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Sicher in den Skitag starten: Gemeinsames Aufwärmen für Familien auf der Piste

Der erste Schwung des Tages entscheidet oft darüber, wie sicher und entspannt ein Skitag verläuft. Gerade bei Familien mit Kindern ist der Start in den Tag entscheidend: Kalte Temperaturen, Vorfreude, Hektik an der Tal- oder Bergstation, treffen auf einen Körper, der noch im Ruhemodus ist. Ein kurzes, gemeinsames Aufwärmen gehört daher zu den effektivsten Maßnahmen, um Unfälle auf der Piste aktiv zu verhindern.

Elternteil und Kind fahren Ski gemeinsam auf der Piste

Prävention beginnt vor der ersten Abfahrt

Viele Unfälle passieren nicht bei hohem Tempo oder am Ende des Tages, sondern bereits in den ersten Abfahrten. Der Körper ist zu diesem Zeitpunkt oft noch nicht auf Belastung eingestellt: Nach der Anfahrt, dem Anstehen am Lift und der Fahrt nach oben befindet sich der Körper noch im Ruhemodus. Genau hier setzt Prävention an, noch vor der ersten Abfahrt.

Die Sportwissenschafterin, Bewegungsexpertin und UNIQA VitalCoach Gitti Köck betont: „Auch im Wintersport macht Aufwärmen vor sportlicher Betätigung Sinn. Gelenksflüssigkeit wird verteilt, Muskeln werden auf die Belastung vorbereitet, der Kreislauf aktiviert. Durch Bewegung werden Gelenke, Muskeln und Knorpel besser durchblutet, und der Körper stellt sich auf die Belastung ein. So kommt man vom Ruhe- in den Aktivzustand und das Risiko für Fehlbelastungen gleich zu Beginn des Skitags wird deutlich geringer.

Warum Außentemperaturen ohne Aufwärmen zum Unfallrisiko werden

Die niedrigen Außentemperaturen am Berg wirken zusätzlich herausfordernd auf den Körper. In Ruhephasen kühlt er schnell aus, besonders Arme, Beine und Füße. Die Folge sind „kalte Muskeln“, also Schlecht durchblutete, noch nicht aktivierte Muskulatur. „Kalte Muskeln arbeiten deutlich langsamer, Reaktion und Koordination sind eingeschränkt. Das erhöht die Fehleranfälligkeit und damit auch das Sturzrisiko.“, erklärt Köck.

Hinzu kommt ein natürlicher Schutzmechanismus: Bei Kälte arbeitet der Körper langsamer. Gleichgewicht, Koordination und Reaktion lassen nach. Ohne Aufwärmen steigt dadurch das Risiko für Fehler und Verletzungen beim Skifahren.

Typische Unfallsituationen bei Familien

Bestimmte Unfallsituationen kommen bei Familien auf der Skipiste besonders häufig vor:

  • Stürze zu Beginn des Skitags, wenn Technik, Timing und Körpergefühl noch nicht richtig da sind
  • Zerrungen und Überlastungen, vor allem an Knien, Sprunggelenken und im Rücken
  • Zusammenstöße, zum Beispiel wenn Kinder unkontrolliert losfahren oder Erwachsene ihre Reaktionsfähigkeit überschätzen

Bei Kindern kommen entwicklungsbedingte Faktoren hinzu. Die Expertin beschreibt das so: „Oft sind sie sich einer Gefahr gar nicht bewusst, sie sind einfach im Tun. Um etwas zu lernen, muss man an die Grenze der Komfortzone gehen. Das ist manchmal ein schmaler Grat.“

Bei Erwachsenen hingegen spielen eher Selbstüberschätzung, Gruppendruck, mangelnde Technik oder Übung – und nicht selten auch Alkoholkonsum – eine entscheidende Rolle bei Unfällen.

Gut zu wissen

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Das ideale Aufwärmen für Familien: kurz, spielerisch, wirksam

Aus präventiver Sicht empfiehlt Bewegungsexpertin Köck, das Aufwärmen bewusst vor der ersten Abfahrt an der Bergstation einzuplanen: „Es wird kein spezieller Platz benötigt und zeitlich genügen schon fünf Minuten“, betont Köck. Ideal ist es, die Aktivierung direkt an der Bergstation durchzuführen – ohne großen Aufwand und Equipment.

Ein empfohlenes 5-Minuten-Programm für Eltern und Kinder 
  1. Herz-Kreislauf aktivieren (ca. 1–2 Minuten)
    Ziel: Den Körper von Ruhe- in den Aktivmodus bringen.
    • Lockeres Laufen oder Traben am Stand
    • Kleines Fang- oder Bewegungsspiel für Kinder und Eltern
  2. Große Gelenke mobilisieren (ca. 2 Minuten)
    Ziel:
    Gelenke "schmieren" und Beweglichkeit verbessern
    In ruhigen, kreisenden und spielerischen Bewegungen von unten nach oben:
    • Sprunggelenke
    • Knie
    • Hüfte
    • Schultern
    • Ellenbogen
    • Handgelenke
  3. Kurze Aktivierung (ca. 1 Minute)
    Ziel:
    Muskeln und Reaktionsfähigkeit gezielt aktivieren
    • Mehrmals aus der Hocke hochspringen
    • Abwechselnd aus der Bauchlage schnell aufstehen und auf den Rücken legen
    • Kurze Mini-Sprints vor und zurück

Erschöpfung, Pausen und falscher Ehrgeiz

Aufwärmen allein reicht nicht aus, um sicher durch den Skitag zu kommen. Ebenso entscheidend ist ein kluges Pausenmanagement, das einen wesentlichen Beitrag zur Unfallprävention leistet und damit auch aus Sicht der Unfallversicherung relevant ist. Besonders Kinder ermüden schnell: Sie verlieren schnell an Konzentration, stürzen häufiger oder beginnen zu frieren. Lieber in kürzeren Einheiten zu fahren und regelmäßige Pausen einzuplanen. 

Gut zu wissen

Wer gemeinsam sicher ankommen will, fährt im Tempo der Langsamsten.


Nach Pausen sollte der Körper zudem kurz wieder aktiviert werden. Bei Erwachsenen verstärken Alkohol und schwere Mahlzeiten die Ermüdung. Falscher Ehrgeiz, vor allem gegen Tagesende, erhöht das Unfallrisiko. Im Zweifel ist der Lift ins Tal die sicherere und bessere Entscheidung. Eine kurze Aktivierung nach Pausen bringt den Kreislauf wieder in Schwung, fördert die Durchblutung, steigert die Konzentration und ist eine einfache, aber sehr effektive Maßnahme zur Unfallvermeidung.

Sicher unterwegs als Familie auf der Piste
  • FIS-Pistenregeln einhalten: Sie gelten für alle und bilden die Grundlage für sicheres Skifahren 
  • Vor dem Losfahren immer nach oben schauen, um herannahende Skifahrer rechtzeitig zu erkennen
  • Ausreichend Abstand halten, besonders beim Hintereinanderfahren in der Gruppe
  • Nicht quer über die gesamte Piste fahren, sondern klar erkennbare Linien wählen
  • Ein fixes Schlusslicht bestimmen, das den Überblick behält und niemanden zurücklässt
  • Geschwindigkeit dem schwächsten Gruppenmitglied anpassen, nicht umgekehrt
  • Auffällige, gut sichtbare Kleidung und einen Helm tragen, um besser erkannt zu werden und das Verletzungsrisiko bei Stürzen deutlich zu reduzieren

Gemeinsames Aufwärmen ist also eine zentrale Präventionsmaßnahme im Wintersport. Gerade für Familien schafft es Sicherheit, Struktur und ein besseres Körpergefühl von Anfang an. Viele Unfälle ließen sich durch diesen einfachen Schritt reduzieren. Oder, wie es Gitti Köck beschreibt: „Wer vorbereitet startet, fährt sicherer und hat auch mehr Freude am Skitag.“

UNIQA VitalCoach Gitti Köck
Gitti Köck © Arvido

Zur Person

Gitti Köck ist, ehemalige Profi-Snowboarderin und Olympiamedaillengewinnerin. Heute arbeitet sie als Health- und VitalCoach und vermittelt praxisnahes Wissen zu Bewegung, Prävention und sicherem Sport im Alltag.


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