Haushalt, Kinder, Finanzen: 5 Tipps für eine faire Aufgabenverteilung daheim

Eine harmonische und faire Aufgabenverteilung in einer Partnerschaft ergibt sich nicht von selbst, sie muss immer wieder aufs Neue ausverhandelt werden. Psychotherapeutin und Philosophin Monika Wogrolly erklärt, wie das gelingt.

Familie kuschelt in Bett

„Du rührst keinen Finger daheim.“, „Es sind auch deine Kinder.“, „Du gibst du viel Geld aus.“, auch in den besten Beziehungen und Familien gibt es hin und wieder Streitigkeiten. Das kann an nicht erfüllten Erwartungen liegen. Oder weil sich im Zusammenleben ein Ungleichgewicht eingeschlichen hat, das für Frust und fehlende Wertschätzung sorgt. Wir haben mit Psychotherapeutin Prof. Dr. Monika Wogrolly gesprochen, wie man für Haushalt, Finanzen und Kindererziehung eine faire Aufgabenverteilung finden kann

1. Die richtigen Worte wählen

„Kommunikation ist der Schlüssel zu allem. Es geht darum, dass man nie aufhört, miteinander zu reden – Egal, was kommt“, weiß Wogrolly. Die Expertin rät zu Ich-Botschaften. „Ich fühle mich überfordert/allein gelassen/unfair behandelt“, anstatt das Gegenüber mit: „Du machst XY falsch“ anzuklagen. „Das Anliegen soll als gemeinsames Projekt formuliert werden. Etwas, das eine Optimierung und eine Verbesserung der Lebensqualität für alle bringt.“ Und: „Man soll seine Worte immer wertschätzend wählen. Dabei kann man sich fragen: Wie würde ich denn mit guten Freunden das Thema klären? Bei Freunden ist man in der Regel achtsamer im Ton als beim Partner/der Partnerin.“

2. Den optimalen Gesprächsort finden

Wichtiges zwischen Tür und Angel besprechen? Kurz vor dem Schlafengehen eine Lösung einfordern? Keine gute Idee. Wogrolly rät, den Partner zu einem Spaziergang in der Natur einzuladen. „Im Gehen kann man besser denken, die Durchblutung wird gefördert. Schon die alten Philosophen haben ihre besten Ideen beim Wandeln durch die Säulenhallen kreiert“, empfiehlt die Expertin.

Dem anderen schriftliche „ab jetzt machst du das bitte so“-Regeln zu präsentieren, hält sie für wenig hilfreich: „Das stößt meistens auf Widerstand, weil sich der andere dann zum Kind gemacht und belehrt fühlt. Wer etwas verändern möchte, muss auf Augenhöhe und einfühlsam handeln.“ Wir sind Erwachsene und reden gemeinsam über unsere Probleme.

3. Neue Haushalts-Regeln gemeinsam aufstellen

Wer eine Neuverteilung der Aufgaben anstrebt, kann z.B. folgende Fragen besprechen:

  • Wie definieren wir jeweils einen gut funktionierenden Haushalt?
  • Wie ordentlich, organisiert und sauber muss es bei uns sein, damit jeder sich wohl fühlt?
  • Wer kann was, wann machen, unter Berücksichtigung der jeweiligen Terminkalender
  • Welche Aufgaben erledige ich gerne, welche entsprechen eher den Fähigkeiten und Neigungen des anderen?

Mit diesen Infos kann ein gemeinsamer Plan erstellt werden und die Arbeiten fair aufgeteilt werden. Unbeliebte Aufgaben können auch abgewechselt werden, dass sie nicht nur bei einer Person hängen bleiben.

4. Die Finanzen klären

Einnahmen, Ausgaben, Schulden – beide Partner sollten über die finanzielle Situation des anderen und die gemeinsamen Lebenskosten Bescheid wissen. Dabei ist auch wichtig zu klären: Was wünsche ich mir? Welche materiellen Dinge halte ich für unbedingt erforderlich? Was wiederum ist für den anderen unverzichtbar?

Die Expertin rät weiter: „Es ist wichtig, dass niemand die gesamte Finanz-Kontrolle hat. Idealerweise hat jeder sein eigenes Konto. Obendrein gibt es noch ein gemeinsames Haushalts- oder Familienkonto, in das eingezahlt werden kann.“ Dabei sollten auch unbezahlte Leistungen wie Putzen, Kochen, Wäschewaschen und die Kinderbetreuung mit einem Geldbetrag bewertet werden. Was wäre der Stundensatz in Euro, würde man jemanden dafür anstellen? Was spart man durch geleistete Arbeit an Ausgaben? Wie könnte das ausgeglichen werden? Zahlt diese Person weniger auf das gemeinsame Konto ein oder übernimmt die andere Person dafür die Kosten für den nächsten Familienurlaub? All diese Faktoren gehören gemeinsam besprochen, damit sich niemand ungerecht behandelt fühlt

5. Die Kindererziehung fair teilen

Das Kind will immer nur die Mama? Der andere verbringt zu wenig Zeit mit dem Nachwuchs und baut keine richtige Nähe auf? „Eine Beziehung ist wie ein Garten. Man muss sie hegen und pflegen“, sagt Wogrolly. „Für Väter bzw. Partner sind die Kinder mitunter fast fremd, weil Kinder durch traditionelle Rollenbilder und durch das Stillen und Nähren in den ersten Lebensmonaten oft eine intensivere Bindung zur Mutter entwickeln. Deshalb sollten Partner vom ersten Moment an ins Kuscheln, Wickeln und Spielen eingebunden werden.“

Entwickelt sich ein Ungleichgewicht, ist Selbstanalyse gefragt: „Oft hört man: Ach, eigentlich ist es mir lieber, ich mach es selbst, weil er/sie es eh nicht richtig machen würde.“ Wogrolly weiter: „Auch wenn eine andere Person etwas anders macht, bedeutet das nicht gleichzeitig, dass es besser oder schlechter gemacht wird – nur anders. Ein erster Schritt zum Loszulassen ist, gewisse Rituale – etwa die Gutenachtgeschichte – eine Zeit lang gemeinsam zu machen. Es kann z.B. die Mutter anwesend sein, während der Vater vorliest. Sie kommentiert nicht, sie greift nicht ein. Sie entfernt sich aber in den kommenden Tagen langsam. So wächst die Vertrauensbasis zwischen dem Kind und dem bisher weniger präsenten Elternteil – und das wiederum verschafft dem anderen mehr Freiheiten.“

Zur Person:

Prof. Dr. Monika Wogrolly ist Philosophin und Psychotherapeutin für Systemische Familientherapie mit eigener Praxis in Wien und in Graz. Sie ist auch Autorin des Ratgebers „Die Beziehungsformel: Endlich glücklich lieben“ (Carl Ueberreuter Verlag).

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