Digital Detox: Ich bin dann mal offline

Keine Bewegung ohne Gegenbewegung, und so heißt der neueste Trend Digital Detox oder: Raus aus dem Netz und rein ins Leben.

Frau entspannt auf Couch ohne Handy
© UNIQA | Melina Kutelas

Experten sind sich einig, die Misere begann 2007. Bis dahin war der Computer etwas, das im Büro oder Zuhause stand und zu bestimmten Zeiten genutzt wurde. Mit dem ersten iPhone wurde es möglich, ihn bei sich zu tragen und ständig online und verfügbar zu sein – mit ungeahnten Folgen.

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Rund um die Uhr Stress

Hatte man in den Anfangsjahren des Handys nur die Wahl zwischen Telefon und SMS, um miteinander zu kommunizieren, stehen mittlerweile eine Vielzahl von Kanälen zur Verfügung, die (oft mittels Pushnachrichten) um unsere Aufmerksamkeit buhlen. Dabei verursacht das permanente Blinken oder Klingeln des Gerätes eine Ausschüttung von Stresshormonen im Körper. „Immer mehr digitale Erlebnisse in kurzer Zeit und rund um die Uhr führen jeden Menschen, egal welcher Alters- und Berufsgruppe, in ein Stressoren-Feld, sodass sich Wohlbefinden und kognitive Fähigkeiten verändern“, erklärt Gesundheitstrainerin Eva Riebenbauer-Ott.

Facebook macht traurig

Dieser Stress zeigt sich auf körperlicher Ebene etwa mit Kopfschmerzen oder degenerativen Veränderungen, vor allem der Halswirbelsäule durch dauernde Fehlhaltung, aber auch im Verhalten und den Emotionen. Eva Riebenbauer-Ott: „Bei vielen Heranwachsenden und Jugendlichen schwächen das dauernde Vergleichen und der Druck in den sozialen Medien den Selbstwert. Das kann das Lebensgleichgewicht schon frühzeitig aus der Balance bringen.“

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Leben statt gelebt werden

Es ist also höchste Zeit, das eigene Leben wieder zu leben statt es nur zu inszenieren oder durch den Filter des Internets wahrzunehmen. „Offline ist kein Luxus – es ist unser Geburtsrecht!“, sagt Eva Riebenbauer-Ott. So wie das Automobil derzeit einen Bedeutungswandel vom Statussymbol retour zum Transportmittel macht, wird es auch für das Handy Zeit, vom dominierenden Zeitfresser wieder zurück zum nützlichen Helfer im Alltag zu mutieren.

Elektronisches Entgiften

Digital Detox heißt das Zauberwort der Stunde, und es werden sogar bereits DD Camps angeboten, in denen den Teilnehmern während ihres Aufenthaltes die elektronischen Geräte abgenommen werden, oder DD Hotels, in denen es von Natur aus keinen Netzempfang gibt. Viel entscheidender als solch handyfreie Urlaubssituationen ist jedoch ein Alltag, in dem man selbst wieder lernt, das Leben mit allen Sinnen wahrzunehmen und den eigenen Lebensrhythmus nicht vom Tyrann in der Hosentasche diktieren zu lassen.

Sport als analoge Oase

Eva Riebenbauer-Ott: „Um aus dem Dauerstress rauszukommen, den Onlinepräsenz verursacht, ist Sport ein sehr gutes Mittel, das die Kopfschmerzhäufigkeit verringert, die Schlafqualität verbessert und emotionalen Stress reduziert. Systematisches Training, Sport in der Natur sowie achtsame und langsame Bewegungsformen wie Yoga , Tai-Chi, Qigong oder Feldenkrais gelten generell für alle Altersgruppen als sinnvolle Werkzeuge zur Entschleunigung.“

Wir benutzen unsere Smartphones mehr als 3 Stunden

Handylose Zonen

Zusätzlich braucht es jedoch handylose (Zeit)Zonen. „Keine Grundbedürfnisse wie Essen, Schlafen, Ausscheiden oder Körperpflege in Anwesenheit des Smartphones!“, appelliert die Gesundheitstrainerin und hat weitere Tipps fürs Digitale Detox parat:

  • Fixe Online- und Offline-Zeiten für jeden Tag festlegen.
  • Freunde und Familie wieder häufiger treffen und offline mit ihnen kommunizieren.
  • Mindestens 20, besser aber 90 Minuten vor dem Schlafengehen beginnt die Offline-Zeit.
  • Push-up-Benachrichtigungen deaktivieren und Aktualisierungen von Apps nur manuell durchführen.
  • E-Mails nur im Ausnahmefall in der Freizeit beantworten.
  • Analoge Abenteuerliste anlegen und umsetzen.
  • Einen fixen digitalen Entschleunigungstag pro Woche einhalten.
  • Einen Wecker verwenden statt des Handys.


Und nicht zuletzt gibt es Programme wie Off-Time oder Moment, die messen, wieviel Zeit man täglich in der Virtualität verbringt, um diese dann auch entsprechend zu beschränken. Erhältlich sind sie als Apps. Fürs Handy.

Zur Person 
Eva Riebenbauer-Ott ist Diplomierte Gesundheitstrainerin, Gesundheits- und Krankenschwester sowie UNIQA VitalCoach

Buchtipp

Catherine Price: Endlich abschalten: Warum Urlaub vom Smartphone uns Zeit, Glück und Liebe schenkt, Rowohlt Verlag, ISBN-10: 9783499633560


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