Her mit dem Gemüse, Mama!

„Ein Brokkoli für Mama, eine Avocado für Papa …“ So muss es nicht sein. Auch wenn die Kids den Gemüseteller scheuen, gibt es verschiedenen Möglichkeiten, ihnen Paprika, Paradeiser und Co schmackhaft zu machen.

Kind lächelt mit Gemüse in der Hand
© Adobe Stock | Maria Sbytova  

Obwohl ihre erste feste Nahrung aus pürierten Karotten, Kartoffeln und Kürbis besteht – und schon alleine wegen des Neuigkeitswertes mit Begeisterung begrüßt wird –, entwickeln sich Kinder oft zu Gemüsemuffeln. Bei Palatschinken, Pizza und Fruchtknödel ist der Teller ratz fatz leer, Brokkoliauflauf oder Spinat werden häufig schlichtweg verweigert. Eva Unterberger, Ernährungswissenschafterin und Co-Geschäftsführerin von essenziell, erklärt, warum das so ist: „Für den Babybrei werden meist süß schmeckende Gemüsesorten wie Karotten und Süßkartoffeln verwendet. Viele andere Sorten wie z. B. Kohlgemüse haben eine bittere Note, da müssen Kinder buchstäblich erst auf den Geschmack kommen.“  

Flavour Learning 

Die angeborene Neophopie, die Angst vor allem Neuen, könne man bei den Kids besonders bei bislang unbekannten Gemüsesorten mit „Flavour-Flavour-Learning“ begegnen. Laut der Expertin brauche es bis zu 12 Kontakte mit einem neuen Geschmack, um ihn schätzen zu lernen. „Flavour-Flavour- Learning bedeutet, den neuen Geschmack mit einem bis dahin sehr geschätzten und gemochten Geschmack zu kombinieren. Etwa ein neues Gemüse in pürierter Form in den heiß geliebten Kartoffelbrei zu mischen.“ 

Nur kein Trara machen 

Wichtig sei dabei jedoch, das ganze möglichst unaufgeregt und stressfrei zu machen. „Wenn man Gemüseverweigerern immer größtmögliche Aufmerksamkeit schenkt, bekommen sie genau, was sie wollen – sie stehen im Mittelpunkt. Wenn man es einfach kommentarlos toleriert, erleben sie keinen Erfolg und werden vielleicht schon beim nächsten Mal Gemüse essen“, so Unterberger.  

Ein Tipp der Ernährungswissenschafterin: „Man kann es zur Regel machen, die Kinder immer zu bitten, wenigstens zu kosten, bevor es etwas anderes gibt.“ Und dabei sollte man niemals allzu dogmatisch sein. „Wenn es gar nicht geht, geben Sie einen Klecks Ketchup dazu, das koppelt den neuen Geschmack mit einem altbekannten und macht es den Kids leichter.“ Grundsätzlich sollte Essen immer in einer entspannten Atmosphäre stattfinden und nichts mit Zwang geschehen. 

Die Form macht Gemüse lecker 

Ein altbekannter Trick ist auch das Gemüse-Verstecken. Das sei zwar kein Allheilmittel, man könne damit aber den Gemüseanteil zumindest erhöhen, so die Expertin.

Fast alle Kinder mögen pürierte Suppen oder Spaghetti mit Sugo, die ja durchaus auch mit bislang ungeliebtem Gemüse versehen werden können.  

Unterberger schlägt als Variante auch Gemüsenockerl vor: „Wenn Sie passierten Spinat, pürierte Karotten oder rote Rüben in den Nockerlteig mischen, essen Kinder sie aufgrund der Farbe viel lieber und es wandert unbemerkt eine Gemüseportion in den Magen. Im Palatschinkenteig kann man beispielsweise passierten Spinat ebenso verarbeiten.“ 

„Lassen Sie die Kinder beim Kochen mithelfen“

Unterberger rät, den Nachwuchs miteinzubeziehen, wenn die Mahlzeiten vorbereitet werden und sie dabei auch durchaus kreativ werden zu lassen. Gesichter formen, Sticks schneiden oder sogar ausstechen – und schon macht Gemüse Spaß.  

Kohlrabi oder Brokkoli? 

Besonders anregend könnte ein Spiel sein, bei dem es sich nicht vermeiden lässt, auch unbekannte Sorten zu kosten: Man schneidet kleine Stücke und die Kinder müssen blind erraten, worum es sich handelt. Raffiniert sei dabei etwa der Brokkolistiel, der fast genauso schmeckt wie Kohlrabi. 

Schon bei der Auswahl der Mahlzeiten können Kinder aktiv mitgestalten. So kann etwa ein Spaziergang am Wochen- oder auch im Supermarkt eine gemeinsame Entdeckungsreise für neue Sorten sein. 

Vorbildlich essen 

Mit das Wichtigste sei laut Unterberger, was die Kinder auf dem Teller der Eltern und anderer Vorbilder sehen: „Wenn Mama und Papa häufig und mit Genuss Salate und Gemüsegerichte essen und dazu noch betonen, wie sehr ihnen das schmeckt, werden auch ihre Sprösslinge Interesse entwickeln. Das wirkt viel besser, als ständig zu predigen, wie gesund Gemüse sei. Entscheidungen beim Essen lassen sich nicht durch Wissen steuern. Jedes Kind weiß, dass zu viel Süßes ungesund ist. Es ändert aber nichts an der Vorliebe für Süßigkeiten.“ Besser sei es zu vermitteln, dass Gemüse ein fixer Bestandteil der Familienmahlzeiten ist und einfach selbstverständlich dazugehört.

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