Wo bleibt die gendergerechte Pension?

Alle reden über das Gendern, die Frauenquote oder Sexismus. Warum man zur Abwechslung besser über eine gerechte Pension diskutieren sollte.

Grauhaarige Frau sitzt entspannt am Strand mit geschlossenen Augen
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Vor nicht allzu langer Zeit machte die aufgeladene Debatte rund um das richtige Gendern unglaublich viele Schlagzeilen. Kritische Stimmen bezeichneten diese Bewegung sogar als „Genderwahn“. Genauso hitzig wurde das Thema rund um die Frauenquote behandelt. Mittlerweile können viele Menschen diese Begrifflichkeiten nicht mehr hören. Sie meiden Diskussionen über die gendergerechte Sprache oder die geschlechterbezogene Quotenregelung bei der Besetzung von Top-Jobs. Auch bei Witzen oder lustig gemeinten Aktionen werden immer mehr Menschen vorsichtig. Immerhin will man nicht mit Sexismus in Verbindung gebracht werden.  

Gut zu wissen

Der Begriff „Gendern“ wird oft umgangssprachlich verwendet, wenn von geschlechtergerechter Sprache die Rede ist. Also wenn wir uns um eine Sprache bemühen, in der nicht nur explizit von Männern gesprochen wird. 

Zurück zum Wesentlichen 

All diese Themen sind dazu da, Menschen zu sensibilisieren, wenn es um die Unterschiede ja sogar Ungerechtigkeiten zwischen Frauen und Männern geht. Natürlich ist es an der Zeit, dass Gleichberechtigung in unserer Sprache Platz findet. Natürlich ist es wichtig, mehr Frauen für Führungspositionen zu gewinnen. Aber neben all diesen Diskussionen sollte man eine Tatsache nicht in Vergessenheit geraten lassen: In unserem Land bekommen Frauen immer noch um 34 Prozent weniger Pension als Männer. Unser Pensionssystem ist also alles andere als gendergerecht.  

Gründe für Differenz 

Im Jahr 2017 betrug der Gender-Pension-Gap in Österreich sage und schreibe 539 Euro! Ein durchschnittlicher männlicher Pensionist bekommt monatlich rund 1.600 Euro, hingegen beträgt die Alterspension einer Frau lediglich 1.038 Euro. Aber was sind die Ursachen für diese traurigen Differenzen zwischen Mann und Frau? Schuld ist nicht nur die Basisentlohnung, denn Frauen verdienen in Österreich im Durchschnitt nach wie vor weniger als die Männer. Die Gründe dafür sind vielfältig. Einerseits gibt es immer noch eine geschlechtsspezifische Diskriminierung bei der Entlohnung. Andererseits sind es häufiger weibliche Arbeitnehmer, die Beschäftigungen mit geringem Verdienst nachgehen. Des Weiteren spielt das Arbeitszeitmodell eine große Rolle. So sind in Österreich rund die Hälfte aller erwerbstätigen Frauen in Teilzeitjobs untergebracht. Zu guter Letzt bleiben die Kindererziehung sowie die Pflege von Angehörigen meist bei den Damen der Nation hängen. Tätigkeiten, die bei der Berechnung der Pensionshöhe nach wie vor unberücksichtigt bleiben. 

Gut zu wissen

Der „Gender-Pension-Gap“ beschreibt den Unterschied zwischen Pensionen für Männer und Frauen. Übersetzt könnte man den Begriff als „Geschlechter-Pensions-Differenz“ bezeichnen.  

Einfach ausgeblendet 

In unserem schönen Land sind Teilzeitbeschäftigung von Frauen und die Kindererziehung also weiterhin eng miteinander verknüpft. Trotzdem blendet sowohl die Gesellschaft als auch die Politik die finanziellen Auswirkungen auf die Alterspension in diesem Zusammenhang einfach aus. Und genau deswegen haben wir diese schockierend hohe Differenz bei den Pensionen. Nicht nur, dass Frauen unterm Strich weniger Pension bekommen als die Männer. Unser gesamtes Pensionssystem steht auf wackeligen Beinen. Immer mehr ältere Menschen, die Pensionszahlungen erwarten, stehen immer weniger jungen Menschen, die Beiträge ins System einzahlen, gegenüber. Demnach sollten nicht nur Frauen, die ohnehin davon ausgehen müssen, irgendwann weniger Pension zu erhalten, heute schon für später vorsorgen. Nein, auch die Männerwelt sollte jetzt schon für die Alterspension ein paar Euro zur Seite legen. Die große Lücke zwischen den staatlichen Pensionen von Männern und Frauen kann man damit zwar nicht schließen. Aber zumindest kann man mit einer privaten Altersvorsorge selbst Verantwortung für einen ausreichenden Finanzpolster in der Pension übernehmen. 

Fazit

Nachdem das Pensionssystem generell wackelt, sollte man sich über eine private Vorsorge Gedanken machen. Angesichts der großen Unterschiede zwischen den Geschlechtern, sollten vor allem Frauen vorsorgen.