Virenkiller aus Fernost

Schnupfenzeit mal anders: Warum nicht Erkältung und Grippe mit Hausmitteln aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) zu Leibe rücken?

Frau riecht an Tee
© Adobe Stock | David Freigner

Um es gleich vorweg zu sagen: Viren und Bakterien kennt die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) nicht. Anders als die Westliche Medizin, die mit naturwissenschaftlichen Methoden das Blut analysiert oder Körpertemperatur misst, beobachtet die TCM, welche Einflüsse Wetter und Klima, Ernährung oder Emotionen auf den Gesundheitszustand des Menschen haben und zieht daraus ihre heilenden Schlüsse.

Erstes Gebot: Zum Schwitzen bringen

Während man im Westen zwar ebenfalls weiß, dass bei nasskaltem Wetter das Risiko steigt, sich zu verkühlen, definiert die TCM Wind-Kälte bereits ganz klar als pathogenen (d.h. krankmachenden) Faktor. In bilderreicher Sprache heißt es da, dass er über „Windtore“ in den Körper eindringt. Diese Areale liegen am Hinterhaupt und im Nacken, weshalb man sie besonders gut schützen sollte. Womit sich der Kreis zum Erfahrungswissen der Großmütter schließt, die seit jeher raten, im Herbst bzw. Winter stets einen Schal zu tragen …

Ist Wind-Kälte in den Körper gelangt, dringt sie immer tiefer ein. (Übrigens spricht man auch in der Schulmedizin vom „absteigenden Infekt“.) Solange der pathogene Faktor jedoch noch nicht zu weit vorgedrungen ist, kennt die TCM zahlreiche Hausmittel, um ihn wieder aus dem Körper zu befördern. Konkret, um die Hautporen zu öffnen und ihn auszuschwitzen.

Asiatische Scharfmacher

Das beste Mittel dafür sind scharfe und erhitzende Kräuter, Gewürze und Lebensmittel. Ein kleiner Einschub: Nahrung wird in der TCM nicht nach Vitamin- und Nährstoffgehalt eingeteilt, sondern nach ihrer thermischen Wirkung auf den Menschen. So unterscheidet man heiße, warme, kühle und kalte Lebensmittel, die je nach Beschwerden und Befindlichkeit zum Einsatz kommen.

Hat man nun eine Erkältung (jawohl, da steckt auch das Wort Kälte drin), braucht es heiße und schweißtreibende Lebensmittel.

Besonders geeignet dafür sind: frischer Ingwer, Frühlingszwiebeln oder Knoblauch. Auch Rote Rüben, Fenchel, Kohlsprossen, Süßkartoffel, Maroni, Kürbis, Hafer, Huhn oder Lamm gelten als wärmend. Ebenfalls erhitzend sind scharfe Gewürze wie Chili, schwarzer Pfeffer, Curry, Zimt oder Muskat. In Suppen  oder als Speisen bringen sie Wärme in den Körper.

Schweißtreibende Kräuter für Tees sind: Thymian, Schafgarbe, Ysop.

Erkältungstipp Nr. 1

Drei Stück frischer Ingwer (jedes etwa so groß wie eine Knoblauchzehe) schälen, in Scheiben schneiden und mit ½ Liter Wasser etwa 20 Minuten lang köcheln – fertig ist der Ingwertee! Danach warm trinken. Wer einen empfindlichen Magen hat oder zu trockener Haut neigt, kann einen Teelöffel Honig dazu geben. 

Erkältungstipp Nr. 2

½ Teelöffel geriebenen frischen Ingwer und ½ Teelöffel geriebenen scharfen Kren mit heißem Wasser überbrühen, etwas Honig dazugeben und ebenfalls warm trinken.

Westlicher Irrtum

Zwei Erkältungsmittel, die sich in unseren Breitengraden großer Beliebtheit erfreuen, sind aus Sicht der TCM absolute NoNos: Orangensaft/heiße Zitrone und Milch mit Honig.

  • Zitrusfrüchte sind thermisch kalt und Säure zieht zusammen – sie bewirken also das komplette Gegenteil, wenn man eine erhitzende und schweißtreibende Wirkung erzielen möchte.
  • Milch (so wie alle Milchprodukte) und Honig wirken schleim- bzw. feuchtigkeitsbildend. Hat jemand Schnupfen oder feuchten Husten, verschlechtert heiße Milch mit Honig seinen Zustand deshalb sogar noch.

Bei Fieber und Hitze

Wandelt sich bei einer Erkältung das Frieren in Fieber um oder handelt es sich um Grippe mit Fieber, braucht es statt erhitzender (Lebens)Mittel natürlich kühlende. Wie zum Beispiel Soja und Tofu, Chinakohl, Zucchini, Brokkoli, Champignons, Tomaten, Gurken, Wassermelone, Spargel oder Melanzani.

Als Tee eignen sich in diesem Fall: Pfefferminz, Holunderblüten , Eukalyptus oder Lindenblüten.

Buchtipp

Susanne Hornfeck, Die acht Schätze der chinesischen Heilküche, dtv Verlagsgesellschaft 2004