Qi Gong: Wenn der Kranich die Flügel ausbreitet

Die sanften Übungen des Qi Gong wirken ausgleichend auf Körper, Geist und Seele: Das Wohlbefinden steigt, während der Stresspegel sinkt.

frau am see macht qi gong uebungen
© Adobe Stock | Val Thoermer

Qi Gong ist ein außergewöhnliches Schauspiel: Menschen unterschiedlichen Alters bewegen sich sanft fließend und wie in Zeitlupe zu einer unhörbaren Musik. Was wie Meditation in Bewegung wirkt, ist Qi Gong, die „Kunst zur Aktivierung der Lebensenergie“.

Langes Leben als Ziel 

Diese Bewegungsform ist tausende Jahre alt, ebenso alt wie die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM). Qi Gong ist eine ihrer Säulen, die alle zum Ziel haben, das Leben möglichst lange zu erhalten. Die TCM geht davon aus, dass es eine universelle (Lebens)Energie namens Qi (auch: Ji/Ki) gibt, welche alle Lebewesen, die Erde und das Universum durchströmt. Der Mensch wird mit einem Vorrat an Qi geboren, der bis zu seinem Tod weniger wird. Durch gesunde Lebensweise – Vermeidung von Verausgabung, ausgewogene Nahrung und besondere Übungen kann Qi bewahrt bzw. aufgenommen werden. Im menschlichen Körper fließt Qi in eigenen Bahnen (Meridianen). Solange es gleichmäßig strömt, ist der Mensch gesund. Kommt es zu Blockaden durch innere oder äußere Faktoren, entsteht Ungleichgewicht und in Folge Krankheit. Beim Qi Gong wird der Körper durchlässig gemacht, damit die Energie wieder harmonisch fließt. 

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Der Weg zu sich selbst 

„Das Faszinierende an Qi Gong ist die Tiefe dieser Methode. Zwar werden auch Bewegungen ausgeführt, die zum Teil einer Gymnastik oder einem Tanzschritt ähnlich sind, aber die Bewegung ist nur die äußere Form, die Hülle, die dann mit Inhalt gefüllt wird. Deshalb entsteht Qi Gong eigentlich erst, wenn man die Übung beherrscht und die Energie fließen kann“, erklärt UNIQA VitalCoach Mag. Claudia Salcher. „So gesehen ist Qi Gong ein inneres Tun, das uns dabei hilft, uns selbst besser kennen und auch lieben zu lernen. Es ist eine Methode, die uns zu uns selbst führt. Die uns in die Ruhe und Achtsamkeit begleitet und uns dazu einlädt, unsere Sinne nach innen zu lenken. Dass der Körper dabei gleichzeitig kräftig und geschmeidig wird, ist nur eine angenehme Nebenerscheinung, aber nicht das vorherrschende Ziel.“ 

Wie Sterne am Himmel 

So wie sich die TCM aus der Beobachtung von Natur(-phänomenen) entwickelt hat, haben auch die Qi Gong Übungen einen starken Naturbezug. Sei es, dass man die Rolle eines Tieres einnimmt („Der Drache fliegt über das blaue Meer“) oder man versetzt sich meditativ in die Natur („Die Wolken teilen“).  

Es heißt, es gäbe so viele verschiedene Qi Gong Übungen wie „Sterne am Himmel“. Denn jeder Meister entwickelte seine eigenen Übungen und seine Schüler variierten diese wiederum. Eines haben jedoch alle gemeinsam: Körper, Geist und Seele werden positiv beeinflusst. Die Atmung wird ruhiger und gleichmäßiger, Muskeln werden besser durchblutet, Gelenke sanft bewegt, Sehnen gedehnt, die Wirbelsäule wird aufgerichtet, wodurch sich auch die Haltung verbessert. Ebenso profitieren Nerven-, Kreislauf- und Immunsystem. Claudia Salcher: „Die Teilnehmer meiner Kurse berichten auch, dass sie ihren Alltag als weniger stressig empfinden bzw. besser handeln können, da sie mit Qi Gong Werkzeuge an der Hand haben, um mit Stress und Anspannung leichter umzugehen.“ 

Für den kleinen Energie-Kick zwischendurch empfiehlt die Qi Gong-Trainerin eine Übung aus den Shibashi (18-fache Harmonie): 

  1. Stehen Sie locker und hüftbreit, Ihre Arme hängen entspannt an den Seiten Ihres Körpers herab, lächeln Sie sich selbst zu.
  2. Mit der Einatmung heben Sie Ihre Arme bis in Brusthöhe. Dabei sind Ihre Handgelenke weich und geschmeidig, die Finger schauen nach unten.
  3. Mit der Ausatmung senken Sie Ihre Arme wieder. Dabei schauen die Fingerspitzen zum Himmel bzw. nach vorne. 

Stellen Sie sich dabei vor, wie das Qi der Erde beim Heben Ihrer Arme über Ihre Beine in Ihren Körper steigt. Beim Senken der Arme löst sich alles, von dem Sie sich trennen möchten, und fließt nach unten, um Platz für Neues zu schaffen. 

Zur Person 
Mag. Claudia Salcher, Sportwissenschaftlerin, Dipl. Qi Gong-Lehrerin und Leiterin der österreichischen Qi Gong-Gesellschaft Tirol / Vorarlberg. Zusätzlich vermittelt sie als UNIQA VitalCoach, Pilates-Trainerin und Ernährungsberaterin nach den 5 Elementen ihr Wissen an Interessierte.

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