Nutrazeutika: Das Küchenkastl als Medizinschrank

Unsere Omas haben es immer schon gewusst: „An apple a day keeps the doctor away.“ Mittlerweile bestätigt das auch die WHO – und nennt neben dem Apfel eine ganze Reihe anderer Kochzutaten als Heilpflanzen.

Mann reicht Apfel
(c) Adobe Stock| vvvita

Sogenannte „Nutrazeutika“ sind all jene Lebensmitteln, deren Inhaltsstoffen bei richtigem Einsatz gegen Erkrankungen wirksam werden können. In dem (zugegebener Weise etwas sperrigen) Begriff stecken die Worte „Nutrition“, englisch für „Ernährung“, und Pharmazeutika, also Arzneimittel. Man könnte auch sagen: Wir essen uns damit gesund.

In den USA und im asiatischen Raum ist die medizinische Nutzung von Nahrungsmitteln mittlerweile gut etabliert, Europa ist diesbezüglich zögerlicher, dennoch haben die Pharmazeuten-Gremien der WHO und der ESCOP (Europäische Gesellschaft für Pflanzenheilkunde) einige Lebensmittel bereits auf die Liste der offiziellen Heilmittel gesetzt – dazu zählen etwa Zwiebel, Knoblauch, Leinsamen oder Rettich.

Wichtig ist allerdings nicht nur die richtige Zutat, sondern auch das Wissen um die Verarbeitung. Ohne dieses Wissen ist eine Karotte bloß eine Karotte. Erst in einer Karottensuppe nach Moro wird sie zum Magen-Darm-Kapazunder. 

Apfelessen ist nicht gleich Apfelessen

Karin Buchart ist Ernährungswissenschafterin und fast schon eine lebende Legende, wenn es darum geht, den gesunden Wirkstoffen von Obst, Gemüse, Kräutern & Co auf den Grund zu gehen. Sie sammelt überliefertes Pflanzen-Wissen ebenso akribisch wie aktuelle Erkenntnisse über biochemische Zusammenhänge. „Apfelessen beispielsweise ist nicht gleich Apfelessen“, sagt sie, „Die Wirkung der Inhaltsstoffe ändert sich je nach Verarbeitung. Manchmal muss man den Apfel roh essen, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen, manchmal muss man ihn erhitzen, oder in Essig, Öl oder Schnaps einlegen.“

Denn dadurch verändert sich laut der Expertin die Bioverfügbarkeit. Ein ganzer Apfel, roh gegessen etwa aktiviert den Stoffwechsel und wirkt gegen Verstopfung, wohingegen geriebener Apfel den gengenteiligen Effekt hat und gegen Durchfall hilft. 

Self-Empowerment: Ich helfe mir selbst

Neu ist das nicht. Pflanzenwirkstoffe werden seit Jahrhunderten als natürliche Heilmittel angewandt. Bislang konnte man aber viele der traditionellen Rezepturen nicht belegen. Nun liefern moderne Laboranalysen den Beweis für das Wissen unserer Vorfahren nach. 

Und das hat – insbesondere gegenüber pharmazeutischen Medikamenten – gewisse Vorteile. So zeigen Studien etwa, dass Nutrazeutika, die traditionell eingesetzt werden, Wirkungsgarde von erstaunlichen siebzig bis achtzig Prozent erzielen.

Den Grund dafür glaubt Karin Buchart zu kennen: „Wenn mein Opa und meine Großtante schon Essig-Patscherl gegen Fieber eingesetzt haben, entwickle ich großes Vertrauen und erziele damit hohe Placebo- und Suggestiv-Effekte, die bekanntlich sehr hilfreich sind.“ Letztendlich sei auch der Gedanke und die Überzeugung, selbst gegen seine Beschwerden etwas unternehmen zu können, sehr genesungsfördernd: Das Essigpatscherl wird zum gelebten Self-Empowerment. Und ja, natürlich spielen auch die Wirkstoffe im Essig eine Rolle. Aber eben nicht ausschließlich: Die Kombination macht’s!

Zur Person:

Karin Buchart ist Ernährungswissenschaftlerin im Pinzgau und Gründungsmitglied des Europäischen Institutes für Pflanzenheilkunde.

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