Long-COVID: Das weiß man über die Langzeitfolgen

COVID-19 ist nicht nur akut ein Problem, sondern belastet oft auch langfristig – auch davor kann die Corona-Schutzimpfung bewahren.

Frau mit Kopfweh

„Mein Körper fühlt sich nach vier Wochen immer noch nicht normal an, ich bin total schnell erschöpft und außer Atem“, erzählt eine von COVID-19 genesene Intensivmedizinerin. Und damit ist sie nicht allein: Vielen ehemals Erkrankten geht es ganz ähnlich. Auch bei vergleichsweise milden Krankheitsverläufen, die keinen Spitalsaufenthalt notwendig machen, dauert es oftmals Wochen oder gar Monate bis sich die Betreffenden wieder ganz gesund fühlen.

Long-COVID derzeit in Erforschung

Was als „unvollständige Erholung und fehlende Rückkehr zum normalen Gesundheitszustand“ definiert und unter Bezeichnungen wie „Long-COVID“, „Post-acute COVID-19“ oder „Post-COVID-Syndrome“ geführt wird, ist natürlich noch längst nicht hinreichend erforscht und definiert. Noch ist nicht gänzlich geklärt, ob die anhaltenden Beschwerden nach einer COVID-19-Erkrankung tatsächlich ein klar abgrenzbares Syndrom darstellen, aber das kann all den müden, kurzatmigen, vergesslichen oder depressiven Post-COVID-19-Erkrankten ziemlich egal sein.

Bündel vielseitiger Beschwerden

Ein Blick auf die Datenlage basierend auf immer mehr Studien, liefert jedenfalls folgendes Ranking der Beschwerden. Diese haben sich während der akuten Erkrankung entwickelt und über mehr als 12 Wochen fortgesetzt: 

1. Müdigkeit (15-87 %) 
2. Kurzatmigkeit (10-71 %) 
3. Schmerzen oder Enge in der Brust (12-44 %) 
4. Husten (17-26 %). 


Die starke Bandbreite der Häufigkeit ergibt sich aus den unterschiedlichen Studien und dem Umstand, dass hier die Daten von Fällen mit leichten, mittelschweren und schweren Verläufen enthalten sind. 

Von Kopfschmerzen bis trockenen Augen

Weniger häufige körperliche Langzeitbeschwerden sind: Verlust des Geruchssinns, Gelenksschmerzen, Kopfschmerzen, Sicca-Syndrom (Trockenheit des Auges), Muskelschmerzen, Schlafstörungen, Haarverlust, Schwitzen und Durchfall. Also eigentlich fast alles, was physische Probleme machen kann. Deshalb ist es oftmals schwierig bis unmöglich, eine andere (zusätzliche) Ursache für die Beschwerden auszuschließen.

Psyche und Geist ebenfalls belastet

Psychische und kognitive Beeinträchtigungen treten ebenfalls bei vielen von COVID-19-Genesenen als unerwünschte Langzeitbegleiter auf. In einer Studie mit 100 Patienten, die eben aus dem Spital entlassen worden waren, gaben 24 % der Teilnehmer an, dass sie an einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden, 18 % berichteten von Merkstörungen, 16 % von eingeschränkter Konzentrationsfähigkeit. 

Wichtig: Solche Beschwerden können auch nach ähnlichen Erkrankungen über einen längeren Zeitraum bestehen, bei COVID-19 scheint die Wahrscheinlichkeit dafür jedoch höher zu sein. Das Risiko, im Zuge von COVID eine Depression, Angststörung oder andere psychiatrische Erkrankung zu entwickeln, war zum Beispiel in einer Auswertung elektronischer Krankheitsgeschichten in den USA höher als bei Influenza.

Dauer der Beschwerden unklar

Womit müssen oder können Betroffene also rechnen? Wie lange dauert es, bis Post-COVID-Patientinnen und -Patienten vollständige Erholung und Beschwerdefreiheit erreichen? Hier gehen die Ergebnisse der bis dato vorhandenen Studien dermaßen auseinander, dass kaum seriöse Aussagen getroffen werden können. Meist sei die Angelegenheit demnach innerhalb von drei Monaten erledigt. 

Längere Belastung nach schwerem Verlauf

Und jedenfalls scheint es, dass es bei Patientinnen und Patienten nach intensivmedizinischer Betreuung, bei älteren und chronisch kranken Patientinnen und Patienten eher zu länger anhaltenden Symptomen kommt. Chronische Müdigkeit („Fatigue“), Schwäche und mangelnde Ausdauer können bei ihnen häufig sogar länger als drei Monate bestehen bleiben, während sich diese Beschwerden bei den meisten anderen Patientinnen und Patienten innerhalb dieses Zeitraums völlig zurückbilden. Letzteres gilt auch für Atemnot und chronischen Husten. Mentale Probleme wie Angst oder Depression werden meist kontinuierlich schwächer, können manchmal jedoch bis zu drei Monate bestehen bleiben.

Nicht zuletzt müssen den vorliegenden Zahlen zufolge 10 bis 20 % der aus dem Spital entlassenen COVID-19-Patientinnen und Patienten innerhalb der ersten ein bis zwei Monate neuerlich stationär aufgenommen werden. Meist lassen sich die Beschwerden bis zu ihrem Abklingen gut kontrollieren.

Sie möchten immer gut informiert sein?

Am Ball bleiben ist das Um und Auf. Mit Ihrer Einwilligung erhalten Sie Informationen zu Produkten, Services und Aktionen rund um Gesundheit, Familie, Freizeit und Auto.

Kontakt