Bikefitting: Die Vermessung der (Rad-)Welt

Mit einem Fahrrad, das perfekt auf seinen Benutzer eingestellt ist, macht Radeln nicht nur mehr Spaß, es entlastet und trainiert den Körper auch gleichermaßen.

Hand schraubt an Fahrrad
© UNIQA | Melina Kutelas

Viele Hobbyradler bezahlen ihr Freizeitvergnügen mit Schmerzen in Knien, Kreuz, Schultern oder Nacken. Etwas, das Profis eher selten passiert, denn deren Räder sind ergonomisch optimal auf ihre körperlichen Bedürfnisse eingestellt. Kurz gesagt: Die Abstände von Sattel, Pedalen und Lenker sowie ihre Neigungswinkel werden so angepasst, dass beim Fahren die Gelenke nicht mehr als nötig und auch optimal belastet werden. Dadurch werden Beschwerden verhindert und Leistung sowie Fahrspaß steigen.

Der Blick von außen

Bikefitting heißt diese Methode, nach der auch immer mehr Hobbyradler ihre Rennräder, Triathlon-, Mountain- und E-Bikes einstellen lassen. Warum es Hilfe von außen braucht, um ein Fahrrad optimal anzupassen, ist einfach erklärt. „Man selbst merkt beim Fahren den Druckpunkt am Pedal – wenn dieser stimmt. Aber erst von außen sieht man, ob zum Beispiel der Winkel im Sprunggelenk bei jeder Umdrehung stabil bleibt, was im Idealfall so ist“, erklärt Daniel Runge. Der UNIQA VitalCoach ist Bikefitter und bringt neben medizinischem Fachwissen als Physiotherapeut auch langjährige Erfahrung als Radprofi mit. So weiß er, dass alle Beschwerden, die jenseits von Konditionsmängeln liegen, nicht sein müssen. Muskelkater ist okay, Rückenschmerzen sind es nicht.

Die Dynamik beim Fahren

Wie geht nun professionelles Bikefitting vor sich? Daniel Runge: „Die Beratung beginnt bei mir mit einem Gespräch, in dem ich nachfrage, welche Beschwerden bereits bestehen oder ob der Mensch Operationen hatte – also alle Dinge, die orthopädisch relevant sind. Zusätzlich mache ich einige physiotherapeutische Tests. Dann wird das Fahrrad in eine Rolle eingespannt, und der Radler fährt darauf. Denn erst in der Dynamik beim Fahren zeigen sich viele Dinge, die man nicht erkennen kann, wenn das Fahrrad steht. Zuletzt werden Positionen und Winkel vermessen, eingerichtet, überprüft, neu justiert und verbessert bis eine ideale, ergonomische Haltung erreicht ist. Sollten in den nächsten Wochen Beschwerden auftreten, wird nochmals ein Follow-up Termin gemacht. Erst mit einem tatsächlich optimalen Ergebnis ist der Prozess des Bikefittings beendet.“

Manchmal werden Beschwerden beim Radeln jedoch nicht vom Fahrrad selbst verursacht, sondern vom Equipment. „Wenn zum Beispiel eine Sportbrille das Sichtfeld einschränkt, sodass der Radler den Nacken überstrecken muss, um optimal sehen zu können“, erklärt Runge, „Daher lasse ich die Menschen beim Bikefitting immer das Outfit anziehen, das sie beim Radfahren normalerweise tragen.“

Bikefitting als Trend

Wen er als Zielgruppe für Bikefitting sieht? Daniel Runge: „Meist sind es sportlich aktive Menschen, die ihre Leistung steigern wollen. Es kommen aber auch Gelegenheitsradler oder E-Biker zu mir, die einfach beschwerdefrei radeln wollen. Und wenn man bedenkt, dass man bei Radtouren ja einige Stunden auf dem Fahrrad verbringt – und das womöglich in Fehlhaltung! – macht ein Bikefitting Sinn.“

Handel und Industrie merken ebenfalls, dass der Trend zum Bikefitting geht, weshalb immer mehr Fahrradhändler diesen Service anbieten. Daniel Runge gibt jedoch zu bedenken: „Es ist gut, dass das Bewusstsein für ergonomisch gut angepasste Räder wächst. Wenn man zu einem unabhängigen Bikefitter geht, der auch noch medizinischen Background besitzt, kann man sicher sein, eine optimale Lösung zu bekommen. Als externer Berater mit medizinischem Fachwissen kann ich mir die Freiheit nehmen, Dinge direkt anzusprechen. Bin ich gleichzeitig der Verkäufer des Fahrrades, werde ich wahrscheinlich nicht ganz objektiv urteilen.“ Und er bekräftigt: „Mein Wunsch ist es einfach, dass die Menschen beim Fahrradfahren Gaudi haben.“

Zur Person
Daniel Runge ist UNIQA VitalCoach und Physiotherapeut. Zusätzlich bietet er Bikefitting in seinem  Studio in Innsbruck an.