Ich tu mir gut! Mit Achtsamkeit und Genuss zu mehr Lebensqualität

Es braucht keine Auszeit im Wellness-Hotel, kein Day Spa und auch keinen Ausflug ans Meer, um die Seele baumeln zu lassen. Schon wenige Momente, in denen man sich bewusst Gutes tut, können reichen.

Frau genießt Kaffee in der Sonne

Vorfreude ist die schönste Freude – zumindest behauptet das ein Sprichwort. Spricht man jedoch mit consentiv-Chefin Beate Danczul, wird rasch klar: Dieses Sprichwort hätte ein Update dringend nötig!

„Natürlich ist Vorfreude wunderbar. Deshalb planen wir alle so gerne Urlaube“, sagt die diplomierte Lebensberaterin, „aber auch Vorfreude hat ein Limit: Dann nämlich, wenn sie wieder und wieder enttäuscht wird. Es ist wichtig, dass wir darauf vertrauen können, dass das, worauf wir uns freuen, auch wirklich kommt.“ Muss hingegen der Urlaub oder der lang ersehnte Konzertbesuch pandemiebedingt allzu oft verschoben werden, hinterlässt das eine tiefe Irritation – und der Lebensmotor „Vorfreude“ verliert an Zugkraft.

Was da hilft? Ein Perspektivwechsel!

„Wenn ich um diese Jahreszeit normalerweise in Lignano bin oder auf den Malediven, aber jetzt daheimbleiben muss, dann hilft ein Perspektivwechsel dabei, das Schöne am Hier und Jetzt wieder zu entdecken“, empfiehlt Danczul. 

Für mehr Achtsamkeit sollte man sich folgende Fragen stellen:

  • Was gibt es, das ich bewusst genießen kann?
  • Wofür würde ich mir sonst vielleicht gar nicht wirklich die Zeit nehmen?
  • Kann ich den Blumen am Balkon beim Wachsen zuschauen und jeden Moment (neu) wertschätzen?
  • Kann ich meinen Esstisch liebevoll decken? Vielleicht sogar noch schöner und individueller als die vermisste Osteria an der italienischen Strandpromenade?



„Es geht darum, Genussfähigkeit wieder zu erlernen“, sagt Danczul, „Das ist gar nicht so einfach. Der Schlüssel zum Genuss liegt darin, den Fokus auf das zu lenken, was man gerade macht. Wir alle machen ja immer tausend Sachen gleichzeitig. Versuchen wir doch, das, was wir haben, bewusster zu erleben.“ Beim Essen das Essen genießen und nicht gleichzeitig fernzusehen oder Zeitung zu lesen, wäre ein guter Anfang

Genießen statt beurteilen

Wirklicher Genuss bedeutet auch, nicht zu urteilen. Wie viele Kalorien hat diese Crème brûlée? Wie lange muss ich am Laufband schwitzen, um sie wieder abzuarbeiten? Das alles sollte im Augenblick egal sein. Wir müssen nicht immer „brav“ sein, wenn wir uns auf das Schöne einlassen. Und das Schöne – das erleben wir in dem Moment, in dem wir aufhören zu bewerten.  „Statt alles zu bewerten, kann man den Gedanken nähren: Ich bin es mir wert!“, regt die Expertin an. Das ist Lebensqualität.

Das innere Kind hüten

Einen Perspektivwechsel erleben wir auch, wenn wir dem Kind in uns Raum geben. Jeder, der schon einmal an einem Regentag Babysitter gespielt hat, kennt die Situation: Gerade sind alle Pläne für den Nachmittag ins Wasser gefallen – im wahrsten Sinne des Wortes. Da hilft es wenig, sich miesmutig in ein Eck zu verziehen. Eher wird man alles daransetzen, die Situation für sich und das anvertraute Kind trotzdem so lustig, aufregend und spannend wie möglich zu gestalten. „Warum machen wir das nur für Kinder?“, fragt Beate Danczul, „Warum sehen wir nicht auch für uns selber die vielen Optionen, die in einer – nur auf den ersten Blick verfahrenen – Situation stecken?“

Danke sagen

Wer in diese Richtung weiterdenkt, landet ganz schnell beim Thema Dankbarkeit. Klingt banal, hilft aber. – Also: Jeden Tag mit einem guten Gedanken beginnen und beenden. Kleiner Aufwand, große Wirkung.

Danczul: „Am Abend kann ich mir denken: ‚Was ist mir heute besonders gelungen?‘ – und in der Früh denke ich: ‚Danke für diese erholsame Nacht!‘ – oder, wenn ich nicht gut geschlafen habe, ‚Danke, dass ich die Kraft habe, das gut zu nehmen.‘“

Ressourcen-Liste

Eine gute Idee ist, sich Notizen zu machen: Welche Impulse tun mir gut? Denn gerade dann, wenn man es am meisten braucht, fallen einem oft gar nicht so viele unmittelbare Glücksquellen ein. Wer eine Liste hat, kann darauf zugreifen, wenn die Seele einmal dringend Ausstiegshilfe aus einem Negativ-Karussell braucht.

Ein paar Ideen…

  • Meine Musik: Erstellen Sie eine Playlist mit Songs, bei denen Sie nicht stillsitzen können – immer wieder mal hören und am besten lostanzen und Glückshormone aktivieren! (Die Songs dürfen auch kitschig oder peinlich sein – ganz egal, was andere davon halten: Das ist Ihre Musik, Ihr Gefühl und Ihr Moment!)
  • Lieblingsduft: Eine Duftkerze oder ein paar Tropfen ätherisches Öl können schnell und unkompliziert angenehme Gefühle auslösen.
  • Glücks-Memory: Legen Sie in eine Schachtel eine Reihe an Fotos, die an schöne Momente erinnern. Bei schlechter Stimmung: Bild ziehen und in der Erinnerung schwelgen.
  • Anderen Gutes tun: Suchen Sie sich jemanden aus, dem Sie ein ehrlich gemeintes Kompliment machen, rufen Sie eine lange nicht mehr kontaktierte Tante an, lächeln Sie die Menschen an der Straßenbahn-Haltestelle an, …
  • Sich selber überraschen: Brechen Sie ergebnisoffen Ihre Routinen und zahlen Sie damit auf Ihr Mut-Konto ein. Im Kleinen und vielleicht auch etwas Größeren.

Zur Person:

Mag.jur. Beate Danczul ist diplomierte Lebens- und Sozialberaterin, systemischer Coach und CEO von consentiv, der führenden Organisation im Bereich MitarbeiterInnenprogramm und –entwicklung. 

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