Augengymnastik: Yoga für die Augen

Bei täglich etwa 16 Wachstunden sind unsere Augen ganz schön gefordert. Mit einfachen Übungen schenkt man ihnen nicht nur die wohl verdiente Entspannung, sondern setzt auch Anreize für schärferes Sehen.

Frau hält sich Hand vor Augen
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„Bildschirm, Handy-Display und Fernseher – wir sind mehrere Stunden am Tag verleitet, zu starren, statt entspannt zu schauen“, weiß Augen- und Sehtrainerin Marion Weiser. Die Expertin empfiehlt daher, den Augen während des Tages Aufmerksamkeit zu schenken und so besser zu spüren, ob sie eine Auszeit brauchen. Noch bevor Fehlsichtigkeiten auftauchen, könne man mit einfachen Übungen vorbeugen. Und wer bereits Einschränkungen wahrnimmt, hätte Chancen auf Verbesserung.

Bei irreparablen Augenkrankheiten kann ein Augentraining zumindest mithelfen, den Ist-Zustand länger zu erhalten.

Blickfeld erweitern

Das Um und Auf sind Bewegung und Entspannung in und um die Augen. Wird beides durch gezieltes Augentraining verbessert, sind die Ergebnisse oft beachtlich. Mitunter verbessern sich Dioptrien und „sogar bei Grünem Star reduzierte sich bei einer Klientin der Augendruck und das Blickfeld erweiterte sich“, erklärt Weiser. Der erste Fokus liegt jedoch darauf, grundsätzlich achtsamer mit unserem Sehorgan umzugehen.

Die Art zu Schauen


Die Linse ist wie ein Trampolin, das an einem Muskelring (Zilarmuskel) und den „Sprungfedern“ (feine Zonulafasern) aufgehängt ist. Im Alter wird die Linse härter und dicker, die Muskeln werden steifer. Dadurch entsteht etwa auch die Altersfehlsichtigkeit. „Wer die Augen regelmäßig mit sanften Übungen belohnt und fordert, hat die Chance, diesen Prozess zu verlangsamen“, erklärt die Expertin. Viel würde auch davon abhängen, wie man schaut. Weiser nennt das „mit den Augen Gassi gehen.“: „Die Augen öfter mal herumwandern lassen, ihnen Auslauf gewähren, statt ständig fixiert und angestrengt schauen.“

Eine genaue Vorgabe, wie oft man üben sollte, gibt Marion Weiser nicht – man würde ohnedies rasch merken, wie gut das Augentraining tut.

Fünf Übungen für die Augen

1. Augen-Yoga

Aufrecht sitzen und den Kopf gerade halten. Mit der ausgestreckten Hand, am besten mit dem Zeigefinger, große Linien nach oben und nach unten ziehen, auch diagonal, und danach große Kreise formen. Ohne dass der Kopf bewegt wird, folgen die Augen der Fingerspitze – und machen damit ungewohnte Bewegungen. Dabei immer wieder entspannt atmen und blinzeln. Die Übung erweitert das Blickfeld, die Muskulatur wird geschmeidiger.

2. Bewusstes Blinzeln

15 bis 20 Sekunden lang die Augenlider sanft auf- und zubewegen. Die Übung sorgt für Flüssigkeitsproduktion und lockert. Eignet sich daher sehr gut für trockene Augen.

3. Auslauf geben

Von einem nahen Gegenstand (etwa der Tastatur) eine gedachte Linie mit den Augen aus dem Fenster weit hinausziehen und wieder zurück. Ein paar Mal wiederholen. Die Übung fördert das Scharfstellen beim Sehen (Akkommodation).

4. Abklopfen

Augen schließen und die Knochen rund um die Augen an der Nasenwurzel beginnend sanft mit den Fingerspitzen abklopfen. Die Übung entspannt und aktiviert gleichzeitig.

5. Palmieren

Hierbei handelt es sich um eine Augenübung von Dr. William Bates, dem Begründer des Sehtrainings. Sie hilft, kurz innezuhalten und in Stresssituationen den Gedankenfluss zu beruhigen. Zudem energetisiert sie die Augen. Die Hände werden durch Aneinander-Reiben erwärmt – danach bedeckt man die geschlossenen Augen mit gewölbten Handflächen. Die Ellbogen am Tisch abstützen und entspannt atmen. Ein paar Minuten dabei bleiben.
Ziel der Übung: Entspannung und Fokus.

Zur Person
Marion Weiser ist eine ganzheitliche Körpertherapeutin mit Spezialisierung auf Augen- und Sehtraining in Wien, Linz und St. Pölten. Sie bietet zu diesem Thema Workshops und Einzelstunden an und arbeitet auch nach der The Work-Methode von Katie Byron.