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Kicken wie Baumgartner: Worauf wir beim Hobbyfußball achten sollten

Bei der kommenden Fußball-Weltmeisterschaft 2026 wird mit der österreichischen Nationalmannschaft wieder intensiv mitgefiebert – seit der Qualifikation Ende 2025 erlebt der Fußballsport hierzulande einen neuen Hype. Nicht-Profis beschert das Kicken vielleicht keinen Ruhm, dafür aber zahlreiche andere Benefits.

Aktualisiert: 07.01.2026 · Alexandra Wimmer

Fußball spielen

Zugegeben: Viele begeistert der Ballsport vor allem vor dem Fernseher gemütlich auf der Couch. Für all jene, die die bevorstehende Ferien- und Urlaubszeit für Fußball-(Schnupper-)Trainings nutzen wollen, hat der Linzer Sportmediziner und langjährige Teamarzt des LASK, Dr. Milan Toljan, wertvolle Tipps.

Hochbeliebter Hobbysport

Gleich vorweg: Fußballspielen zählt hierzulande zu den gefragtesten Hobbysportarten - nach Schwimmen, Wandern, Radfahren, Fitness, Laufen und Skifahren – und ist die beliebteste Teamsportart überhaupt: Knapp 248.000 Österreicherinnen und Österreicher sind in einem Fußballverein aktiv (Quelle: Statista, 12/23).

Vielseitiges Training

Beim Kicken wird der Körper auf vielfältige Weise gefordert. Gesundheitlichen Problemen wird vorbeugt, Stress wird ab- und Fitness aufgebaut. „Man trainiert die Ausdauer, die Kraft und die Koordination. Außerdem bietet das Fußballspielen eine gute Grundlage für andere Ballsportarten wie Tennis oder Golf“, erläutert der Facharzt. „Fußballer sind immer gute Tennisspieler. Viele ehemalige Profifußballer wurden nach Beendigung ihrer Fußballkarriere ganz ausgezeichnete Tennisspieler."

Fördert das Gemeinschaftsgefühl

Der Ballsport fördert nicht nur die Fitness, er stärkt nachweislich den Teamgeist und das Gemeinschaftsgefühl. Nach eineinhalb Jahren pandemiebedingter Einschränkungen und sozialer Isolation kommt der Effekt Kindern und Jugendliche ganz besonders zugute. „Für Heranwachsende bringt das Fußballspielen wichtige soziale Vorteile“, unterstreicht Toljan.

Ganz nebenbei abspecken

Nebenbei purzelt bei dem schnellen Teamsport auch das eine oder andere Kilo, das man sich durch das dauernde Homeoffice und Homeschooling vielleicht zugelegt hat. Und: „Beim Fußballspielen können sich auch jene, die körperlich nicht so fit oder vielleicht sogar dicklich sind, im Team behaupten“, unterstreicht der Mediziner.

Frauen im Aufwind

Fußball begeistert jung und alt. Besonders freut Toljan, dass sich immer mehr Mädchen für den Ballsport begeistern. „In der Vorpubertät können sie sehr gut in gemischten Teams mitspielen und mithalten. Sie spielen genauso gut wie die Jungs“, unterstreicht er. Weil sie mit der Pubertät durch den Anstieg der männlichen Hormone (mehr) Muskeln als Mädchen entwickeln, sind Burschen dann im Vorteil. „Ab dann sind die jugendlichen Spielerinnen besser in einem Mädchenteam aufgehoben.“ Wie gut – das zeigen die Erfolge der österreichischen Fußballnationalmannschaft der Frauen, die sich aktuell auf die Qualifikationsspiele für die WM 2023 im Herbst vorbereitet.

Hohes Verletzungsrisiko

So attraktiv der Ballsport für viele ist - er birgt einige Risiken: Immerhin gehen die meisten Sportverletzungen hierzulande auf sein Konto. 2016 passierten 50.000 von 200.000 Sportverletzungen beim Kicken.

Bitte Fairplay – auch der Gesundheit zuliebe

Warum ist die Verletzungsgefahr beim Fußball so hoch? „Da es sich dabei um eine Zweikampfsportart mit Kontakt zum Gegenspieler handelt, lassen sich Verletzungen schwer vermeiden“, erklärt Toljan. Da sei Fairplay gegenüber allen Mitspielenden gefragt – auch der eigenen Gesundheit zuliebe.

Knie als besondere Schwachstelle

Kickende Frauen sollten ein besonderes Augenmerk auf die Kniegelenke haben. „Der Kreuzbandriss trifft Frauen viermal so oft wie Männer“, unterstreicht der Mediziner. Der Grund sei die Sprungtechnik: „Frauen landen nach dem Sprung oft mit X-Beinen. Es ist aber extrem wichtig, breitbeinig zu landen.“ Nichtsdestotrotz ist auch bei Männern der Kreuzbandriss die häufigste Verletzung.

Bei Unwohlsein rasch zum Herzcheck!

Zusätzlich würden Männer ab der Lebensmitte oft ihr Herz-Kreislauf-Risiko unterschätzen, beobachtet Toljan. „Beim Fußballsport werden mitunter sehr hohe Pulsfrequenzen erreicht, die das Herz-Kreislauf-System belasten und jemandem mit hohem Blutdruck gefährlich werden können.“ Hobbysportler und Hobbysportlerinnen ab 40 sollten einmal jährlich ihr Herz eingehend untersuchen lassen. „Und wenn ihnen beim Sport unwohl ist, sie eine Beklemmung im Brustkorb verspüren und einen Leistungsabfall bemerken, sollten sie dringend das Herz checken lassen“, ergänzt Toljan. Es könnte eine Verkalkung der Herzkrankgefäße dahinterstecken. „Die Erkrankung tut nicht weh, führt aber zum Herzinfarkt, wenn man die kleinen Warnhinweise ignoriert.“

Aufwärmen senkt Verletzungsgefahr

Und mit der richtigen Vorbereitung lässt sich das Verletzungsrisiko deutlich senken: Beim Aufwärmen werden Körper und Gelenke optimal vorbereitet. „Es reicht, wenn man zehn Minuten langsam läuft, bis man leicht ins Schwitzen und außer Atem kommt“, sagt der Experte. Zusätzliches Dehnen sei nicht notwendig, da durch das moderate Laufen der Körper ohnedies leicht gedehnt, die Muskulatur durchblutet und erwärmt wird.

Am besten mit gleich starken Teammitgliedern

Natürlich sind auch beim Hobbyfußball Kondition und Sprintschnelligkeit wichtig. Allerdings lässt besonders die Sprintschnelligkeit im Alter erheblich nach. „Am besten spielt man in einer Gruppe, in der die körperliche Leistungsfähigkeit ausgeglichen ist“, rät Toljan. Das beugt nicht nur Frustrationsgefühlen vor. „Auch die Verletzungsgefahr ist am geringsten in einer Gruppe mit homogener körperlicher Leistungsfähigkeit.“

Unser Fazit:

Fußballspielen ist ein vielseitiger und attraktiver Sport, birgt allerdings ein hohes Verletzungsrisiko. Couchpotatoes sollten sich dennoch nicht zu früh freuen: „Der gesundheitliche Aspekt ist weitaus höher einzuschätzen als die Verletzungen, so traurig sie sind“, ist Sportmediziner Toljan überzeugt.

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