Elektroflugzeuge: Direktflug in die Elektro-Mobilität

Elektrische Flugzeuge existierten bislang fast nur auf dem Reißbrett. Doch etablierte Flugzeugbauer, Airlines und eine für die Branche ungewöhnliche Zahl an Startups hat sich des Themas angenommen – auch, um das Fliegen wieder klimafreundlich zu machen. Steht eine Revolution der Luftfahrt bevor?

Flugzeug, Strommast und Stromkabel
© Adobe Stock | Ирина Грин

Flugzeuge haben es heutzutage nicht einfach. Mit dem steigenden Klimabewusstsein in großen Teilen der Welt wächst auch die Unzufriedenheit über die hohen CO2-Emissionen des Fliegens. Doch viele Menschen empfinden es als schwierig, gelegentliche Flugreisen zu vermeiden. Und selbst CO2-Kompensationen – wo auf einen Flugpreis freiwillig draufgezahlt wird, um damit klimafreundliche Projekte in aller Welt zu finanzieren – verhindern letztlich nicht die verursachten Emissionen.

Insgesamt ist Fliegen je nach Studie für rund zwei bis fünf Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich. Das klingt zwar nicht zwingend nach viel, doch mit dem rasanten Wirtschaftswachstum in China, Indien und anderen ehemaligen Entwicklungsländern dürfte der Wert schon bald in die Höhe schießen.

Das E-Flugzeug als Klimalösung

Gibt es also einen Weg, das Klima zu schützen, ohne die positiven sozialen und wirtschaftlichen Effekte des Fliegens aufgeben zu müssen? In der Luftfahrtbranche hat man einige Ideen. Erstens kann man die Treibstoffeffizienz der Flugzeuge verbessern, wo in den vergangenen Jahrzehnten durchaus ernstzunehmende Fortschritte erzielt worden sind. Zweitens gibt es neue Treibstoffe, wie zum Beispiel Biokerosin, welches immerhin einen erwarteten Marktanteil von sechs Prozent bis 2020 erreichen dürfte, allerdings bislang als zu teuer für die flächendeckende Nutzung gilt. Und dann ist da die dritte Alternative, welche getrost als die exotischste bezeichnet werden kann: Elektroflugzeuge.

Alice im Elektrowunderland

Die Elektrifizierung der Luftfahrt ist keine völlig neue Idee. Bereits seit 1970 wird mit der Technologie experimentiert, doch erst seit der Jahrtausendwende häufen sich die Fortschritte. Angetrieben von verbesserter Batterietechnologie und dem Bedürfnis von Kunden, klimafreundlich zu reisen, haben zahlreiche Firmen das neue Feld für sich entdeckt.

Das amerikanische Startup Ampaire hat im Juni dieses Jahres das größte elektrische Flugzeug aller Zeiten in die Lüfte befördert. Es hat Raum für neun Passagiere, welche es 160 Kilometer weit befördern kann. Etwa zur selben Zeit hat das israelische Eviation bei der diesjährigen Paris Air Show seine „Alice“ vorgestellt. Die Maschine fliegt etwa 1.000 Kilometer weit, mit bis zu neun Passagieren an Bord. Andere Startups, wie Faradair oder Wright Electric, arbeiten an Flugzeugen mit Platz für bis zu 18 Passagiere. Auch große Flugzeugbauer und Airlines sind aktiv: Beispielsweise arbeiten Boeing und JetBlue gemeinsam mit dem Startup Zunum Aero an einem Zwölfsitzer, der im kommenden Jahr fliegen soll.

Kurz elektrifiziert

Die Übersicht zeigt, dass das Interesse an der Technologie da ist. Und die meisten der Projekte sollen bereits in den kommenden sechs Jahren kommerziell zum Einsatz kommen. Doch klar wird auch, dass es bislang nur um relativ kleine Flugzeuge und kurze Strecken geht. Von E-Jumbos auf Transatlantikflügen scheint die Branche noch weit weg zu sein.

Und tatsächlich: Elektromobilität in den Lüften ist zur Zeit vor allem auf den Regionalverkehr konzentriert. Das zeigen die bislang größten kommerziellen Erfolgen der Technologie: Harbour Air, ein kanadischer Anbieter von Wasserflugzeugen, will seine Flotte aus 40 Maschinen bis 2022 vollständig elektrifizieren. Und die amerikanische Regionalairline Cape Air bestellte bei der Paris Air Show eine „zweistellige“ Zahl von Eviations „Alice“-Maschinen, was eine kleine Sensation darstellte.

Elektro + Kerosin = Langstrecke

Mittel- und Langstreckenflüge gestalten sich hingegen schon schwieriger. Um diese sinnvoll zu elektrifizieren, fehlt es zurzeit einfach an ausreichend kräftigen, doch zugleich leichten Batterien. Eine Lösung könnte es sein, die Revolution langsamer anzugehen: Hybrid-Flugzeuge, die einen herkömmlichen Antrieb mit Elektromotoren kombinieren. Vor allem bei Start und Landung, welche sehr energieintensiv sind, kämen letztere zum Einsatz. Eine Kooperation aus Airbus, Rolls-Royce und Siemens (wobei letztere unlängst ausschieden) entwickelt ein Hybridflugzeug namens E-Fan X. Dieses soll ab 2030 auf Mittelstrecken aktiv werden. Selbst das Nachfolgemodell des beliebten Airbus A320neo soll ein Hybrid werden.

Ambitioniert bis in den Himmel

Die Luftfahrt ist aus unserer heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken. Die Industrie ermöglicht 2,7 Billionen Dollar an wirtschaftlicher Aktivität und dürfte dieses Jahr 4,6 Milliarden Menschen befördern. Dennoch ist auch der Industrie klar, dass ihre Zukunft grüner aussehen muss: Zahlreiche Airlines haben sich dazu verpflichtet, ab 2020 nur noch CO2-neutral zu wachsen und die Emissionen bis 2050 auf die Hälfte des Niveaus von 2005 zu verringern. Das sind ambitionierte Ziele, zu welchen Elektroflugzeuge einen wichtigen Beitrag leisten könnten. Die Frage ist also nicht, ob Elektromobilität es in die Lüfte schafft, sondern wann.

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