Smart Home, Smart Klimaschutz?

Intelligente Anwendungen für das eigene Zuhause, besser bekannt unter dem Begriff Smart Home, finden immer stärker Einzug in die Wohnzimmer, Garagen und Badezimmer der Welt. Sie machen nicht nur unser Leben bequemer, sondern können auch einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Ganz eindeutig ist die Lage aber nicht.

Frau an smartem Temperaturregler in Haus
© Adobe Stock | Halfpoint

Ob in Österreich, Europa oder der gesamten Welt: Das Klimabewusstsein ist so hoch wie nie zuvor. Für viele Menschen bedeutet das, dass sie einen Beitrag leisten wollen. Nun macht sich wohl kaum jemand die Illusion, den Klimawandel allein aufhalten zu können. Doch wenn viele Menschen bereits ein klein wenig beitragen, kann das eine große Wirkung entfalten. Und das ist, wo Smart-Home-Anwendungen ins Spiel kommen.

Smart Home kann Verschiedenes beschreiben. In aller Regel geht es darum, die Wohn- und Lebensqualität zu erhöhen, vor allem durch das Vernetzen von Geräten oder die Automatisierung von Abläufen. In der Praxis bedeutet das Fernseher, die auf Sprachbefehle reagieren, Haustüren, die per App geöffnet werden und Lampen, die sich intelligent der Tageszeit anpassen.

Beispiele: So kann ein Smart Home aussehen
  • Sicherheitskameras, die Sie per App kontrollieren können, zum Beispiel im Urlaub.
  • Bewegungsmelder, die zwischen Bewohnern, Gästen und Haustieren unterscheiden können
  • Kaffeemaschinen, die sich automatisch einschalten, wenn der Wecker klingelt
  • Waschmaschinen, die per Push-Nachricht fertige Wäsche ankündigen
  • Fenster, die eine Nachricht ans Smartphone schicken, wenn Sie sie vor dem Verlassen des Hauses nicht geschlossen haben
  • Türschlösser, die Lieferanten in Ihrer Abwesenheit die Tür öffnen, damit sie Pakete abliefern können


Im Smart Home ist es nie zu warm

Das erlaubt einige spannende Klimaschutz-Möglichkeiten. Der wichtigste Vorteil ist die Energieeffizienz. Smarte Thermostate haben viel Potenzial. Diese erlauben dem Nutzer, die Temperatur für verschiedene Räume individuell und per Internet oder Smartphone-App zu steuern. Indem die Systeme intelligent die Heizung oder Kühlung steuern, sorgen sie dafür, dass Energie gespart wird. Verlässt zum Beispiel der Bewohner das Haus, erkennt das System das und dreht vollautomatisch die Temperatur wieder zurück.

Der prominenteste Hersteller für solche Systeme ist Google-Tochter Nest. Deren System „lernt“ vom Verhalten der Bewohner und passt die Temperatur automatisch daran an. Außerdem bietet es detaillierte Statistiken, damit der Haushalt über seinen Verbrauch Bescheid weiß und Stellschrauben zum Verbessern erkennt.

Heizen, Wässern, Energiesparen

Doch auch in Europa gibt es immer mehr Anbieter, vor allem Startups. Die Münchner Firma tado hat eine Technik entwickelt, die dank Smartphone-GPS erkennt, wann ein Bewohner das Haus verlässt oder ob er in Kürze zurückkehrt. Dann passt sie dementsprechend die Temperatur an. Selbst den Wetterbericht berücksichtigt das System, damit bei angekündigtem Sonnenschein nicht auch noch die Heizung aufgedreht ist.

Während tado aber nur das zentrale Heizsystem steuert, erlauben andere Firmen auch, auf individuelle Heizkörper zuzugreifen und damit gezielt die Temperatur verschiedener Räume anzupassen. Auch das hilft, Energie zu sparen.

Nun gibt es natürlich nicht nur schlaue Thermostate. Ein Produkt der amerikanischen Firma Skydrop berücksichtigt Prognosen zum Niederschlag, um Gärten intelligenter zu wässern. Das spart Wasser, was gerade in trockenen Regionen wie Kalifornien wichtig ist. Ähnlich wie Nest lernt das System außerdem vom Verhalten der Bewohner und gibt Feedback.

Doch wie viel können Smart-Home-Anwendungen tatsächlich zum Klimaschutz beitragen? Das tado-System war Bestandteil einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik zu dieser Frage. Das Institut fand heraus, dass die smarten Thermostate bis zu 26% an Heizenergie einsparten. Vor allem die Fähigkeit, bei Abwesenheit der Bewohner die Temperatur zu senken, hatte einen großen Einfluss. Die Hersteller argumentieren teils mit deutlich höheren Werten, mitunter bis zu 70% Einsparung.

Vielleicht doch nicht so smart

Allerdings gibt es auch Kritik: Der deutsche Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) argumentiert, dass der Stromverbrauch der Smart-Home-Geräte selbst sowie deren Herstellungskosten so stark zu Buche schlagen, dass das die Energieeinsparungen wieder nichtig macht.

Ist Smart Home also der schlaue Weg, zum Klimaschutz beizutragen oder doch nur ein wohlgemeintes Gimmick? Noch steht die Technologie an ihrem Anfang. Das heißt, dass es bislang zu sehr an belastbaren Daten fehlt, um ein endgültiges Urteil zu fällen. Klar ist: Wenn die Industrie in der Herstellung ihrer Smart-Home-Anwendungen rechtzeitig den Aspekt Nachhaltigkeit mitberücksichtigt, können schlaue Thermostate und ähnliche Geräte viel Potenzial haben.

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