Intervallfasten: Weniger essen, länger leben?

Was man auf den ersten Blick nicht unbedingt in Zusammenhang bringt, wird für die Forschung immer klarer: Intervallfasten kann das Leben verlängern. Einer der führenden Wissenschafter auf diesem Gebiet ist der Molekularbiologe und Buchautor Dr. Slaven Stekovic von der Karl-Franzens-Universität Graz – wir haben ihn zum Interview gebeten.

Essen auf Teller als Uhr ausgelegt
© UNIQA | Melina Kutelas

Diäten wie FdH sind längst bekannt: Was ist beim Intervallfasten anders?

Beim periodischen Fasten wird nicht nur die Kalorienmenge reduziert, sondern für eine bestimmte Zeit komplett auf die Zufuhr von Kalorien in Form von Fett, Kohlehydraten oder Eiweiß verzichtet. Auch wenn wir 24 Stunden ohne Nahrung auskommen können, brauchen unsere Körperzellen dennoch Energie, vor allem unser Gehirn und unser Herz. Daher muss jede Körperzelle beim Fasten einen Weg finden, ihren Energiebedarf zu decken.

Wie geschieht das?

Indem sie auf molekularen Schrott, das heißt geschädigte Zellbestandteile, oder Fette zurückgreift und diese als Nahrung verwendet und verdaut. Ein Prozess, den man Autophagie nennt. 

Das heißt, der Mensch nimmt ab?

Mehr als das. Autophagie wirkt wie ein körpereignes Recycling, ein Selbstreinigungsprozess. Indem alte, geschädigte Zellen vernichtet werden, die möglicherweise Neurodegeneration oder Krebs auslösen können, sinkt das Risiko, daran zu erkranken beziehungsweise kann der Alterungsprozess verlangsamt werden. Fasten wirkt somit wie eine Art Jungbrunnen

Wie lange muss man fasten, damit Autophagie einsetzt?

Diese Frage können wir noch nicht exakt beantworten, denn erst seit kurzem ist es überhaupt möglich, Autophagie beim Menschen zu messen. Man geht davon aus, dass dieser Effekt nach 16 Stunden beginnt und nach 24 Stunden auf jeden Fall aktiv ist. Aber wie stark er ist, hängt auch vom Lebensstil und der Genetik des einzelnen Menschen ab.

Ist Fasten die einzige Möglichkeit, Autophagie anzuregen?

Nein, es gibt eine natürliche Substanz namens Spermidin, die in jeder Körperzelle vorkommt. Durch eine bestimmte Konzentration dieses Stoffes erhält die Zelle das Signal, den Selbstreinigungsprozess zu starten. Spermidin kommt aber auch in vielen Lebensmitteln vor. Zu den wichtigsten zählen Weizenkeime, Erbsen, Birnen, alter Käse, Pilze und Soja. 

Man kann sich also „jung essen“?

Mit zunehmendem Alter sinkt die Spermidin-Menge in den Zellen, und mit einer spermidinreichen Ernährung oder der Einnahme von Spermidin ist es vermutlich tatsächlich möglich, den Alterungsprozess zu verlangsamen. Die Bruneck Studie der Universität Innsbruck hat gezeigt, dass Spermidin besonders positiv auf die Herzmuskelzellen wirkt und das Auftreten von Herz-Kreislauferkrankungen als Todesursachen verringert. Die SmartAge Humanstudie Studie an der Charité in Berlin hat ergeben, dass Spermidin die Gedächtnisleistung von alten Menschen mit Demenzrisiko verbessert. 

Gibt es auch Studien zum Fasten allgemein?

Ja, im Rahmen der InterFAST Studie von Prof. Frank Madeo (Universität Graz) und Prof. Dr. Thomas Pieber (Medizinische Universität Graz), die ich mitbetreut habe, wurden die kurz- und langfristigen Auswirkungen von periodischem Fasten untersucht. Überprüft wurden dabei die Autophagie-Hypothese und die Annahme, dass Fasten positive Effekte auf den gesamten Stoffwechsel und die Gesundheit besitzt.

Und wie lauten die Ergebnisse?

Das darf ich noch nicht sagen, aber die Veröffentlichung ist noch für 2019 geplant.

Zur Person:
Dr. Slaven Stekovic ist Molekularbiologe und Altersforscher. Er war wissenschaftlicher Projektmanager der InterFAST Studie am Institut für molekulare Biowissenschaften an der Karl-Franzens-Universität Graz. Derzeit studiert er an der University of Cambridge. 

Buchtipp

Slaven Stekovic: Der Jungzelleneffekt: Wie wir die Regenerationskraft unseres Organismus aktivieren; Verlag edition a / 2018; ISBN-13: 978-3990012642

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