Tanzen: Viel mehr als nur Vergnügen

Sind Sie parkettfähig? Tanzen macht Spaß, verbessert Kondition, Laune, Denkvermögen und nicht zuletzt die Beziehung zu anderen Menschen.

Beine eines Paars tanzend in der Sonne

Zugegeben, dass Tanzen Spaß macht, ist nichts Neues. Dass es schlank macht, ebenfalls. Eine halbe Stunde zeitgenössischer Tanz verbrennt immerhin 534 Kalorien – und damit sogar etwas mehr als Joggen.

Weniger bekannt ist allerdings noch, wie gut Tanzen für unsere Gesundheit ist und unseren kognitiven und sozialen Fähigkeiten ist – auch wenn immer mehr Studien diese Tatsache untermauern.

Komplexe Herausforderungen als Demenzbremse

Dabei liegt es eigentlich auf der Hand: Tanzen stellt für das Gehirn eine komplexe Herausforderung dar. Musik wird in Schritte umgesetzt, der Rhythmus muss synchronisiert werden, dazu gibt es dreidimensionale Bewegungen (Stichwort: Raumorientierung) und zusätzlich Kommunikation mit dem Tanzpartner. Das alles führt dazu, dass sich im Gehirn neue Verbindungen bilden.

Eine Studie der Uniklinik Magdeburg hat die Gehirnleistungen von Menschen (im Durchschnitt 68 Jahre alt) verglichen. Während eine Versuchsgruppe ein Fitnesstraining mit Kraftübungen absolvierte, erhielt die andere Gruppe ein spezielles Tanztraining, bei dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer immer wieder neue Figuren und Schritte lernen mussten. Nach einem halben Jahr wurden die beiden Gruppen verglichen, und es zeigte sich, dass die Tänzerinnen und Tänzer signifikant besser abschnitten, was ihre kognitiven Leistungen – genauer gesagt Wachheit, Aufmerksamkeit und Flexibilität – betraf. Auch hatte sich ihr Gehirnvolumen vergrößert, speziell in jenem Areal, das für das Gedächtnis zuständig ist.

Ein Fakt, der nahelegt, dass durchs Tanzen das Wachstum neuer Nervenzellen angeregt werden kann, was auch das Risiko reduziert, an Demenz zu erkranken.

Tanzen als Stimmungsaufheller

Einen weiteren positiven Effekt bringt die Paartherapeutin Birgit Traxler ins Spiel. Als Assistentin für Ballroom und Social Dancing erlebt sie immer wieder, dass Tanzen glücklich macht; als psychosoziale Beraterin kann sie auch erklären, warum: „An der Körperhaltung einer Person zeigt sich ihr Selbstbewusstsein und ihr Umgang mit Alltagskrisen. Geht es jemandem nicht gut oder ist sein Selbstbewusstsein gering, hängen die Schultern meist nach vorn, die Haltung ist eher gebeugt und der Kopf gesenkt. Wir wissen nun, dass nicht nur die Stimmung die Körperhaltung beeinflusst, sondern dass dieser Effekt auch spiegelgleich funktioniert, also dass die Körperhaltung genauso die Stimmung beeinflussen kann. Beim Tanzen verändert sich unweigerlich die Haltung. Tänzerinnen und Tänzer lernen, eine aufrechte Haltung und vor allem entspannte Gesichts- und Nackenmuskeln einzusetzen, um die fließenden Tanzbewegungen zu initiieren. Zugleich vermitteln diese aufrechte Körperhaltung und ein offenes, positives Gesicht dem Gehirn die Botschaft ‚Es geht mir gut!‘. Das Gehirn schüttet dann entsprechende Botenstoffe aus, und tatsächlich fühlt sich die Person nach kurzer Zeit froher, entspannter und gestärkter.“

Paartherapie auf dem Parkett

Nicht zuletzt beeinflusst Tanzen auch das menschliche Miteinander sehr günstig. So gilt ein Tanzkurs für manchen sogar als „Paartherapie auf dem Parkett.“

Paartherapeutin Traxler: „Sehr oft sehen wir Paare zu Beginn in den Tanzkursen, die miteinander in einen Wettstreit geraten, bei dem einer dem anderen sagen will, wie es denn „richtig geht“, und jeder glaubt, es besser zu wissen als der andere. Aber sobald sich beide auf die klare Rollenverteilung eingelassen haben, sobald ein Partner – meist der Mann – wagt, die dominante Führungsrolle einzunehmen, und der andere Partner – meist die Frau – es genießt, nicht mehr darüber nachzudenken, was als nächstes kommt und sich einfach der Führung hingibt, entsteht eine neue Paarharmonie. Diese verändert wiederum die Dynamik außerhalb des Tanzsaals, wenn beide wieder gleichberechtigt und auf Augenhöhe ihren Aufgaben im Alltag nachkommen.“

Zur Person:

Birgit Traxler, M. Sc. ist Unternehmensberaterin, Dipl. Lebens- und Sozialberaterin, Supervisorin, Mediatorin, Paartherapeutin und seit über 20 Jahren Lehrbeauftragte an verschiedenen Hochschulen und Instituten. Privat tanzt sie leidenschaftlich gern West Coast Swing und ist Mitarbeiterin in der Wiener Tanzschule „Der Tanzbogen“.

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