Influenza- versus Coronavirus

Wie lassen sich die vielen Informationen rund um Coronavirus SARS-CoV-2, die derzeit laufend eintreffen, einordnen? Warum wird die Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 so genau beobachtet? Wodurch unterscheidet sich der neuartige Erreger vom Grippevirus und wie schützen wir uns jetzt am besten? Diese Fragen beantwortet Priv. Doz. Dr. Monika Redlberger-Fritz, Virologin an der Medizinischen Universität Wien.

Influenza versus Coronavirus

Vorsicht sei jedenfalls angebracht, Panik nicht, schickt Redlberger-Fritz voraus. „80 Prozent der Infizierten erkranken leicht, zehn bis 20 Prozent schwer.“ Kinder dürften generell eher einen milden Verlauf haben oder überhaupt asymptomatisch erkranken. Das heißt: Sie tragen das Virus in sich und geben es weiter, ohne dass sich bei ihnen Symptome zeigen. 

Gut zu wissen

Der Erreger heißt laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) offiziell „SARS-CoV-2“, die Krankheit „COVID-19“ (coronavirus disease 2019).

Die Ansteckungsrate 

„SARS-CoV-2 ist sehr infektiös, kann also sehr leicht übertragen werden“, informiert die Medizinerin. Wie leicht, lässt sich allerdings nicht genau sagen. „Die Infektiosität wird mit dem R0-Wert angegeben, der zeigt, wie viele Menschen durch einen Infizierten angesteckt werden“, berichtet Redlberger-Fritz. „Bei der Grippe liegt der Wert bei zirka 2 und bei Masern bei 12 bis 18. Den tatsächlichen R-Null-Wert des neuartigen Virus kennt man nicht, weil man die Dunkelziffer von asymptomatisch Infizierten nicht kennt.“

Die Ansteckung erfolgt über Tröpfchen beim Husten oder Niesen. Bei jeder Infektion, die über Tröpfchen übertragen wird, erfolgt die Übertragung außerdem über Schmierinfektion – das gilt für Influenzaviren genauso wie für Coronaviren. „Die Tröpfchen gelangen zum Beispiel über die Hände auf Kontaktoberflächen“, informiert Redlberger-Fritz.

Die Symptome

Fieber, Husten, Atembeschwerden: Die Krankheitszeichen sind nicht sehr spezifisch und können genauso auf einen grippalen Infekt, eine Influenza oder auch eine Erkrankung der Atemwege deuten. Bei Risikopatienten wie Älteren und Patienten mit Grunderkrankungen kann es zu Pneumonien, also Lungenentzündungen, kommen. Ähnliche Komplikationen treten auch bei der saisonalen Influenza auf.

Der Krankheitsverlauf

Die Inkubationszeit liegt bei der Krankheit COVID-19 zwischen zwei und 14 Tagen: Es kann also sein, dass sich die ersten Symptome erst zwei Wochen nach der tatsächlichen Infektion zeigen. Bei einer Grippe können die ersten Krankheitszeichen hingegen schon nach Stunden und bis zu sieben Tage nach der Infektion auftreten.

Und die Dauer der Erkrankung? „Die Krankheitsdauer liegt bei der Grippe durchschnittlich bei einer Woche“, erklärt Redlberger-Fritz. „Bei einer Infektion durch das Coronavirus ist die Krankheitsdauer noch nicht ausreichend bekannt. Derzeitige Daten weisen darauf hin, dass die Krankheitsdauer bei leichten Verläufen zirka ein bis sieben Tage beträgt, bei moderaten bis zu zehn Tagen und bei sehr schweren Verläufen bis zu mehreren Wochen“, informiert die Expertin.

Die Vorbeugung

Die wichtigste Empfehlung in Anbetracht der raschen Verbreitung von Coronaviren lautet derzeit: Gehen Sie auf Abstand zu den Mitmenschen und reduzieren Sie Ihre sozialen Kontakte!
Die weiteren Maßnahmen, um einer Infektion vorzubeugen, sind bei Influenza und COVID-19 ident: Eine sorgfältige und gründliche Handhygiene ist das Um und Auf! „Die Hände gründlich mit Seife zu waschen, leistet einen sehr großen Beitrag, um die Viruslast auf den Händen zu verringern“, unterstreicht Redlberger-Fritz. „Wichtig ist, dass man das wenigstens für 40 Sekunden tut.“ Ein Richtwert, dass man lange genug gereinigt hat: „Man singt einmal „Happy Birthday“, gibt die Virologin einen Tipp, der auch bei Kindern gut funktioniert. Abgesehen davon empfiehlt sich die regelmäßige Verwendung von Handdesinfektionsmitteln. Die Hygienemaßnahmen sollten nicht nur Gesunde, sondern auch Erkrankte einhalten.

Die Schutzmaßnahmen

Während man sich vor der Grippe durch eine Impfung wirksam schützen kann, ist das bei COVID-19 (noch) nicht möglich - an einem entsprechenden Impfschutz wird derzeit intensiv geforscht.

Und wie sinnvoll sind Mundschutzmasken? „Hier stellt sich die Frage, was man damit erreichen möchte“, betont die Virologin. „Masken mit Atemventil, wie sie etwa medizinischen Personal verwendet, schirmen Viruspartikel ab.“ Für einen sicheren Schutz müssen aber zusätzlich die Augen geschützt werden. „Von den herkömmlichen Mundschutzmasken erwarten sich die meisten zu viel“, ist die Ärztin überzeugt. „Diese können sicher größere Tröpfchen abfangen und damit die Gefahr senken, aber die kleinen Viruspartikeln dringen durch.“ Mundschutzmasken verhindern jedoch, dass man sich ins Gesicht, zu Mund und Nase greift – ein weiterer Vorteil.

Die Risikopersonen

Wie auch bei der saisonalen Influenza haben ältere Menschen sowie Menschen mit Grunderkrankungen – etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder chronischen Atemwegserkrankungen – ein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf. „Menschen mit erhöhtem Risiko sollten besonders auf sich schauen und es mit den Vorsorgemaßnahmen sehr genau nehmen“, rät Redlberger-Fritz.

Wie hoch die Sterblichkeitsrate bei COVID-19 im Vergleich zur Influenza ist, lässt sich derzeit nicht genau sagen. Feststeht: An der saisonalen Influenza versterben in Österreich jährlich rund 1.500 Menschen. Während darüber weniger berichtet wird, erfährt man über jeden Todesfall durch das Coronavirus sofort. „Dass Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus so rasch publik werden, hat mit der erhöhten Aufmerksamkeit zu tun“, betont die Virologin. Im Gegensatz dazu sei das Bewusstsein von den Gefahren der saisonalen Grippe wenig ausgeprägt.

Die Behandlung

Im Gegensatz zur saisonalen Grippe gibt es bei COVID-19 (derzeit) keine spezifischen antiviralen Medikamente: Die Behandlung erfolgt je nach Symptomen mit entzündungshemmenden und fiebersenkenden Mitteln, Atemwegsbeschwerden werden gesondert behandelt.
Und wie sieht es mit Quarantäne-Maßnahmen aus? „Während der Grippewelle werden die Patienten in der Regel auf eigenen Grippestationen behandelt, bei COVID-19 werden die Patienten in speziellen Isolierstationen untergebracht, wo gesonderte Sicherheitsmaßnahmen herrschen, etwa Schleusen und besondere Schutzmaßnahmen für das medizinische Personal“, informiert die Virologin.

Besteht nun ein Verdacht auf eine Coronavirusinfektion nehmen Ärzte Abstriche ab, diese werden an die speziellen Laboratorien geschickt, „die eine Untersuchung auf Virusnukleinsäure mittels PCR durchführen.“

Gut zu wissen

PCR steht für Polymerase-Ketten-Reaktion. Es handelt sich dabei um die wichtigste Labormethode zur Untersuchung der molekularen Feinstruktur der Erbsubstanz. In der Humanmedizin wird die PCR zur Abklärung von Erbkrankheiten und genetischen Fragestellungen, aber auch in der Diagnostik von zahlreichen Infektionskrankheiten eingesetzt.


Welchen Sinn haben die Isolationsmaßnahmen? „Die drastischen Quarantänemaßnahmen dienen auch dazu, dass nicht alle gleichzeitig erkranken und man die Erkrankungskurve gleichsam in die Länge zieht“, erklärt Redlberger-Fritz das Vorgehen. Dadurch soll auch eine Überlastung des Gesundheitssystems verhindert werden.

Sie möchten immer gut informiert sein? 

Am Ball bleiben ist das Um und Auf. Mit Ihrer Einwilligung erhalten Sie Informationen zu Produkten, Services und Aktionen rund um Gesundheit, Familie, Freizeit und Auto.