Wärmende Klassiker neu entdeckt: Wintergerichte aus aller Welt
In der kalten Jahreszeit steigt der Wunsch nach Speisen, die uns von innen heraus wärmen. Winterküche erfasst mehr als die üblichen Klassiker wie Rindsuppe oder Chili con Carne. Rund um den Globus entstehen Gerichte, die traditionell mit wärmenden Zutaten zubereitet werden, und neue Perspektiven eröffnen.
Beginnen wir in Japan: Die klassische Miso-Suppe kennt jede*r, weniger bekannt ist hingegen die Variante Nameko-Jiru, eine waldige Winterversion mit kleinen, leicht glibberigen Pilzen, die in Japan als besonders „wärmend“ gelten. Kombiniert mit Ingwer, der in der traditionellen asiatischen Medizin als besonders aktivierend und wärmend beschrieben wird, entsteht eine Suppe, die an kalten Tagen wohltuende Wärme spendet.
Ein gutes Stück weiter westlich, in Georgien, wärmt die Chkmeruli-Suppe mit Huhn in einer üppigen Knoblauch-Milch-Sauce. Knoblauch schützt im Kaukasus vor Winterkälte und ist gleichzeitig ein wunderbarer aromatischer Gegenpol zu cremigen Elementen.
Eintöpfe: Langsam gekocht und wohlig warm
Marokko schenkt uns den Kichererbsen-Eintopf Harira, der traditionell während des Ramadans gegessen wird, aber im Winter eine besonders wohltuende Wirkung entfaltet. Zimt, Kurkuma, Safran und ein Hauch Chili bringen jene Behaglichkeit, die man an kalten Tagen herbeisehnt.
In der nordafrikanischen Küche gilt Zimt nicht nur als süßes Dessertgewürz, sondern als zentrales Element herzhaft-wärmender Gerichte, da seine aromatische Tiefe Schärfe ausbalanciert und Eintöpfen eine runde, vollmundige Note verleiht.
Eine ungewöhnliche Entdeckung kommt aus der Karibik: Sancocho, ein Eintopf aus Yamswurzeln, Kochbananen und Maiskolben. Während bei uns Wurzelgemüse für ein kräftiges, erdiges Aroma sorgt, bringen in der Karibik stärkehaltige Früchte und würzige Brühen die besonderen geschmacklichen Akzente. Ein spannender Perspektivenwechsel.
Wer denkt, Österreich hätte im Bereich Eintopf nichts Neues mehr zu bieten, irrt: Das Erdäpfelgulasch, oft unterschätzt, lässt sich neu interpretieren, etwa mit geräuchertem Paprika, geröstetem Kümmel und ein paar Tropfen Apfelessig. Diese Kombination sorgt für ein überraschendes Aromenspektrum zwischen Rauch, Wärme und leichter Frische.
Portionen: 4
Zeit: ca. 35 Minuten
Schwierigkeitsgrad: einfach
Warum dieses Gericht?
Kimchi-Jjigae ist einer der beliebtesten Wintereintöpfe Koreas. Er wärmt intensiv, ist aromatisch, überraschend einfach zuzubereiten und nutzt Zutaten, die man inzwischen problemlos in österreichischen Supermärkten oder Asia-Shops findet.
Zutaten:
- 300 g gut gereifter Kimchi (fermentierter Chinakohl
- 200 g Tofu, in Würfel geschnitten
- 1 Zwiebel, in Streifen
- 2 Frühlingszwiebeln, in Ringe geschnitten
- 1 Knoblauchzehe, gehackt
- 1 EL Gochujang (koreanische Chili-Fermentpaste, auch in großen Supermärkten erhältlich)
- 1 TL Gochugaru (Chiliflocken, optional)
- 1 EL Sesamöl
- 600 ml Gemüse- oder Hühnerbrühe
- 1 kleine Kartoffel, gewürfelt (traditioneller Zusatz für Sämigkeit)
- 1 TL Sojasauce
- Salz nach Bedarf
Zubereitung für ca. 4 Portionen:
1. Sesamöl in einem Topf erhitzen. Zwiebel und Knoblauch darin kurz anrösten, bis alles duftet.
2. Den Kimchi hinzufügen und 2–3 Minuten anbraten. Das intensiviert den Geschmack und sorgt für Tiefe.
3. Gochujang und optional Gochugaru einrühren, bis eine leicht cremige Paste entsteht.
4. Mit der Brühe aufgießen, Kartoffelwürfel hinzugeben und etwa 15 Minuten köcheln lassen, bis die Kartoffeln weich sind.
5. Tofu vorsichtig einlegen, Sojasauce hinzufügen und nochmal 5 Minuten simmern lassen.
6. Mit Frühlingszwiebeln bestreuen und nach Geschmack leicht salzen.
Traditionell wird Kimchi-Jjigae mit Reis serviert. Es passt aber auch hervorragend zu knusprigem Brot, als wärmendes Comfort-Food.
Currys: Wärmende Gewürzkunst
Winter ohne Curry? Kaum vorstellbar. Doch statt der üblichen gelben oder roten Varianten lohnt sich ein Blick nach Sri Lanka. Das Polos-Curry, ein Curry aus jungen grünen Jackfrüchten, überrascht mit seiner Textur. Diese wirkt fleischig, faserig, aromatisch und ist komplett pflanzlich. Die verwendeten Gewürze wie Nelken, Kardamom und schwarzer Pfeffer sind regelrechte Wärmeträger und stärken laut ayurvedischer Tradition die innere Energie.
Noch ungewöhnlicher ist das tibetische Yak-Butter-Curry. Eine seltene Spezialität, die mit salzigem Buttertee verfeinert wird. Für Zuhause lässt sich die Idee adaptieren: Ein würziges Curry mit Räuchertee oder Lapsang-Souchong bringt ähnlich tiefe, wärmende Rauchnoten ins Gericht.
Welche Zutaten wirken eigentlich „wärmend“?
Viele Kulturen unterscheiden zwischen „wärmenden“ und „kühlenden“ Lebensmitteln, einem Konzept, das nicht nur aus der Traditionellen Chinesischen Medizin stammt. Überall auf der Welt werden bestimmte Zutaten eingesetzt, um dem Körper Energie und Wärme zu schenken:
Zutaten:
Ingwer
Fördert die Durchblutung, wirkt leicht scharf und aktivierend. Ideal in Tee, Suppen oder Currys.- Chili & Pfeffer
Capsaicin und Piperin regen die Wärmeproduktion an. Perfekt zum Abschmecken, wenn ein Gericht „feuriger“ werden soll. Zimt & Kardamom
Sorgen für eine beruhigende Wirkung und werden in vielen Kulturen sowohl süß als auch herzhaft verwendet.- Knoblauch & Zwiebel
Traditionelle Winterklassiker, die das Immunsystem stärken und für aromatische Tiefe sorgen. Fermentierte Produkte (z. B. Miso)
Unterstützen die Darmgesundheit und wirken nach asiatischer Tradition energiestärkend. Erhältlich in Asia-Shops, Bio-Läden, Reformhäuser.- Wurzelgemüse
Karotten, Pastinaken, Sellerie oder Gelbe Rüben gelten als erdend und sättigend. Schwarzer Sesam
In der asiatischen Medizin ein stark wärmendes Lebensmittel. Ideal zum Bestreuen von Suppen, Bowls oder im Frühstücksbrei.- Süßholz (Lakritzwurzel)
Wirkt leicht süß und wohltuend für den Hals. Perfekt für Tee oder zum Aromatisieren von Eintöpfen. Gochujang (koreanische Chili-Fermentpaste)
Komplex scharf und leicht süß. Eine spannende Ergänzung für österreichische Eintöpfe. Erhältlich in Korea- und Asia-Märkten, teilweise in größeren Supermärkten.- Geräuchertes Paprikapulver
Nicht scharf, mit tiefem Rauchgeschmack. Perfekt für moderne Gulasch-Varianten und Ofengerichte. - Schwarzer Knoblauch
Aromatisch-süß und gleichzeitig magenfreundlich. Ideal zum Abschmecken von Suppen oder Risottos. Erhältlich in Feinkostläden und Bio-Läden.
- Tahini (Sesampaste)
Reich an wertvollen Fetten. Gibt Suppen und Eintöpfen einen cremigen Charakter.
Wer sich in den Wintergewürz-Welten bewegt, merkt schnell, dass Wärme nicht nur eine Frage der Temperatur ist. Sie kann auch eine kulinarische Erfahrung sein. Neue Geschmäcker eröffnen neue Traditionen und vielleicht wird aus einer spontanen Entdeckung sogar ein persönlicher Winterklassiker.