Smart Homes: Sind meine Daten sicher?

Smart Homes sind praktisch, effizient und modern. Allerdings sind sie auch stets miteinander und dem Internet vernetzt. Was heißt das für Sicherheit und Datenschutz?

Frau verwendet App für Smart Home vor ihrem Haus
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Ein Smart Home macht das Leben gleich wundersam komfortabler. Es schaltet das Licht aus, wenn Sie den Raum verlassen; regelt die Heizung genau so, wie Sie es sich wünschen; und lässt Diebe hinein, wenn sie nur nett genug darum bitten.

Moment, was? Na gut, das stimmt natürlich nicht. Ein Smart Home ist erstmal ähnlich sicher wie ein normales Haus – oder sogar sicherer, denn smarte Überwachungskameras, Türschlösser und Alarmanlagen gibt es ja auch noch. Wo die ganze Technologie allerdings Fragen aufwirft, ist beim Thema Daten und Cybersicherheit.

Doch vorab: Wenn Sie auf einige Dinge Acht geben, können Sie die Vorteile Ihres Smart Homes sorgenfrei genießen. Was sind also die Risiken und was können Sie dagegen tun?

Gut zu wissen

Ein „Smart Home“ ist ein Zuhause, in welchem unterschiedliche Geräte miteinander vernetzt sind und „intelligent“ handeln – zum Beispiel eine Lampe, die anhand Ihres Smartphones erkennt, dass Sie das Haus verlassen haben, und das Licht ausschaltet.

Sicherheitsrisiken und Smart Home: Wenn die Waschmaschine gekapert wird

Die Schwachstelle (und gleichzeitig der Vorteil) beim Smart Home ist, dass die meisten Smart-Home-Anwendungen über das Internet miteinander vernetzt sind. Solche Geräte fallen unter den Begriff „Internet der Dinge“ (IoT). Und einige Datensicherheitsfirmen schätzen, dass 80 Prozent der IoT-Anwendungen durch Hacker angreifbar sind.

Heißt das, dass Angreifer Ihre Waschmaschine kapern und Ihre Feinwäsche auf 90 Grad durchwirbeln können? Gewissermaßen schon. Denn device hijacking, also die Übernahme eines „smarten“ Geräts, ist tatsächlich eine Gefahr. 

Ende vergangenen Jahres erlebte eine texanische Familie den Schreck ihres Lebens, als ihr Wifi-fähiges Babyfon gehackt wurde. Der Täter gab vor, das Kind zu entführen und erteilte den Eltern Anweisungen über die Kamera des Babyfons. Sie stellten fest, dass sich niemand im Haus befand und schalteten das Wifi aus, um den Hacker auszuschließen.

Gut zu wissen

Neben device hijacking gibt es zum Beispiel auch noch Denial of Service-Attacken. Hier geht es darum, ein Gerät oder Netzwerk so sehr mit Anfragen aus dem Internet zu überlasten, dass es zeitweise oder permanent unbrauchbar wird.

Smart Home und Datenschutz

Das andere große Thema ist Datenschutz. Ein Smart Home sammelt Daten, je nachdem, welche Geräte und Anwendungen Sie nutzen. Da diese miteinander vernetzt sind, können Angreifer schnell viele Daten erbeuten.

Hacker könnten – um es etwas auf die Spitze zu treiben – dank Ihrer smarten Waschmaschine herausfinden, wann Sie im Haus sind, was Ihre Kreditkartennummer ist, wie viele Menschen in Ihrem Haushalt leben und vieles mehr.

Dann winken im besten Fall Werbung, da die Hacker Ihre Daten verkauft haben, oder im schlimmsten Fall Betrugsversuche.

Österreicher und Datenschutz

Wie steht es eigentlich um die Meinung zu Datensicherheit in Österreich? In einer EU-Umfrage aus dem Jahr 2015 nannten 92 Prozent der Österreicher Datenschutz „besonders wichtig“ – der zweithöchste Wert nach Dänemark.

Im vergangenen Jahr fand eine Umfrage der Marktforschungsfirma Integral außerdem heraus, dass 60 Prozent der Österreicher befürchten, nicht genug Kontrolle über ihre Daten im Internet zu haben. Und 71 Prozent verneinten die Frage, ob Datenschutz nicht mittlerweile zu viel Bedeutung bekomme.

Smart Home und Datenschutz, im Kleingedruckten

Die Probleme rund um Datenschutz haben nicht ausschließlich mit kriminellen Hackern zu tun: Die Firma iRobot entwickelt den smarten Staubsaugerroboter Roomba. Dieser rast wie ein überdimensionierter Eishockeypuck durch Ihre Wohnung und sammelt dabei räumliche Daten. iRobot nutzte diese allerdings nicht nur, um den Roboter zu verbessern, sondern wollte sie auch an Drittfirmen verkaufen.

Als das bekannt wurde, war der Ärger groß – Problem nur, dass iRobot damit offen umgegangen war und seinen Kunden in den Nutzungsbedingungen einen „opt-out“ angeboten hatte, also die Möglichkeit, die eigenen Daten vom Weiterverkauf auszunehmen – aber wer liest schon die Nutzungsbedingungen?

Wie Ihr Smart Home ein sicheres Zuhause bleibt

Doch bevor wir unsere Router ausstöpseln und wieder Kerzenlicht einführen, atmen wir noch einmal kurz durch. Wie kommt es zu solchen Sicherheitslücken? In einigen Fällen kann es fehlerhafte Software des Herstellers sein. Doch in den allermeisten Fällen geht es tatsächlich um so banale Dinge wie die Stärke Ihres Passworts.

Der Breach Level Index, welcher Datenverluste- und Diebstahl seit 2013 dokumentiert, schätzt, dass in 96 Prozent der Fälle die Ursache vermeidbar gewesen wäre.

Wenn Sie grundlegende Sicherheitshinweise beachten, starke Passwörter verwenden und die Software Ihrer Geräte regelmäßig updaten, können Sie das Hacking-Risiko weitestgehend minimieren. Allein schon, weil Hacker sich lieber leichtere Ziele suchen

Wie Sie Ihr Smart Home sicher gestalten

  • Benutzen Sie starke Passwörter! „1234“ oder „Passwort“ erraten Hacker in Sekunden.
  • Hersteller bieten regelmäßig Updates für ihre Software an. Führen Sie sie aus, denn oft werden damit Sicherheitslücken gestopft.
  • Erkundigen Sie sich schon beim Kauf smarter Geräte über die Reputation der Herstellerfirma. Ist sie für hohe Sicherheit bekannt?
  • Lesen Sie sich Nutzungsbedingungen und Datenschutzhinweise durch.
  • Achten Sie darauf, welche Felder Sie ankreuzen und wo Sie ihre Unterschrift setzen. Nicht jeder Haken muss gesetzt werden, manchmal versteckt sich im Kleingedruckten die Zustimmung zum Sammeln oder Weiterverkaufen von Daten.


Ob Sie also in einem Smart Home oder in einem „Mein Hacker hält meine Waschmaschine als Geisel“-Home leben, liegt gewissermaßen in Ihrer Hand.