COVID-19-Impfstoffe: Entwicklung und Zulassung

Wie ein Impfstoff gegen ein neuartiges Virus wie SARS-CoV-2 entwickelt, getestet und zugelassen wird.

Impfstoff

Vier COVID-19-Impfstoffe hat die Europäische Kommission nach einer gründlichen Bewertung der Sicherheit, Wirksamkeit und Qualität durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) bereits zugelassen. Aber wie wird ein neuer Impfstoff entwickelt und getestet, und wie funktioniert eine Impfstoffzulassung in der EU eigentlich?

Zunächst wird der Erreger, also in diesem Fall SARS-CoV-2, analysiert und geprüft, auf welche Bestandteile des Virus das menschliche Immunsystem reagiert und einen Schutz – u.a. durch Antikörper und die zelluläre Immunantwort – aufbauen kann. Im Fall von SARS-CoV-2 ist dies etwa ein charakteristisches Spike-Protein, mit dem es an Körperzellen bindet.
Basierend auf diesen Ergebnissen wird dann ein Impfstoff-Kandidat entwickelt und in kleinen Mengen hergestellt.

Präklinische Entwicklung

In der präklinischen Phase wird der Impfstoff-Kandidat an Zellkulturen (z.B. mit Immunzellen des Menschen) und in Tierversuchen auf Wirksamkeit, Verträglichkeit und Sicherheit getestet. Hat sich der Impfstoff nach diesen umfangreichen Untersuchungen als sicher und wirksam erwiesen, und geben auch die zuständigen Ethik-Kommissionen und Arzneimittelbehörden grünes Licht, wird der Impfstoff klinisch erprobt.

Klinische Prüfungen

Der Impfstoffhersteller testet den Impfstoff in drei Phasen klinischer Studien an freiwilligen Studienteilnehmenden, die umfassend aufgeklärt wurden. Bei diesen Studien müssen die von den Zulassungsbehörden vorgegebenen strengen Standards mit festgelegten Verfahren und Protokollen eingehalten werden. 

In Phase I mit in der Regel zwischen 20 und 100 gesunden freiwilligen Probandinnen und Probanden wird sichergestellt, dass der neue Impfstoff für den menschlichen Körper verträglich und sicher ist und er die gewünschte Immunreaktion auslöst.

Untersuchungen in Phase II mit mehreren hunderten Freiwilligen geben Aufschluss über die häufigsten kurzfristigen Nebenwirkungen, die bestmögliche Dosierung für einen optimalen Schutz gegen den Krankheitserreger und die Anzahl der Impfungen für ein bestmögliches Impfschema. 

In der letzten Phase III wird der Impfstoff an einer möglichst großen Anzahl an freiwilligen Studienteilnehmenden getestet, die sich in ihrem normalen Alltag mit dem Virus infizieren könnten. Im Fall von COVID-19-Impfstoffen waren dies über 30.000 Personen. In Phase III werden Placebo-kontrollierte Studien eingesetzt. Dabei erhält die Hälfte der Studienteilnehmenden den Impfstoff und die andere Hälfte einen Scheinimpfstoff oder einen bereits zugelassenen Impfstoff. Wer was erhält, wissen die Studienteilnehmenden nicht. In dieser Phase wird gezeigt, wie zuverlässig der Impfstoff gegen eine Infektion schützt und welche Nebenwirkungen mit welcher Häufigkeit auftreten können.

Begutachtung und Zulassung

Ist die Phase III erfolgreich abgeschlossen, reicht der Impfstoffhersteller die Zulassungsunterlagen nach klar vorgegeben Richtlinien bei unabhängigen Arzneimittelbehörden ein. In der EU ist das die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA). Bei der fachlichen Begutachtung sind die nationalen Arzneimittelbehörden eingebunden. Die Zulassungsunterlagen beinhalten unter anderem regulatorische Angaben, Daten zur Herstellung, präklinische und klinische Daten, aktuelle Fachliteratur sowie Informationen zur geplanten langfristigen Überwachung nach der Zulassung. Die Behörden bewerten dabei nicht nur den eigentlichen Wirkstoff, sondern auch die anderen Inhaltsstoffe des Impfstoffs. 

Überwiegt der Nutzen die Risiken des Impfstoffs deutlich und erfüllt er alle wissenschaftlich-regulatorischen Voraussetzungen, gibt die EMA eine Zulassungsempfehlung an die Europäische Kommission ab, auf deren Basis die Europäische Kommission die Zulassung erteilen kann. Diese gilt dann für alle EU-Länder, eine nationale Zulassung ist nicht mehr erforderlich.

Gut zu wissen

Die Entwicklung von Impfstoffen gegen neue Erreger ist ein komplexer Prozess, der meist mehrere Jahre beansprucht. Aufgrund der schwerwiegenden Folgen der COVID-19-Pandemie verliefen sowohl die Entwicklung und der Zulassungsprozess als auch die Produktion der COVID-19-Impfstoffe in beschleunigter Form. Auf der Website der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) wird genau erklärt, wie wertvolle Zeit gewonnen wurde, obwohl die Anforderungen an Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit der Impfstoffe unverändert hoch geblieben sind.


Kontinuierliche Überwachung

Auch nach der Marktzulassung eines Impfstoffs werden mögliche Nebenwirkungen kontinuierlich erfasst und das Nutzen-Risiko-Verhältnis neu bewertet. In Österreich ist das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) dafür zuständig. Es kontrolliert darüber hinaus – unabhängig von den Impfstoff-Herstellern – auch die Wirksamkeit des Impfstoffs und wertet fortlaufend neue wissenschaftliche Literatur dazu aus.

Sämtliche Meldungen vermuteter Nebenwirkungen werden EU-weit gesammelt. Durch die Analyse dieser Daten können mögliche neue Risiken schnell erkannt und bewertet werden. Gegebenenfalls werden dann neue Warnhinweise, Gegenanzeigen und Nebenwirkungen in der Fach- bzw. Gebrauchsinformation aufgenommen, es kann aber auch zur Einschränkung oder Aufhebung der Zulassung des Impfstoffs kommen. 

Alle in der EU und damit in Österreich zugelassenen COVID-19-Impfstoffe haben eine bedingte Zulassung erhalten. Diese kann jederzeit aufgehoben oder ausgesetzt werden, sollten sich bei der Anwendung Probleme bei Produktion, Sicherheit oder Wirksamkeit ergeben.


Quellen:


AGES: Entwicklung und Zulassung von Impfstoffen
https://www.ages.at/themen/krankheitserreger/coronavirus/entwicklung-und-zulassung-von-impfstoffen/tab/2/
Zugriff am 19.5.2021

Europäische Kommission: Wie werden Impfstoffe entwickelt, zugelassen und auf den Markt gebracht?
https://ec.europa.eu/info/live-work-travel-eu/coronavirus-response/safe-covid-19-vaccines-europeans/how-are-vaccines-developed-authorised-and-put-market_de
Zugriff am 19.5.2021

Europäisches Impfinformationsportal: Genehmigung von Impfstoffen in der Europäischen Union
https://vaccination-info.eu/de/fakten-zu-impfstoffen/genehmigung-von-impfstoffen-der-europaeischen-union
Zugriff am 19.5.2021

EMA: COVID-19 vaccines: development, evaluation, approval and monitoring
https://www.ema.europa.eu/en/human-regulatory/overview/public-health-threats/coronavirus-disease-covid-19/treatments-vaccines/vaccines-covid-19/covid-19-vaccines-development-evaluation-approval-monitoring
Zugriff am 19.5.2021

Paul-Ehrlich-Institut: FAQ Coronavirus SARS-CoV-2 / COVID-19 
https://www.pei.de/DE/service/faq/faq-coronavirus-inhalt2.html 
Zugriff am 19.5.2021

Verband der forschenden Pharma-Unternehmen: Wie Impfstoffe gegen Covid-19 erprobt werden
https://www.vfa.de/de/arzneimittel-forschung/coronavirus/wie-impfstoffe-gegen-covid-19-erprobt-werden
Zugriff am 19.5.2021

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