Im Teamwork zur besseren Koordination

Vater und Sohn fahren gemeinsam Fahrrad.

Begleiten Sie uns doch auf einem kleinen Gedankenexperiment.
Kommt Ihnen diese Situation vielleicht bekannt vor? Sie gehen eilig die Treppen in den Keller hinunter um Ihr Fahrrad zu holen, mit dem Sie eigentlich vorhatten viel öfter zu fahren. Am Weg hinunter übersehen Sie die letzte Stufe. Sie steigen ins Leere und können einen folgenschweren Sturz gerade noch vermeiden. Nun sitzen Sie am Fahrrad und rollen auf eine rote Ampel zu. Sie bremsen vorsichtig und werden langsamer. Zwischen Straßenbahnschienen und Randstein versuchen Sie die Spur zu halten, doch das niedrige Tempo und der schmale Fahrstreifen machen das Halten der Balance schwer. Vorsichtshalber nehmen Sie einen Fuß vom Pedal um sich nicht mit dem Reifen in den Straßenbahnschienen zu verfangen und suchen sicheren Halt am Straßenbelag.

Eine Frage der Geschicklichkeit
So oder so ähnlich könnte es jedem von uns schon ergangen sein. Es sind Situationen, in denen man Geschicklichkeit, oder anders gesagt, eine gute Koordination gebrauchen kann. Um den Sturz von der Kellerstiege zu vermeiden ist ein gutes Zusammenspiel zwischen Gehirn und Muskulatur vonnöten. Um rasch auf den Umstand reagieren zu können, dass die letzte Stufe in den Keller übersehen wurde, braucht es ein gutes Reaktionsvermögen. Nur wer die Situation schnell erfassen kann, hat eine Chance den drohenden Sturz abzuwenden. Das Erfassen alleine ist aber noch zu wenig. Es braucht zusätzlich eine Änderung des aktuellen Handlungsplans um nicht ins Leere zu steigen. Die Muskelspannung wird unmittelbar erhöht um die Gelenke vor dem drohenden Aufprall zu schützen, das freie Bein wird gestreckt um Bodenkontakt herzustellen und die Arme werden angehoben um im Fall eines Sturzes das Gesicht schützen zu können. Wer hier zu langsam ist, liegt sprichwörtlich auf der Nase. Jährlich passieren auf diese Weise über 600.000 Heim-, Freizeit- und Sportunfälle, die eine Behandlung im Krankenhaus nach sich ziehen. (Quelle: KfV, 2014)

Gehirn und Muskeln als Teamplayer
Auch beim Radfahren brauchen wir gute koordinative Fähigkeiten. Vor allem bei niedrigen Geschwindigkeiten fällt es uns schwer das Gleichgewicht und damit die Spur zu halten. Der Grund liegt in der Abstimmung und der Zusammenarbeit unserer Muskeln untereinander und in der Kommunikation zwischen Gehirn und  Muskeln. Hier ist Teamarbeit gefragt. Wer nicht gelernt hat feinfühlig zu korrigieren wählt lieber den sicheren Weg und steigt ab.

Verletzungsfrei durch den Alltag
Koordination ist neben Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit und Schnelligkeit eine motorische Grundfähigkeit, die jeder von uns besitzt und die wir im Rahmen unserer genetischen Voraussetzungen entwickeln und verbessern können. Gerne wird Koordination auch als Geschicklichkeit beschrieben, weil sie neben der Reaktionsfähigkeit auch noch die Orientierungsfähigkeit, die Gleichgewichts- und die Rhythmusfähigkeit umfasst. Eine gute Koordination hilft nicht nur beim Stiegen steigen oder beim Radfahren, sondern auch beim Erlernen neuer Bewegungsmuster und neuer Sportarten. Auch als Verletzungsprophylaxe im fortgeschrittenen Alter ist sie von großer Bedeutung. Eine schlechte Koordination gepaart mit abgeschwächter Muskulatur kann beim Übersehen einer Stufe oder auch beim Begehen eines glatten Untergrunds schnell zum Verletzungsrisiko werden.

Bewegungschancen erkennen und nützen
Zurück zu unserem Gedankenexperiment. In dem Moment, in dem Sie den Fuß vom Pedal genommen haben und vom Fahrrad abgestiegen sind, haben Sie sich selbst um die Chance gebracht, Ihre Balance und damit Ihre Koordinationsfähigkeit zu verbessern. Das nächste Mal versuchen Sie doch etwas länger die Balance zu halten. Die einzige Möglichkeit, die eigene Geschicklichkeit zu verbessern, ist die regelmäßige Konfrontation mit Situationen, die uns ein wenig fordern. Ein gutes Gleichgewicht erlangt nur, wer es immer wieder übt. Genauso wird die Reaktionsgeschwindigkeit nur dann höher, wenn Sie trainiert wird. 

Im Alltag bieten sich unzählige Gelegenheiten dafür:

  • Das Balancieren auf einer Gehsteigkante
  • Das Stehen auf einem Bein mit geschlossenen Augen
  • "Fingerklatschen" mit einem Partner spielen
  • Langsames Radfahren bis hin zum Stehversuch
  • Tanzen
  • Rückwärtsgehen
  • Jonglieren und vieles mehr.

"Versuchen wir doch gemeinsam mehr für unsere Koordination zu tun. Eine gute Koordination hilft nicht nur beim Stiegen steigen oder beim Radfahren, sondern auch beim Erlernen neuer Bewegungsmuster und neuer Sportarten."

Bernie Url
UNIQA VitalCoach