Weihnachten: Was, schon morgen?!

Viele Ereignisse sind fix im Jahresablauf verankert, trotzdem werden wir immer wieder von ihnen überrascht und geraten in die Last-Minute-Falle.

Frau vor blauem Hintergrund mit Paketen bis zum Kopf
(c) Adobe Stock | Tierney

Wir wissen es 364 Tage im Voraus: Weihnachten ist am 24. Dezember und die Autobahnvignette gilt ab 1. Februar. Dennoch verzeichnen die Geschäfte den höchsten Umsatz in der letzten Woche vor dem Heiligen Abend und die Trafiken einen Run auf die Vignette am 31. Jänner. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen mit Schulanfang, Umstecken der Winterreifen oder Abgabe der Steuererklärung. Vieles machen wir „auf den letzten Drücker“ und erreichen unser Ziel emotional durchgeschwitzt und mit hängender Zunge. Dabei wüssten wir doch, wie es anders geht. Warum also der Deadline-Stress?

„Das ist sicher von Mensch zu Mensch verschieden, aber wir alle haben einen Hang zur Anstrengungsvermeidung. Jedes Säugetier braucht viel Ruhe, und so verschieben auch wir alles Mögliche, was Anstrengung kostet. Ein weiterer Grund ist, dass wir ‚Verpflichtungen‘ entgehen wollen. Alleine etwas zu ‚müssen, weil es sich gehört‘, kann zu Reaktanzphänomenen führen. Also dazu, dass man Widerstand leistet, indem man etwas nicht macht. So versuchen Menschen, ihren Wunsch nach Freiheit zu erfüllen“, meint Vitalpsychologe Bardia Monshi. Es sei zumindest eine mögliche Erklärung.

Ferne und nahe Zukunft

Genau betrachtet ist es paradox. Die meisten Menschen besitzen Unfall-, Pflege-, oder andere Versicherungen, um sich gegen Unglücksfälle in der (fernen) Zukunft abzusichern, schaffen es allerdings nicht, rechtzeitig Weihnachtsgeschenke zu kaufen oder Winterreifen zu montieren. Bardia Monshi: „Daniel Gilbert, Harvardpsychologe und Glücksforscher, hat herausgefunden, dass wir sehr schlecht darin sind, einzuschätzen, was uns in Zukunft glücklich macht. Eine Woche ist ja noch ein überschaubarer Zeitraum – und Dinge, die wir für eine Lebensspanne planen, die sind richtig groß und wichtig. Wird die Zeitspanne jedoch größer, sagen wir drei Monate, oder das Ereignis weniger bedeutsam (sprich: Autobahnvignette), wird es schon schwieriger. Allerdings kennen wir alle auch sehr gewissenhafte und zukunftsorientierte Menschen, die gerade diese Dinge stets perfekt erfüllen. Vermutlich ist bei diesen auch das Kontrollbedürfnis stärker und sie verfügen über ein stärker ausgeprägtes Absichtsgedächtnis.“

Anders schenken

Für all jene , bei denen knapp vor Weihnachten die Nerven blank liegen, weil sie noch nicht alle Geschenke „beisammenhaben“, hat Bardia Monshi ein paar Tipps parat:

  • In einer konsumverrückten Gesellschaft kann man mit möglichst vielen Menschen vereinbaren, dass man lieber mal während des Jahres Zeit miteinander verbringt, statt krampfhaft „Pflichtgeschenke“ zu verteilen, die man dann selbst wieder weiterschenkt. Das ist auch ökologisch sinnvoll.
  • Machen Sie sich im Laufe des Jahres Notizen, wenn Ihnen beiläufig auffällt, was sich jemand wünscht. Monshi: „Eine Kollegin sprach zum Beispiel von einem vergriffenen Buch, das habe ich im September bereits von einer Buchhändlerin besorgen lassen.“
  • Schließen Sie Geschenkpartnerschaften: Kaufen Sie mit anderen Menschen gemeinsam ein sinnvolles Geschenk statt viele einzelne Verlegenheitsgeschenke.
  • Denken Sie vor allem an die erfreuten Gesichter der Beschenkten - die positive Vision macht das Geschenkesuchen leichter.
  • Verknüpfen Sie es mit einer Einkaufstour für sich selbst. Das eigene erfreute Gesicht darf auch motivieren.


Abschließend fügt der Motivationsexperte noch hinzu: „Es muss aber jeder für sich selbst feststellen, ob ihn das Last-minute-Agieren wirklich stresst oder ob der Kick der Deadline nicht genau richtig für ihn ist. Dann nimmt man am besten die Dinge einfach wie sie sind. Man muss ja nicht alles im Leben perfekt und ordentlich handhaben.“

Zur Person:
Dr. Bardia Monshi ist Psychologe, hypnosystemischer Coach, Speaker und Autor. Im Dezember 2019 erscheint sein neuestes Buch „Positiv Denken allein hilft auch nicht – Mentale Kraft für den Dschungel des Alltags“ (Echomedia Verlag), in dem er gemeinsam mit dem ehemaligen ÖSV Trainer Mathias Berthold mentale Kraftquellen beschreibt. 

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