Smarte Assistenten: Der Butler in der Hosentasche

Ein ganz persönlicher Flaschengeist: Smarte Assistenten erfüllen Ihnen alle Wünsche, solange Sie nur klar genug sprechen.

smarter assistent auf tisch
© Adobe Stock | Andrey Popov

Was halten Sie von jemandem, der Ihnen jeden Wunsch von den Lippen abliest? Wenn Sie wie unser Chefredakteur sind, dann sehr viel. Das einzige Problem ist, dass Ihnen das Kleingeld für einen persönlichen Butler fehlt? Smarte Assistenten könnten Ihnen zumindest das Gefühl geben.

Dabei handelt es sich um Software, die uns Menschen das Leben in Alltagssituationen erleichtert. Sie lässt sich zum Beispiel per Sprachbefehl kontrollieren und kann sprachlich antworten, greift auf das Internet zu, um Ihre Fragen zu beantworten und steuert Ihre Smart-Home-Anwendungen.

Gut zu wissen

Nicht jeder smarte Assistent kann Sprache verstehen oder ausgeben, manche funktionieren nur via Text.

Smarte Assistenten: Jeder will Ihr Butler sein

Das klingt eventuell recht kompliziert, aber Sie haben eventuell bereits mehr mit smarten Assistenten zu tun, als Ihnen bewusst ist. Jedes moderne Smartphone und Tablet kommt inzwischen mit einem persönlichen virtuellen Butler. Dem nicht genug, die Anbieter streiten sich sogar darum, wessen Assistent Ihr Herz erobern darf. Hier eine kurze Liste:

  • Google Assistant, zu finden auf Android-Geräten und Google-Hardware
  • Siri, in Apple-Geräten und –Hardware
  • Samsung Bixby, auf Samsung-Geräten
  • Alexa, aus dem Hause Amazon; findet sich in Amazon-Hardware, funktioniert aber auch auf einigen Apple- und Android-Geräten
  • Microsoft Cortana, z. B. in Windows zu finden


Mit „Geräten“ meinen wir Smartphones, Tablets oder Laptops, mit „Hardware“ beispielsweise intelligente Lautsprecher („Speaker“): Sie spielen nicht nur Musik ab, sondern lauschen auch brav Ihren Anfragen.

Vorteile: Komfort, Komfort, Komfort

Doch wozu das Ganze? Smarte Assistenten bringen eine Reihe von Vorteilen. Sie erlauben Ihnen, Ihr Smartphone oder Smart Home freihändig zu kontrollieren. Kurz ins Mikro die magische Formel gesprochen – die irgendwo zwischen „Ok Google“ oder „Alexa“ lauten wird – und schon können Sie den Assistenten bitten, einen Wecker auf dem Telefon einzustellen, ein Lied abzuspielen oder das Licht in Ihrem Smart Home zu dimmen.

Lebensverändernd? Nein. Komfortabel? Durchaus. Und falls Sie sich jemals in einer Muhre wiederfinden und Ihre Hände verschüttet sind, aber Ihr Smartphone in Sprechweite ist, dann ist es eventuell sogar lebensverändernd.

Ein zweiter Vorteil: Jemals gewundert, ob eine Tomate Obst oder Gemüse ist? Wenn Sie der plötzliche Wissensdrang überkommt, mag Ihre sorgfältig gepflegte Lexika-Sammlung nicht in Griffweite sein, doch das Smartphone (oder der smarte Lautsprecher) vielleicht schon. Da Siri, Alexa und Co. mit dem Internet verbunden sind, zaubern Sie Ihnen in Nullkommanichts die Antwort heraus – und lesen sie womöglich sogar laut vor.

Gut zu wissen

Amazon arbeitet mit der britischen Gesundheitsorganisation NHS zusammen, um Alexa-Nutzern offiziell abgesegnete medizinische Informationen zu bieten. Gerade bei kleineren Beschwerden kann das nützlich sein.

Die Kommandozentrale für Ihr Smart Home

Ein weiterer großer Vorteil entsteht, wenn Sie ein Smart Home nutzen. Wie wir bereits vorher kurz angeschnitten haben, können Sie mittels Ihres smarten Assistenten mehrere Geräte verbinden (was der Sinn des sogenannten „Internet der Dinge“ ist) und steuern. Smarte Lampe anschalten? Smartes Türschloss öffnen? Smartes Thermostat bedienen? Alles möglich.

Nachteile: Ein bisschen Grusel inklusive

Ist also alles rosig im Reich der smarten Assistenten? Ein paar Nachteile gibt es schon. Da wäre einmal, dass die Technik nicht immer funktioniert, wie sie soll. Die Befehle sind in ihrer Struktur meist recht eng vorgegeben, beispielsweise „Alexa, stelle Timer auf X Minuten“. Wird es komplizierter, ist der Assistent (zumindest noch) gerne mal ratlos. 

Vielleicht beängstigender wird es, wenn Ihr smarter Lautsprecher Sie urplötzlich mit verrücktem Gelächter aus dem Schlaf reißt – Amazons Alexa hatte offenbar gelegentlich Geräusche im Schlaf (oder auch Satzfetzen am helllichten Tag) als „Alexa, lach“ missverstanden und damit zahlreichen Kunden Angst eingejagt.

Gut zu wissen

Burger King sorgte mit einem Marketing-Stunt für Ärger, als ein TV-Spot der Fast-Food-Kette in den Wohnzimmern der Zuschauer den Google-Assistenten nach Whoppern googlen ließ.

Was passiert mit den Daten?

Smarte Assistenten sind „always-on“, das bedeutet, sie hören stets zu und warten auf ihr Aktivierungswort („Ok, Google!). Das, was Sie im Anschluss sagen, wird an Firmenrechner geschickt. Das hat zwei Gründe: Die Software des Assistenten greift auf Cloud-Daten zu, um auf Ihre Anfrage zu reagieren; und sie gibt Daten weiter, damit Entwickler den Assistenten laufend verbessern können.

Gut zu wissen

Erst vor wenigen Monaten stellte sich heraus, dass einige smarte Assistenten Teile der Sprachdaten an Drittunternehmen senden, wo Menschen sie auswerten. Die Praxis wurde inzwischen teils eingestellt.


Smarte Assistenten zeichnen zwar auch auf, wenn ihr Codewort noch nicht gefallen ist – doch diese Daten werden nicht weitergesandt sondern nach kurzer Zeit gelöscht, so zumindest Apple, Google und Amazon. Einziges Problem: Die Software vertut sich manchmal. So wie oben aus „Schnarrrch“ plötzlich „Alexa, lach“ wurde, versteht Alexa ein „Alexander“ mitunter als Aktivierungswort – und zeichnet ein Gespräch mit.

Das sind zwar Einzelfälle (an deren Ausbesserung die Hersteller arbeiten) – doch sie zeigen, dass die Assistenten zwar smart, aber nicht perfekt sind. Und Sie mit Ihnen gezwungenermaßen einen Kompromiss in Sachen Datenschutz eingehen.

Gut zu wissen

Sie erkennen, ob Ihr smarter Assistent gerade Daten verschickt: Bei Amazon Echo ist es beispielsweise ein leuchtender blauer Kreis am Rand.


Achja, eine Antwort schulden wir Ihnen noch: Tomaten sind weder Obst noch Gemüse – sie sind Fruchtgemüse. Gern geschehen.