Ein Weihnachtsessen, das alle genießen können

Dieses Menü bringt alle in Feierlaune: Es ist leicht vorzubereiten, schmeckt wunderbar und ist auch für jene gut verdaulich, die mit dem einen oder anderen Inhaltsstoff auf Kriegsfuß stehen. Ohne Laktose. Ohne Hefe. Und zu 100 Prozent glutenfrei.

familie feiert weihnachten an tisch
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Das Weihnachtsfest steht vor der Tür und damit auch die große Frage nach dem Weihnachtsessen. Jede Familie hat da ihre eigenen Traditionen, doch für alle gilt: Wenn sich alles vor dem Christbaum versammelt, gehört ein gemeinsames Festmahl einfach dazu.

Verschieden sind nicht nur Geschmäcker, sondern auch die Verträglichkeiten von Nahrungsmitteln. Hier hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan. Intoleranzen sind von einem Randphänomen klarer in die Mitte des gesellschaftlichen Bewusstseins gerückt. Das macht den Alltag für die Betroffenen einfacher (zum Glück!), die Zusammenstellung am Weihnachtstisch aber mitunter komplex…
 
„Nahrungsmittelunverträglichkeiten - Gluten-Unverträglichkeit oder -Allergie, Laktoseintoleranz, Histamin-Unverträglichkeit - und dadurch resultierende Darmerkrankungen wie der gerne diagnostizierte Reizdarm, Reflux, sowie Zöliakie, Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa haben sich in den letzten Jahren gehäuft“, erklärt die Ärztin und TCM-Ernährungsberaterin Andrea Scholdan.

Die Problemstellung kennt sie nicht nur durch ihren Beruf: Sie ist selbst leidenschaftliche Köchin – und wurde vor einigen Jahren mit den Diagnosen Laktoseintoleranz und Zöliakie konfrontiert. Hilfe fand sie schließlich in der Lehre der TCM – Traditionellen Chinesischen Medizin – und das gleich im doppelten Sinn: Ihre Beschwerden verschwanden und sie fand ihre neue Berufung als Ernährungsberaterin.

„Nach der 5-Elemente-Ernährungsberatung habe ich sofort meine komplette Ernährung umgestellt. Gekochte Mahlzeiten - Suppen , Eintöpfe, Frühstücksbreie - mit vielen Gewürzen und aus saisonalen Lebensmitteln haben mich innerhalb von sechs Wochen zu einem neuen Menschen gemacht. Ich hatte keine Koliken und Bauchschmerzen mehr und ein nie gekanntes Energiepotential waren meine Belohnung. Ich war glücklich und total überrascht, dass man sich in so kurzer Zeit gesund essen kann und habe sofort selbst die Ausbildung zur 5-Elemente-Ernährungsberaterin begonnen.“

Gesund essen und stressfrei feiern

„Man kann sich gesund essen“, weiß Scholdan. Mit den richtigen Nahrungsmitteln lässt sich die Balance wieder gut herstellen. „Die meisten Unverträglichkeiten können durch richtiges Essen wieder rückgängig gemacht werden. Allerdings ist der Mensch selbst dafür verantwortlich und dieses Bewusstsein für Eigenverantwortung sollte sich in unserem Kulturkreis noch weiter verankern.“

Das Schöne an der TCM sei, dass es keine „guten“ oder „schlechten“ Lebensmittel gibt. Lediglich sei nicht alles für jede Situation, jeden Altersabschnitt und jede Situation bekömmlich. Wichtig sei es vielmehr, darauf zu achten, ob das jeweilige Produkt überhaupt den Namen „Lebensmittel“ verdient oder ob es sich eher um industriell erzeugte, künstliche Pseudonahrungsmittel handelt.

Das folgende dreigängige Menü ist nach den 5 Elementen der TCM zusammengestellt und ist Andrea Scholdans persönliche Empfehlung für den Weihnachtsabend im Kreis der Familie. Ganz einfach glutenfrei, laktosefrei, hefefrei – und auch saisonal. Vegane Variante inklusive.

Zusatzplus: das Rezept ist stressfrei vorzubereiten und hat am Schluss einen kleinen „Rescue-Tipp“. Wohl bekomm’s und fröhliche Weihnachten der ganzen Familie!

Vorspeise: Erdäpfel-Shiitakepilze Suppe 1,5l

2EL Butterschmalz erhitzen, 3 mehlige Erdäpfel + 1 Zwiebel grob zerkleinern, 1TL Kümmel gemahlen, 1TL Koriandersamen gemahlen zufügen, umrühren, mit heißem Gemüsesud bedecken und zugedeckt weichkochen. Mit 2EL Mandelmus pürieren, mit Gemüsesud (insgesamt ca. 1,5L) bis zur gewünschten Konsistenz verdünnen. Mit Natursalz, Pfeffer und 1Msp. frisch gemahlener Muskatnuss abschmecken. Zuletzt 1 Handvoll kleingewürfelte, frische Shiitakepilze zufügen und 2 Minuten mitkochen.

Hauptspeise: Erdnuss-Hühnercurry für 4 Personen

2 EL Kokosöl hoch erhitzen und darin 3 mittelgroße, speckige Erdäpfelwürfel (3cm groß) unter Wenden goldbraun braten. Zur Seite stellen. 2EL Kokosöl erhitzen, darin die Würfel von 2 Zwiebeln und 2 Karotten, 1Stange Zitronengras und 1EL geriebenen Ingwer für 10 Minuten braten. 4EL Erdnussbutter, 2 Kaffirblätter, 1EL Indochine Gewürzmischung und 2EL Tomatenmark zufügen und kurz durchrühren. 500g Bio-Hühnerbrust zufügen und anbraten.
Mit 250ml heißem Wasser aufgießen und 10 Minuten köcheln lassen.

5EL Erdnüsse, 1 Handvoll gewürfelte Champignons, 400ml Kokosmilch und die knusprigen Erdäpfel zufügen, alles aufkochen und zugedeckt 30 Minuten auf mittlerer Flamme köcheln lassen. Mit Natursalz abschmecken, 250g TK-Sojabohnen zufügen und noch 10 Minuten köcheln. Vor dem Servieren Zitronengras und Kaffirblätter entfernen. Mit gekochtem Basmatireis servieren. Für ein veganes Curry einfach das Huhn weglassen und 500g gewürfelten Tofu erst mit den Sojabohnen ins Curry geben.

Oder: Geschnetzelte Ente mit Rosé Grapefruit für 4 Personen

In einer Schüssel 3 EL geröstetes Sesamöl, 2 EL geröstete Sesamsamen, 1 TL fein geriebener Ingwer und 80 ml Tamari (weizenfreie Sojasauce), 250 ml heißes Wasser und 3 EL süß-scharfe Chilisauce mischen. 

500 g Entenbrust häuten und in Streifen schneiden. Das Fleisch in 2 EL Erdäpfelstärke wälzen und 20 Minuten in der Marinade ziehen lassen. 

2 Stangen Zitronengras halbieren, längs spalten und flachklopfen. 1 rosé Grapefruit schälen und filetieren (die Haut zwischen den Spalten entfernen). 1 Bund Jungzwiebel (weiß und grün) in Ringe schneiden.  200 g Glasnudeln nach Packungsanleitung zubereiten.

In einer Pfanne 3 EL Olivenöl erhitzen, darin die marinierten Fleischstreifen und das Zitronengras kurz anbraten. Zwiebelringe und 500 g Sojabohnensprossen zufügen, mit der Marinade aufgießen und kurz bei mittlerer Hitze unter Rühren kochen lassen. Zitronengras entfernen und falls nötig mit wenig heißem Wasser aufgießen. Noch einmal kurz aufkochen, das Fleisch soll weich aber noch rosa sein.

Die Ente mit dem Gemüse und den Grapefruitfilets auf einem Nest aus Glasnudeln anrichten. Tipp: Als vegane Variante kann die Ente durch marinierten Tofu ersetzt werden. 

Nachspeise: Saftige Mohntarte

Backrohr auf 200°C auf O/U vorheizen. 4 große Eier und 120g Rohrohrzucker mit dem Handmixer dickcremig aufschlagen. 150ml geschmacksneutrales Pflanzenöl in kleinem Strahl einlaufen lassen und 3 Minuten weiterschlagen. 200g gemahlenen, schwarzen Mohn, 3EL geschälte Hanfsamen, 1EL Zitronensaft, 1Msp. abgeriebene Zitronenschale, 1Msp. Kardamom gemahlen, 1Prise Natursalz und 2EL Cointreau (Orangenlikör) unterheben. Teig in eine Tarteform gießen und bei 170°C für 15 Minuten backen. Dann für eine schöne Kruste kurz den Backofengrill zuschalten.

Zum Schluss der „Rescue-Tipp“:

  • Kuzu-Drink bei Reflux, Sodbrennen, alkoholischem Kater: 1 gestrichener EL Kuzu und 200ml kaltes Wasser mit dem Schneebesen verrühren und aufkochen. Auf nüchternen Magen trinken.
  • Bei Übersäuerung hilft auch 1 Glas heißes Salzwasser. (soviel Salz zufügen, dass es noch gut schmeckt, wie eine Suppe) Macht den Magen basisch.
  • Umeboshi hilft gut bei Völlegefühl und wirkt auch basisch. ½-1TL schlucken und 1Glas Wasser nachtrinken. Allerdings nicht bei Histaminallergie, weil Umeboshi fermentiert und somit histaminhältig ist.


Zur Person

Andrea Scholdan ist Ärztin, TCM-Ernährungsberaterin und Gründerin der Suppenküche Suppito. Sie hat vier Kochbücher verfasst und bietet regelmäßig Kochkurse an.