Von TikTok und Telemedizin
Dr. Georg Bézard ist Early Adopter in Sachen Telemedizin. In seiner Online-Ordination war der Facharzt für Orthopädie und Traumatologie sowie Unfallchirurgie schon vor Corona-Zeiten von praktisch überall erreichbar. Virtuell trifft man ihn auch auf diversen Social-Media-Kanälen an, wie er uns im Interview erzählt.
27.05.2023 · Ulrike Keller · 3 Min. Lesezeit

Herr Dr. Bézard, Videokonsultationen gehören seit der COVID-19-Pandemie zum Angebotsspektrum vieler Ärztinnen und Ärzte. Warum haben Sie sich dafür entschieden, telemedizinische Beratungen anzubieten?<
Dr. Georg Bézard: Ich habe mich tatsächlich schon vor Pandemiezeiten mit Telemedizin beschäftigt und Videokonsultationen angeboten. Nicht, weil sie für mich ein gewinnbringender Faktor sind. Ich interessiere mich einfach für neue Technologien und innovative Zugangswege zu Medizin. Momentan beschäftige ich mich mit dem Metaverse. Ich glaube, irgendwann werden Ärztinnen und Ärzte mit VR-Brille im Metaverse mit ihren Patientinnen und Patienten interagieren.
Telemedizin wird immer mehr und mehr Teil des Praxisalltags werden. Denn es ist unnötig, etwa mit einem grippalen Infekt verschnupft und fiebrig im Wartezimmer sitzen zu müssen, um sich krankschreiben zu lassen. Ein großer Teil der medizinischen Fälle lässt sich gut telemedizinisch abklären. Früher ist die Hausärztin oder der Hausarzt zu einem nach Hause gekommen, das kann sich heute keiner mehr leisten. Die Lösung ist die Telemedizin.

Welche medizinischen Fragestellungen, die Sie behandeln, eignen sich für Videokonsultationen?
Dr. Georg Bézard: Ideal eignen sich Videokonsultationen, wenn Befunde oder digitale Bilder wie MRT-Bilder bereits vorliegen. Die "Klassiker" wie Kreuzbandverletzung, Meniskusverletzung und das Karpaltunnelsyndrom gehören hier dazu. Auch für schnelle Fragestellungen – wenn etwa die Patientin oder der Patient im Spital war, einen Befund bekommen hat und den mit mir besprechen will – sind Videokonsultationen sehr praktisch. Und natürlich für Zweitmeinungen, weil hier schon Befunde von Kolleginnen und Kollegen vorliegen, die die Patientinnen und Patienten bereits manuell untersucht haben. Auf diesen Befunden kann man dann aufbauen.
Bieten Sie Online-Termine auch für Erstkonsultationen an?
Dr. Georg Bézard: Da kommt es immer auf den individuellen Fall an. Wenn man auf eine manuelle klinische Untersuchung angewiesen ist oder es sich um Fragestellungen handelt, die nicht unter die "Klassiker" fallen und ein wenig Detektivarbeit bedürfen, rate ich zu einem physischen Termin in der Praxis.
Wie weiß nun die Patientin oder der Patient, ob eine Videokonsultation für sie oder ihn geeignet ist?
Dr. Georg Bézard: Vor einer telemedizinischen Konsultation füllt man zunächst einen Fragebogen aus, den man zugeschickt bekommt. Da kann ich schon sagen: geht oder geht nicht. Der Fall, dass ich sagen muss, wir müssen das doch vor Ort klären, tritt selten ein. Am ehesten ist es so, dass ich die Patientin, den Patienten über Videotelefonie abkläre, die Betreffenden dann zu einem MRT schicke und mit ihnen dann einen Termin in der Ordination vereinbare. Sollte ich etwas überhaupt nicht telemedizinisch abklären können, haben die Patientinnen und Patienten zwei Möglichkeiten: Sie kommen zu mir in die Privat-Ordination und ich verrechne es nur einmal als eine Ordination, damit sie keinen finanziellen Schaden haben. Wenn jemand zu weit entfernt wohnt und keinen physischen Termin in Anspruch nehmen kann, verrechne ich nichts. Denn ich möchte keine unzufriedenen Patientinnen oder Patienten in der Telemedizin.
Sie sind auch auf Social Media sehr aktiv und vermitteln dort Ihr medizinisches Fachwissen. Dort werden auch immer wieder persönliche medizinische Fragen an Sie gerichtet. Wie gehen Sie mit diesen um?
Dr. Georg Bézard: Auf Social Media und hier besonders auf TikTok und Instagram kann ich natürlich nur allgemeine Fragen beantworten – zum Beispiel: Was kann man tun, wenn das Kreuzband gerissen ist? Wenn Personen in den sozialen Netzwerken etwa ihren MRT-Befund erklärt bekommen möchten, verweise ich häufig auf meinen telemedizinischen Quick-Check. Während dieses Gesprächs lassen sich kurze Fragestellungen meist schnell und unkompliziert klären.
Aus Ihrer bisherigen Erfahrung: Welche Vorteile bieten Videokonsultationen für Patientinnen und Patienten – abgesehen von den bereits oft kommunizierten Nutzen wie geringerer zeitlicher Aufwand, keine An- und Abfahrtswege etc.?
Dr. Georg Bézard: Den größten Vorteil für Patientinnen und Patienten sehe ich darin, dass eine telemedizinische Zweitmeinung unbeeinflusst und unabhängig von der Erstmeinung erfolgt. Ein weiterer wichtiger Vorteil ist die schnelle und ortsunabhängige Beratung. Ich habe im Ausland lebende Patientinnen und Patienten, die sich in den dortigen Gesundheitssystemen nicht gut beraten und betreut fühlen und lieber Ärztinnen und Ärzte aus Österreich konsultieren.
Wo sehen Sie in Österreich noch Hürden in der telemedizinischen Versorgung?
Dr. Georg Bézard: Mittlerweile gibt es fast keine Hürden mehr – und mit jenen, die es gibt, habe ich mich arrangiert. Etwa, dass ich als Wahlarzt noch nicht ins E-Card-System eingebunden bin und somit noch kein E-Rezept ausstellen kann. Während der Corona-Pandemie war es mir möglich, ein Rezept datengeschützt über meine Ordinationssoftware an die Apotheke zu übermitteln. Dieses Prozedere ist nun nicht mehr möglich – ich muss die Rezepte mit Unterschrift und Arztstempel versehen und per Post übermitteln.
Zur Person:
Dr. Georg C. Bézard ist Oberarzt für Orthopädie und Traumatologie sowie Oberarzt für Unfallchirurgie und in der Privatklinik Währing in Wien sowie in seiner Ordination in Tulln tätig. Seine Schwerpunkte liegen in der Schulter-, Hand- und Kniechirurgie und in der Behandlung von Knochenbrüchen. Er ist seit 2019 LARA Partnerarzt.
Über das LARA Partnernetzwerk:
LARA – das österreichweite Gesundheitsnetzwerk von UNIQA – ist unsere Antwort auf innovative Gesundheitsversorgung und bestmögliche Betreuung der Patient:innen. Erfahren Sie mehr auf lara.uniqa.at.
Als UNIQA Kund:in mit einer Privatarzt-Versicherung können Sie bis 31. Dezember 2023 Videokonsultationen bei LARA Partnerärzt:innen in Anspruch nehmen. Diese werden direkt mit uns verrechnet. Bitte geben Sie bei Terminbuchung bekannt, dass Sie UNIQA Kund:in sind.