Safer Sex – sorgen Sie vor! 

So wichtig ist der Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten

Beine eines Paares unter Bettdecke


Jeder Vierte betroffen

Mehr als eine Million Menschen stecken sich laut aktuellem WHO-Bericht pro Tag mit einer bakteriellen sexuell übertragbaren Krankheit (Sexually Transmitted Disease, STD) an. Jeder Vierte sei inzwischen von der „stillen Epidemie“ betroffen, heißt es seitens der WHO. Was das Problem zusätzlich verschärft: Bestimmte Erreger wie etwa Gonokokken, die Auslöser von Tripper (=Gonorrhö), sind zunehmend resistent gegen Antibiotika. „Man geht davon aus, dass bald kein Antibiotikum mehr gegen Tripper helfen kann“, unterstreicht der Wiener Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten Dr. Johannes Bisschoff. Da sich die Erreger außerdem oft ohne Beschwerden einnisten, wissen viele Betroffene nicht, dass sie andere anstecken können. 

Sorglosigkeit nimmt zu 

Dabei sind viral bedingte STD – zum Beispiel Infektionen mit dem Humanen Immundefizienz-Virus (HIV) oder Humanen Papillom-Viren (HPV) – noch gar nicht eingerechnet.
Das Gute: Eine HIV-Infektion, die letztlich zu AIDS führt, bekommt man heute bei rechtzeitiger Behandlung gut in den Griff. Neben besseren Therapien gibt es eine Vorsorgemöglichkeit durch PrEP: Das Medikament schützt HIV-negative Menschen vor einer HIV-Infektion.
Gegen HPV können sich Mädchen und Buben ab dem vollendeten neunten bis zum zwölften Lebensjahr impfen lassen. „Die Impfung schützt vor Feigwarzen und Gebärmutterhalskrebs“, erklärt Bisschoff.
Die guten Behandlungsmöglichkeiten insbesondere von HIV-Infektionen haben allerdings zu einer gewissen Sorglosigkeit geführt. „Dadurch ist die Infektion weniger gefürchtet und die Menschen sind weniger vorsichtig“, erklärt Bisschoff. „Unsafe Sex“ wird auch durch die Versuchungen durch DatingApps gefördert: Sexuelle Kontakte lassen sich anonym und unkompliziert herstellen. 

Dr. Johannes Bisschoff

Dermatologe und LARA Partnerarzt Dr. Johannes Bisschoff

  • Bakterielle Infektionen

    Die häufigste bakteriell verursachte STD ist laut WHO jene mit Trichomonaden: Es kommt zur Entzündung der Geschlechtsorgane und Harnwege, typische Symptome sind Juckreiz, grünlich-schaumiger Ausfluss, Brennen beim Wasserlassen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Auch eine Infektion mit Chlamydien kann zu Beschwerden wie Ausfluss oder Brennen beim Wasserlassen führen. Tripper, eine Infektion mit Gonokokken, trifft meist die Schleimhäute von Harnwegen und Geschlechtsorganen, mitunter auch die Augenbindehaut. Bei Syphilis dringen die Erreger ebenfalls über die Schleimhaut oder Hautrisse in den Körper ein – es kann zu einem Geschwür, Hautausschlägen oder Fieber kommen. 


Beschwerden rasch abklären lassen 

Bei den genannten Beschwerden sollte man sich rasch ärztlich untersuchen lassen, am besten von einem Facharzt oder einer Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten. Frauen können sich auch an ihren Gynäkologen oder ihre Gynäkologin wenden. Daneben gibt es in einigen Spitälern Ambulanzen, die auf sexuell übertragbare Infektionen spezialisiert sind. „Falls Risikokontakte vorliegen, sollte man sich regelmäßig auch ohne Beschwerden untersuchen lassen – je nach Risikoverhalten alle drei Monaten“, ergänzt Bisschoff. 
Die richtige und rasche Behandlung dient gleichzeitig der Prävention: „Werden Betroffene schnell identifiziert und behandelt, kann die Ansteckung von weiteren Menschen verhindert werden.“
Immer sollte sich auch der Sexualpartner bzw. die Sexualpartnerin untersuchen lassen. „Selbst wenn der andere beschwerdefrei ist, kann es sein, dass er betroffen oder asymptomatischer Überträger der Infektion ist“, gibt der Facharzt zu denken. 

Schwerwiegende Folgen

Auch durch bakteriell verursachte STD drohen schwerwiegende Folgen. Gonokokken beispielsweise können Augen und indirekt die Gelenke befallen. „Sie können eine Art Rheuma auslösen und zur Zerstörung von Gelenken führen“, warnt Bisschoff. Besonders gefährlich wird es, wenn eine Schwangere die Infektion bei der Geburt auf ihr Neugeborenes überträgt. „Der Säugling kann erblinden, wenn die Erreger in die Augen gelangen.“
Eine Infektion mit Chlamydien kann zu unspezifischen chronischen Unterleibsschmerzen führen. Ist der Eileiter verklebt, kann es zu einer Eileiterschwangerschaft zur Folge haben.

Kein 100-prozentiger Schutz 

Wie einer STD vorbeugen? „Leider gibt es keinen zu 100 Prozent sicheren Schutz“, betont der Mediziner. „Sex mit einem Kondom schützt zwar gegen die meisten Erkrankungen. Beim ungeschützten Oralverkehr können trotzdem einige Erkrankungen wie Gonorrhoe, Chlamydien und Syphilis übertragen werden.“ Neuen Erkenntnissen australischer Wissenschaftler zufolge können Gonokokken sogar durch heftige Zungenküsse übertragen werden. 
Manche Maßnahmen stellen definitiv keinen Schutz dar; dazu zählt etwa das Waschen nach dem Sex. „Ebenso wenig schützt das Entfernen des Penis kurz vor der Ejakulation vor sexuell übertragbaren Erkrankungen“, räumt der Mediziner mit einem hartnäckigen Gerücht auf.
Die gute Nachricht: Oft sind die Krankheiten heilbar – eine rasche Diagnose und die richtige Medikation vorausgesetzt. 

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