Kinder zu Hause unterhalten

Nicht immer hat man Zeit und Laune, für die Kids den Alleinunterhalter zu spielen. Was tun?

kind malt alleine
(c) Adobe Stock | JenkoAtaman

Langeweile tut der kindlichen Entwicklung gut. Glaubt man dem kürzlich verstorbenen Erziehungsexperten Jesper Juul, so werden: „Kinder, die sich gelegentlich langweilen (…) eine größere innere Ruhe spüren, die ihre soziale Kompetenz fördert. Sie lernen besser, ihrer Kreativität zu folgen.“

Oft fehlt jedoch die eigene innere Ruhe, dem ständigen Ruf nach Unterhaltung standhaft entgegenzuhalten. Lieber machen wir Angebote, um das kindliche Raunzen zu stoppen – und sei es auch nur vorübergehend… 

Lesetipp

Wie das Aufstehen klappen kann: Morgenrituale für Kinder

Regina Beer, Psychotherapeutin und selbst Mutter, empfiehlt: „Überlegen Sie sich gemeinsam eine Art Tagesplan. Wann wird alleine gespielt, welche kleinen Aufgaben können von den Kindern übernommen werden. Wann verbringt man Zeit miteinander, um etwa eine gesunde Mahlzeit für Kinder zuzubereiten.“ Um allen Wünschen gerecht zu werden, könne man beispielsweise beim Frühstück abfragen, was jeder heute gerne machen möchte. Und dies dann in ein akkordiertes Programm bringen. 

Blödeln und Spaß haben 

Will man im Laufe des Tages dann seinen eigenen Interessen nachgehen, ist es nötig, dem Nachwuchs früh genug beizubringen, sich selbst zu beschäftigen. „Das kann man bei den Kleineren erreichen, indem man ihnen Aufträge gibt – etwa einen möglichst hohen Turm zu bauen, oder etwas Bestimmtes zu malen“, rät Beer. Wenn man sich hier klar abgrenzt und die Kids konsequent alleine machen lässt, sei das auch ein Lernschritt in Richtung mehr Selbständigkeit.

Ein weiterer Tipp der Expertin: Machen Sie an langen Tagen auch Erlebnisse möglich, die sonst nicht erlaubt sind. Teig patzen, Zaubersuppe mit allen möglichen und unmöglichen Zutaten, Schaumschlacht in der Badewanne … „Ganz wichtig: Humor darf nicht fehlen. Blödeln sie, haben sie Spaß …“ Denn das setzt einen sich selbst verstärkenden Kreislauf in Gang: Wenn Kinder Spaß haben, finden sie auch leichter Dinge, die Spaß machen!

„Nur: Sie müssen es eben auch aushalten, wenn die Kids nicht immer bei Laune sind. Das heißt aber noch lange nicht, dass Sie immer für die Aufmunterung verantwortlich sind“, weiß Beer. 

Polsterschlacht und Nudelkampf 

Wenn Kinder wirklich unrund werden und es notwendig scheint, überschüssige Energien abzubauen, hat Hannes Kolar, klinischer Psychologe, einen Rat: „Helfen Sie Kindern, Entspannung zu lernen. Das kann mittels eines guten Geruches sein, an den Sie sie mit angenehmen Kurz-Massagen gewöhnen. Auch Berührungen zwischendurch regulieren das Stressempfinden.“ Austoben mit Polsterschlacht oder Schwimmnudel Fechten können ebenfalls helfen … „Es gibt indoor genug Möglichkeiten, sich auszupowern. Wild Tanzen zu cooler Musik! Da kann jeder mitmachen.“ 

Schwieriger sind oft Jugendliche, die wortkarg und gelangweilt rumhängen. Hier empfiehlt Kolar, Challenges ins Leben zu rufen, die die jungen Lebensgeister wecken. „Das kann alles Mögliche sein. Was Ihnen und Ihrer Familie entspricht.“ Wer schafft über eine Woche hinweg die meisten Seilsprünge, wer lernt, das beste Brot zu backen – hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. 

Die Personen:
Regina Beer
ist Psychotherapeutin mit Schwerpunkt Paar- und Sexualtherapie/Beratung. Sie bietet Einzel- und Gruppentherapie bei Themen wie Angst, Depression, Burnout, Mobbing; Überforderung in Job oder Beziehung, schwierigen Lebenssituationen und Lebenskrisen (Trennung, Krankheit, Tod, Jobverlust); Selbsterfahrung und Supervision für Einzelpersonen oder Gruppen. Hannes Kolar ist klinischer Psychologe und leitet den Fachbereich Psychischer Dienst und Inklusion bei der Kinder- und Jugendhilfe der Stadt Wien.

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