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Mentale Gesundheit: Wie Schulkinder Resilienz "lernen"

Die psychische Gesundheit ist ein essenzielles Gut, das es zu schützen und zu stärken gilt. Der Schulverein simplystrong by UNIQA fördert mit dem Programm Vital4Heart das resiliente Verhalten von Kindern.

Aktualisiert 09.01. 2026 · Alexandra Wimmer · 3 Min. Lesezeit

Person sitzt mit verschränkten Armen hinter dem Kopf vor einer Tafel mit mathematischen Formeln.

„Wenn Schulen die Kinder auf das Leben vorbereiten wollen, dann müssen sie die Selbstregulation der Kinder fördern!“ Das ist das Credo am BG Zehnergasse in Wiener Neustadt. Mit dem Schulverein simplystrong by UNIQA hat man ein Programm zur Förderung von Entspannung und Resilienz von sechs- bis 18-jährigen Schüler:innen entwickelt und erfolgreich etabliert. Maßgeblich beteiligt ist die Lehrerin Mag. Ursula Eichler. Sie hat das Programm Vital4Heart erarbeitet und seine Wirksamkeit in drei Studien untersucht.

Gesundheitsförderung von Kindheit an

Kindern sollte von klein auf – kindgerecht und spielerisch – vermittelt werden, was sie für ihr psychisches und mentales Wohlbefinden tun können. Ursula Eichler greift das Thema regelmäßig im Unterricht auf: Gemeinsam wird überlegt, wie sich körperliche, seelische und geistige Gesundheit zeigen und was man dafür tun könnte. Zudem gibt es viele Faktoren, die das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen besonders beeinträchtigen, allen voran die ausgeprägte Nutzung digitaler Medien. Mit dem pandemiebedingten Homeschooling haben sich die Online-Zeiten nochmals dramatisch erhöht: Die Kinder sitzen bis zu 14 Stunden vor dem PC, die Handyzeiten noch nicht mitgerechnet, zeigen Umfragen. Die langen Onlinezeiten beeinträchtigen nicht nur die mentale Gesundheit der Kinder – etwa Konzentration und kognitive Leistungsfähigkeit –, auch Lebensstilfaktoren wie Bewegung, ausgewogene Ernährung und Schlaf kommen dadurch zu kurz. Weiters wird die soziale Kompetenz erheblich eingeschränkt, wenn fast ausschließlich digital kommuniziert wird.

Stress von Schulkindern massiv gestiegen

Der Stress bei Schulkindern hat seit Beginn der 2000er-Jahren kontinuierlich zugenommen. Im Jahr 2017 waren bereits 43 Prozent der Schülerinnen und Schüler von Stress und den daraus resultierenden gesundheitlichen Folgen betroffen: von Schlafstörungen (32 Prozent), 35 Prozent von Kopfschmerzen (35 Prozent), 21 Prozent Bauchschmerzen (21 Prozent).
Internationalen Studien zufolge wird der Bedarf an präventiv gesundheitsfördernden Maßnahmen, insbesondere an Schulen, immer dringender. Der Aufbau von Resilienz und das Erlernen von stressreduzierenden Maßnahmen scheinen jetzt besonders in Hinblick auf die Aufarbeitung der Belastungen der Pandemie-Zeit sinnvoll. Als Stressventil und ausgleichenden Faktor braucht es Bewegung und Sport. Mit dem simplystrong by UNIQA Programm werden verschiedene Übungen in den Unterricht integriert: Koordinations-, Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen.

Resilienz der Lehrkräfte endet in der Klasse

Großen Einfluss nimmt auf der "anderen Seite" das Lehrpersonal, dessen psychische Abwehrkräfte allerdings in der Klasse am meisten gefordert sind. Weil entspannte Lehrerinnen und Lehrer (auch) den Schulkindern guttun, entstand die Idee für das spezielle Schulprogramm: Vital4Heart unterstützt Lehrkräfte wie Schulkinder dabei, gemeinsam Stress abzubauen. Die Übungen haben sich inzwischen gut etabliert. Besonders erfreulich: Kinder wissen genau, was ihnen guttun. Sobald sie die positiven Effekte der Übungen an sich bemerken, bleiben sie konsequent dabei.

Besser entspannen dank Vital4Heart

Die insgesamt 103 Vital4Heart-Übungen basieren auf den neuesten trainingswissenschaftlichen und neurologischen Erkenntnissen und steigern durch Entspannung und Achtsamkeit die Aufnahmefähigkeit des Gehirns. Sie können direkt im Unterricht, aber auch zuhause, gemacht werden – in Homeschooling-Zeiten wurden sie viel und gern praktiziert.
Das Bewegungsprogramm nimmt pro Übung zwischen sieben bis 14 Minuten in Anspruch und eignet sich für Kinder und Jugendliche von sechs bis 18 Jahren aller Schultypen. Die Übungsabfolge beinhaltet drei Kategorien: Wahrnehmungs-, Entspannungs- und Reaktivierungsübungen, die in dieser Reihenfolge zwei bis drei Mal in der Woche durchgeführt werden sollen. Bereits binnen neun Wochen werden – das zeigen internationale Studien – neue neuronale Netzwerke angelegt. Eine Studie an der Harvard Medical School (2010) etwa zeigt: Nach Achtsamkeitstrainings nimmt die graue Substanz im linken Hippocampus, die eine wichtige Rolle beim Lernen und Erinnern spielt, signifikant zu. Gleichzeitig nimmt die graue Hirnmasse rund um die Amygdala – sie steht mit Stress und Ängsten in Verbindung – ab.

Studien belegen gute Wirkung

Inzwischen wurden außerdem drei Studien zu den Vital4Heart-Übungen durchgeführt. Von 2016 bis 2021 untersuchten Ursula Eichler und Kurt Kratena deren Wirkung auf das Stressempfinden und den Aufbau von Resilienz.
Die Ergebnisse von 2017, die in den beiden Folgestudien bestätigt wurden: Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen sind geeignet, um Stressbelastungen entgegenzuwirken und resilientes Verhalten aufzubauen. Zudem zeigte sich ein starker Zusammenhang zwischen subjektivem Stresserleben und dem Auftreten von somatischen Beschwerden.

Entspanntere, leistungsfähigere Jugendliche

Während der Pandemie sind Depressionen, Ängste und Schlafprobleme auf das Drei-bis Fünffache der Werte vor der Pandemie angestiegen. 71 Prozent der Kinder und Jugendlichen fühlten sich seelisch belastet und litten vermehrt an Beschwerden wie Einschlafproblemen und Kopf- und Bauchschmerzen. Gleichzeitig achteten sie weniger auf ihre Gesundheit, aßen mehr Süßigkeiten, betrieben weniger Sport und verbrachten mehr Zeit vor Handy oder Fernseher. Hier führten Meditation und Entspannungsübungen zu einem subjektiv besseren Gefühl und vermindertem Stresserleben und bewirkten gleichzeitig psychisch und kognitiv positive Veränderungen im Gehirn.

Das Trainingsprogramm Vital4Heart stärkt aber nicht nur die (mentale) Fitness, sondern auch die Gemeinschaft – ob in der Schulklasse oder zuhause in der Familie. Weitere Übungen liefern die Programme Vital4Body und Vital4Brain – einfach ausprobieren! https://www.simplystrong.at/

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