Täglich ein wenig achtsamer

„Achtsamkeit“ ist mehr als ein trendiges Schlagwort. Die 2.500 Jahre alte Lebenshaltung macht uns gelassener und kraftvoller. Sie verschafft Klarheit und hat auch merkliche Vorteile für die Gesundheit.

Frau mit geschlossenen Augen in Stadt
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Der Schnellzug namens Leben hat eine Pausetaste: Achtsamkeit kann helfen, das Leben wieder zu verlangsamen und bewusst wahrzunehmen, was ist. „Grundsätzlich geht es darum, vom Autopiloten-Modus umzuschalten und aufmerksamer zu sein. Mindful statt Mind-Full“, erklärt die Achtsamkeitstrainerin und Glückspsychologin Silena Piotrowski. „Dabei gibt es formale Möglichkeiten wie etwa Meditation und Atemtraining oder die informelle Praxis: nämlich im Alltag präsent sein.“ 

Körper, Gefühle und Gedanken 

“Man kann sich etwa verstärkt seinem Körper widmen. Wie fühlt er sich heute? Bin ich verspannt? Womit „füttere“ ich mich jeden Tag (welche Nahrungsmittel, welcher Konsum, welche Informationen…) – und was macht das mit mir?“, so die Expertin. Auch Gefühle könne man bewusster wahrnehmen und sie klar benennen. 

Will man den inneren Autopiloten stoppen, gilt es eine Art „Gedankeninventur“ zu machen. Silena Piotrowski schlägt dafür folgende Fragen vor: „Was denke ich gerade darüber, was im Außen passiert? Was denke ich, obwohl im Außen gar nichts passiert? Wo bin ich mit meinen Gedanken – in der Zukunft, in der Vergangenheit? Sind das angenehme oder unangenehme Gedanken?“

Essentiell sei eine interessierte, aber durchgehend wohlwollende Haltung dem eigenen Kopfchaos gegenüber: Es ist eben gerade so, wie es ist.  

Was passiert um mich herum? 

„Beobachten statt Bewerten“ – diese Herangehensweise wird mit gutem Grund seit 2.500 Jahren im Buddhismus gelehrt. Piotrowski: „Wenn ich gelassener beobachte, kann ich besser abwiegen, wie ich darauf reagieren will. Eine achtsame Haltung macht uns positiv präsent und wirksamer in unseren Entscheidungen und Handlungen. Und: glücklicher.“ 

5 Übungen zur Schulung der Achtsamkeit 

1. Gehmeditation

Am Weg jeden Schritt bewusst setzen, ruhig, ohne zu hetzen. Dabei schauen, was es ringsherum Schönes zu sehen gibt. 

2. Freude an der Stille

Die Kraft und Schönheit der Stille wiederentdecken, in der Stille kann man ganz im Kontakt mit sich selbst sein. Geräuschquellen und Ablenkungen (wie z.B. das Handy) für ein paar Minuten ausschalten und die Ruhe genießen – am besten bei einem kurzen Spaziergang in der Natur.

3. Achtsames Essen

  • Eine gesunde Mahlzeit langsam und bewusst zu sich nehmen. Dankbarkeit spüren, für alles, was mich nährt.

4. Alles ist besonders

Egal, was man tut, man kann es mit Anmut und entspannter Bauchatmung tun: Abwaschen, Zähne putzen, Duschen, Gemüse schneiden…

5. Mikropause

Mehrmals am Tag eine ganz kurze Pause einlegen – 1-2 Minuten. Dazu am besten die natürlichen Verbündeten der Langsamkeit nutzen: die rote Ampel, die Warteschlange im Supermarkt… Wer gar nicht dran denkt, stellt sich kleine Erinnerungen im Handy ein. Dann geistig innehalten, 3-4 ruhige und tiefe Atemzüge nehmen und zum Abschluss… lächeln.  

  • Zur Person
    MMag. Silena S. Piotrowski ist Betriebswirtin und Psychologin. Als Trainerin, Coach und Unternehmensberaterin ist für sie Achtsamkeitstraining zu einem essentiellen Inhalt geworden.