Der Helfer von Bad Ischl

Viele Menschen engagieren sich ehrenamtlich bei einer Organisation. Aber nur wenige sogar bei zweien. Hannes Stibl ist einer davon. Teil 4 unserer Reihe: Meine Leidenschaft.

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In einem normalen Jahr wäre Hannes Stibl jetzt schwierig zu erreichen, denn zum Zeitpunkt dieses Interviews schreiben wir Ende Dezember und er wäre intensiv mit den Vorbereitungen für den Glöcklerlauf beschäftigt. Die Glöckler sind eine uralte Tradition im Salzkammergut, genauer gesagt in Bad Ischl, wo Hannes Stibl lebt. Sie tragen weiße Gewänder und Glocken sowie hohe, halbtransparente Kappen mit wunderschönen Mustern, in denen Kerzen brennen. Am 5. Jänner gehen sie von Haus zu Haus, um böse Geister zu vertreiben. Doch in diesem Coronajahr ist alles anders, und statt beim Glöcklerlauf mitzuhelfen, wo er zusammen mit seinen Feuerwehrkameraden ein Standl zur Verköstigung betreut, ist Hannes Stibl daheim. Langweilig wird dem 42-Jährigen allerdings sicher nicht: Es bleibt noch genug Beschäftigung mit ehrenamtlichen Tätigkeiten wie der Feuerwehr und dem Rettungsdienst. 

Hannes Stibl ist von Kindesbeinen an helfend für andere tätig. Schon sein Vater war bei der Polizei und er erinnert sich: „Ich war bei ihm auf der Wachstube, als gerade jemand versucht hat, sich die Pulsadern aufzuschneiden. Das habe ich zwar nicht gesehen, aber das viele Blut, und ich bin umgefallen.“ Daraufhin hat er beschlossen, einen Erste-Hilfe-Kurs zu machen. Damals war er 15. 

Einfach helfen

Mit 16 Jahren kam dann die Freiwillige Feuerwehr dazu, und Hannes Stibl war nicht mehr nur Rettungssanitäter, sondern auch Feuerwehrmann in Bad Ischl. 

Was ihn dazu bewogen hat, sich ehrenamtlich zu engagieren? „Jemand anderem zu helfen, das ist irgendwie in mir drin. Da wird nicht gefragt, was es kostet oder was es bringt, sondern man hilft einfach. So wie es auch ist, wenn man einen Alarm hat. Da fragt man nicht, um wen es geht, sondern hilft selbstverständlich. Dazu kommt die super Kameradschaft. In der Feuerwehr kommen ja ganz viele Berufsgruppen zusammen, da gibt es Installateure oder Elektriker, und wenn einer von uns etwas braucht, helfen wir zusammen.“

Durch seine Ausbildung als Rettungssanitäter kann Hannes Stibl auch Hilfe leisten, wenn er als Feuerwehrmann gerufen wird. Doch er winkt ab: „Bei der Feuerwehr gibt es eigene Rettungssanitäter, aber es ist beruhigend, wenn jemand dabei ist, der zusätzlich professionell Erste Hilfe leisten kann, oder ich werde in der Patientenbetreuung eingesetzt, wenn vor Ort Not am Mann ist.“

Teamgedanke auch in der Arbeit

Hat ihn seine Erfahrung aus den ehrenamtlichen Tätigkeiten persönlich geprägt? „Selbstverständlich fließt der Teamgedanke auch in die Arbeit ein. Man setzt sich zusammen, bespricht gemeinsam etwas und hilft einander. Ich arbeite seit 1999 für UNIQA, bin im Außendienst tätig und habe mittlerweile zwei Teampartner.“

hannes stibl rettungswagen

Hannes Stibl

Kurz nach Beginn seiner Tätigkeit für UNIQA erlebte Hannes Stibl eine sehr prägende Situation, in der seine beiden Lebenswelten miteinander in Kontakt kamen. „In dem Haus, in dem unser UNIQA Büro ist, hat eine Frau in einer Wohnung einen Herzstillstand gehabt. Ich habe Wiederbelebungsmaßnahmen gemacht, aber es war schon zu spät. Trotzdem war es ein gutes Gefühl, überhaupt etwas tun zu können und nicht einfach nur hilflos daneben zu stehen.“

Dieses Gefühl, etwas aktiv machen zu können, vermittelt sich nur, wenn man es selbst erlebt. Und daher rät Hannes Stibl allen Interessierten: „Komm vorbei und probier es aus!“ Bei seinen eigenen Söhnen verhält es sich ebenso. Der ältere ist schon in der Jugendfeuerwehr aktiv, der jüngere zwar noch zu jung, aber wartet schon sehnsüchtig auf den Tag, wenn auch er bei Feuerwehr oder Rettung mitmachen kann. Dann wird die nächste Generation aus dem Hause Stibl in die ehrenamtlichen Fußstapfen des Vaters treten.

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