Baugruppen: Mit den Nachbarn im Bunde

Insbesondere seit 2013 wächst die Zahl der "Baugruppen". Was steckt hinter dem Konzept, welche Beispiele gibt es bereits – und ist eine Baugruppe vielleicht auch was für Sie? Hier nachlesen.

Junge Leute arbeiten an Plänen
© Adobe Stock | contrastwerkstatt

Eine Baugruppe ist ein Verbund aus Menschen, die gemeinsam einen Hausbau planen. Dabei kann jeder Bewohner individuell und bereits in der Bauphase seinen Wohnraum gestalten, während gemeinschaftlich genutzte Räume gleichzeitig das Zusammenleben fördern.

Das erlaubt ein anderes Verhältnis zum Wohnen: Während in Stadtwohnungen häufig Anonymität vorherrscht, ziehen die Bewohner von Baugruppen-Projekten an einem Strang – Schon allein deshalb, weil sie gemeinsam ein Bauprojekt planen und realisieren.

Eine Baugruppe nach eigenem Geschmack

Die Gemeinschaft ist eine Hauptmotivation der meisten Baugruppen. Oft dreht sich die Gemeinschaft um bestimmte Interessen, die die Bewohner teilen. Das Projekt B.R.O.T., das getrost als eine der ältesten Baugruppen bezeichnet werden kann, richtet sich beispielsweise an christlich-gläubige Menschen.

Der dritte und neueste Ableger von B.R.O.T. ist ein multireligiöses Haus, in dem Anhänger verschiedenster Glaubensgruppen gemeinsam wohnen. Im Que[e]rbau Wien dagegen werden alternative Familienformen angesprochen und die Offenheit für LGBTQ-Themen betont. Und die Baugruppe bikes & rails im Wiener Sonnwendviertel wendet sich gezielt an Fahrradliebhaber.

Mehr als nur Wohnen

Die Mitbewohner von bikes & rails richten, getreu ihres Mottos, ein Fahrrad-Café im Erdgeschoss ein, in dem Bewohner und Nichtbewohner willkommen sind. Dazu kommen E-Rad-Ladestation, Veranstaltungsraum und Gastgarten. Der Plan: das Haus fließend in die Umgebung übergehen lassen.

Das ist ein weiterer Bestandteil von Baugruppen: Oft werden in den Projekten gewerbliche, soziale oder kulturelle Ideen realisiert, von denen die gesamte Nachbarschaft profitiert. Das reicht von gastronomischen Angeboten über Kindergärten bis hin zu privat organisiertem Carsharing.

Baugruppen: Beispiele in Wien
  • bikes & rails (Sonnwendviertel)
  • B.R.O.T. (Hernals, Kalksburg, Aspern)
  • Frauenwohnprojekt ro*sa (Kabelwerk, Donaustadt, Simmering)
  • Ja:spern (Aspern)
  • LiSa (Aspern)
  • Que[e]rbau (Seestadt)
  • Seestern Aspern
  • WILLDAWohnen (Meidling)
  • Wohnen mit uns! – Wohnprojekt Wien (Leopoldstadt)
  • Wohnprojekt Rosegarden (Meidling)

Das etwas andere Wohnheim

Für wen Baugruppen nach Wohnheimen klingen, der liegt nicht völlig falsch:  Zumindest in Österreich melden viele Baugruppen ihre Häuser tatsächlich als Wohnheime an. Die Bewohner sind damit nur Nutzer der Wohneinheiten, Eigentümer bleibt die als Verein eingetragene Baugruppe.

Auch den Bau finanzieren die Baugruppen in der Regel gemeinschaftlich. Das reicht von hauseigenen Crowdlending-Kampagnen, wo das benötigte Eigenkapital mit günstigen Privatkrediten angeschafft wird, bis hin zur Unterstützung durch das habiTAT.

Das habiTAT ist ein Dachverband, der viele österreichsiche Baugruppen einschließt. Der Verband erwirbt mit kollektiven Mitteln Baugrund und finanziert die Projekte, und hält im Gegenzug Anteile an den Häusern und hat mitunter Mitspracherecht, zum Beispiel beim Hausverkauf.

Checkliste: Passt eine Baugruppe zu Ihnen?
  • Sie mögen Kontakt zu Ihren Nachbarn
  • Sie möchten Gemeinschaftsaktivitäten aufbauen und daran teilnehmen
  • Sie möchten Ihren Wohnraum individuell planen, aber kein Einfamilienhaus
  • Sie können 3 bis 5 Jahre auf den Einzug warten

Langer Atem erforderlich

Baugruppen sind nicht für alle geeignet. Ganz klar: Wer Anonymität im Wohnen schätzt, wird in den auf Gemeinschaft ausgelegten Hausbauprojekten nicht glücklich werden.

Außerdem nötig: ein langer Atem vor dem Einzug. Da Baugruppen Entscheidungen über Architektur und Design gemeinsam fällen, gibt es vorab viel zu besprechen und diskutieren. Das bedeutet eine längere Baudauer: Bei B.R.O.T in Aspern dauerte der Hausbau ganze fünf Jahre.

Wer das tragen kann und will, den erwartet ein selbst gestalteter Wohnraum mit gemeinschaftlichen Angeboten und engem Kontakt zu den Nachbarn. Baugruppen sind bereits jetzt so beliebt, dass teilweise Wartelisten und Bewerbungsverfahren winken.   

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