Wie umgehen mit schwierigen Vorgesetzten?

Star, Opfer, Aggressivling oder Kontrollfreak? Mit welchem Persönlichkeitstyp habe ich zu tun und wie gehe ich mit schwierigen Vorgesetzten am besten um? Die Antworten hat Profilerin Patricia Staniek.

kollegen streiten sich
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Ein pauschales „Meine Chefin is deppat“ bringt die Misere zwar auf den Punkt, aber in welche Richtung sie charakterlich tendiert und wie man mit ihr umgehen kann, ist damit noch nicht definiert. 

„Einige Persönlichkeitsstörungen sind tatsächlich häufiger geworden, und das hat mit unserer Gesellschaft zu tun. Familien funktionieren anders als noch vor einigen Jahrzehnten, als sie andere Störungen verursacht haben. Bei der narzisstischen Störung etwa, die wir mittlerweile häufig finden, sind Helikopter-Eltern mit im Spiel. Das heißt, wenn Eltern ihr Kind als Superstar behandeln, ist es kein Wunder, wenn sich dieses dann auch wie ein Superstar verhält“, erklärt Patricia Staniek, die sich als Profilerin darauf spezialisiert hat, menschliche Verhaltensmuster zu analysieren.

Stil oder Störung?

Doch nicht alles, was sich pathologisch anfühlt, ist es auch. So lässt sich zwischen Persönlichkeitsstil und Persönlichkeitsstörung unterscheiden. Patricia Staniek: „Der Persönlichkeitsstil ist im nicht-psychopathologischen Bereich angesiedelt. Alle haben hin und wieder die Tendenz, sich zickig zu benehmen, sind deshalb aber noch keine Diva. Das heißt, man greift in manchen Situationen auf ein psychopathisches, soziopathisches oder narzisstisches Stilmittel zurück, hat deswegen aber noch lange keine Persönlichkeitsstörung. Wo eine Persönlichkeitsstörung beginnt, hängt auch vom gesellschaftlichen Kontext ab. Beispielsweise ist in Kolumbien Machismo, also eine Form des Narzissmus, wesentlich stärker gesellschaftlich anerkannt als hierzulande und ein Macho daher viel eher akzeptiert.“

Schlüsselwort Manipulation

Etwas, das alle dysfunktionale Persönlichkeiten gemeinsam haben, ist die Tatsache, dass sie ihre Mitmenschen nicht als Menschen, sondern als Objekte betrachten, die ihnen Nutzen bringen und die sie daher zu ihren Zwecken manipulieren. Patricia Staniek: „Wir alle möchten andere Menschen dazu bringen, in unserem Sinne zu handeln. ‚Böse Manipulation‘ bringt die anderen allerdings dorthin, etwas zu tun oder etwas zuzustimmen, was sie aus ‚freiem Willen‘ nie gemacht hätten. Die Fremdbestimmung steht im Vordergrund. Manipulierte sind so gefangen in der Manipulation, dass sie nicht mehr hinterfragen können, nicht mehr infrage stellen, sondern einfach folgen. Sie werden zu Marionetten und trotz spürbar negativer Emotionen fremd- und ferngesteuert. Häufig lassen sich Menschen, die eher ängstlich sind, die wenig Selbstwertgefühl und wenig Selbstbewusstsein haben, auf diese Weise täuschen.“

Stichwort: Freier Wille

Im Gegensatz dazu steht die „Persuasive Rhetorik“, bei der eine Zielperson durch Kommunikation (im Gegensatz zur Manipulation) zu einer Handlung geführt wird. Durch Überzeugungskraft – verbale und nonverbale Kommunikation – werden andere zu einer gewünschten Verhaltensweise gebracht. Sie agieren dann allerdings aus freiem Willen und können eigenständige Entscheidungen treffen. 

Hilfsmittel Stopp-Taste

Was also tun, wenn man den Verdacht hat, dass man manipuliert wird? „Der erste Schritt, um die Situation zu verändern, ist, die Manipulation zu erkennen bzw. zu begreifen. Vielen Menschen ist es gar nicht bewusst, wie und dass sie gerade manipuliert werden. Manche haben ein komisches Bauchgefühl, das sie zwar wahrnehmen und darüber hinweggehen. Wenn also Ihr Bauch sich meldet, dann machen Sie eine Notbremsung. Sagen Sie innerlich Stopp und überprüfen Sie. Überprüfen Sie die Aussage oder Handlung, die Ihnen gerade dieses unangenehme Bauchgefühl beschert. Und ja, Sie dürfen abbremsen, Sie dürfen innehalten, Sie dürfen auch laut und deutlich Stopp sagen. Und fragen Sie sich, ob das, was Ihr Gegenüber von Ihnen will, tatsächlich das ist, was Sie selbst wollen“, rät Patricia Staniek. 

Kleine Typologie schwieriger Persönlichkeiten*:

* Nachdem das Reich der wunderlichen Persönlichkeiten groß und vielfältig ist, erhebt diese Typologie keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit.

1. Unberechenbar cholerisch

Kennzeichen: Reagieren unvorhersehbar und aufbrausend. Schon Kleinigkeiten bringen sie auf die Palme. Tipps zum Umgang: Argumente sind meist sinnlos. Ruhe bewahren, selbstbewusst auftreten und auf der Sachebene agieren.

2. Kalt niedermachend

Kennzeichen: Sprache und Körpersprache sind abwertend. Setzen auf Ignoranz und reagieren nur, wenn es unbedingt sein muss. Tipps zum Umgang: Langsamkeit. Verpacken Sie Ihre Aussagen in kurze Sätze und wiederholen Sie diese (auch wenn es Ihnen selbst lächerlich vorkommt). 

3. Geborene Opfer

Kennzeichen: An allem sind die anderen schuld. Lieben es, sich unverstanden/verkannt zu fühlen und zu leiden. Tipps zum Umgang: Belassen Sie die Verantwortung beim Opfer, weil es dazu tendiert diese abzuschieben. Versuchen Sie Humor zu bewahren und der schlechten Laune, die ein Opfer verbreitet, damit die Energie zu entziehen.

4. Selbstverliebt, narzisstisch 

Kennzeichen: Geringes Selbstwertgefühl bei übersteigertem Selbstbewusstsein. Brauchen Anerkennung und sind nicht kritikfähig. Tipps zum Umgang: Bleiben Sie distanziert und lassen Sie sich nicht in Machtspiele verwickeln. Füttern Sie weder mit zu viel Lob das Ego noch mit offener Kritik die Wut.

5. Angeblich altruistisch 

Kennzeichen: Egoisten im Schafspelz, die die Bedürfnisse der anderen über die eigenen stellen. Glauben zu wissen, was die anderen brauchen/wollen und beglücken sie, ohne zu hinterfragen. Tipps zum Umgang: Klar die eigenen Bedürfnisse artikulieren und Grenzen setzen.

6. Zwänglerische Kontrollfreaks

Kennzeichen: Kleinkrämerisches Verhalten und Kontrollsucht. Können als Vorgesetzte kaum freie Hand geben und kritisieren sofort, wenn eine Handlung nicht zu 100% dem eigenen Vorgehen entspricht. Tipps zum Umgang: Lassen Sie sich möglichst detaillierte Briefings geben und kleinteilige Arbeitsschritte absegnen. Falls Sie einen anderen Weg einschlagen wollen, begründen Sie gut, warum Sie ihn für besser halten. Um zu vertrauen, brauchen Kontrollfreaks Sicherheit durch Fakten bzw. Information.

7. Eingebildete Stars

Kennzeichen: Schnell beleidigt und nachtragend. Emotional immer im Ausnahmezustand. Meister darin, aus Mücken Elefanten zu machen. Tipps zum Umgang: Durchatmen, durchatmen und durchatmen. Ist man sich bewusst, dass Stars immer Bühne und Anerkennung brauchen, um pflegeleicht zu sein, hat man damit den Schlüssel in der Hand, um mit ihnen auszukommen.

8. Gierige Schmarotzer

Kennzeichen: Meister darin, angenehme Aufgaben an sich zu reißen und unangenehme anderen zu überlassen. Reklamieren die Erfolge für sich und schieben die Verantwortung für Misserfolge auf andere. Tipps zum Umgang: Konzepte und Ideen immer nur vor Zeugen präsentieren. Bei Aufgabenverteilungen klare Regeln aufstellen und einfordern.

9. Passiv Aggressive

Kennzeichen: Unterdrücken die eigene Wut oder den eigenen Willen und geben sich vermeintlich sympathisch. Tun so, als würden sie kooperieren, setzen aber ständig abblockende oder verzögernde Reaktionen. Tipps zum Umgang: Nicht provozieren lassen, sondern mit ruhiger Stimme klare Ansagen machen und Handlungen einfordern. Nach dem Motto: Weich in der Stimme, aber hart im Kern.

10. Unfähige Blender

Kennzeichen: In Selbstvermarktung sind sie spitze, sonst aber in kaum etwas. Neigen dazu, die Erfolge der anderen zu den eigenen zu erklären. Haben meistens nicht die Bosheit von Parasiten. Tipps zum Umgang: Sind sie Vorgesetzte, lebt man am besten, wenn man ihr Ego streichelt. Sind es Kollegen, kann man sie nur durch bessere Leistungen in den Schatten stellen. 

Zur Person:
Patricia Staniek ist Certified Master Profiler, Kriminologin, Unternehmensberaterin und Ausbildungsleiterin für Certified Profiler (ISO-zertifiziert). Sie coacht Teams und Einzelpersonen in der Kunst des „Menschenlesens“ und berät internationale Unternehmen und Behörden bei Fragen der Verbrechensbekämpfung und Sicherheitsstrategien.

Buchtipp

Patricia Staniek: Mein Wille geschehe – Macht und Manipulation entschlüsseln 
Goldegg Verlag 2017; ISBN 978-3-903090-83-5

 

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