. Das muss aber nicht sein. Aufschluss darüber kann ein Gentest geben.
Eine genetische Disposition weisen laut Sevelda etwa fünf bis sieben Prozent der Frauen mit Brustkrebs auf. Bei ihnen ist das Risiko, im Laufe ihres Lebens daran zu erkranken, um ein Vielfaches erhöht. Spezielle Beratungen und eine besonders engmaschige Vorsorge sind für diese Gruppe wesentlich. Frauen mit erhöhtem Risiko aufgrund der Familienanamnese haben ab dem 40. Lebensjahr Anspruch auf eine jährliche Mammografie. Eine prophylaktische Brustdrüsenentfernung wie im Fall von Jolie kann bei solchen Hochrisikopatientinnen tatsächlich sinnvoll sein, wenn zuvor alle Optionen ausführlich besprochen wurden.
Frühe Diagnose erhöht die Chance, gesund alt zu werden
Die meisten Brustkrebsfälle treten jedoch ohne besonderes Risiko auf. Daher gilt für alle Frauen: „Ganz egal, wie gut jemand den eigenen Körper zu kennen glaubt, oder ob jemand Angst davor hat, dass etwas gefunden wird: Eine frühe Diagnose erhöht die Chance, gesund alt zu werden, erheblich“, appelliert Krebshilfe-Präsident Sevelda.
Krebshilfe-Broschüre klärt auf
Die Krebshilfe-Broschüre „Aus Liebe zum Leben“ beinhaltet alle Informationen zur Krebsvorsorge für Frauen inkl. Brustkrebs, Unterleibskrebs, Hautkrebs, Darmkrebs und die HPV-Impfung. Die Broschüre ist kostenlos erhältlich unter service@krebshilfe.net oder als Download unter www.krebshilfe.net.
Quellen:
https://www.ago-online.de/fileadmin/ago-online/downloads/_leitlinien/patientenleitlinien/2023/Patientenleitlinie_Brustkrebs_im_fruehen_Stadium_1820010.pdf
(Zugriff: 26.7. 2023)
https://www.onkodin.de/e2/e32345/e32404/#:~:text=Unter%20primärer%20Prävention%20versteht%20man,auf%20eine%20Reduktion%20von%20Übergewicht
(Zugriff: 26.7. 2023)