Sport nach COVID-19 – was gilt es zu beachten?

Wie bald kann man nach einer überstandenen COVID-19-Erkrankung wieder wie oft und wie intensiv trainieren?

Mann beim Radsport

Regelmäßiges körperliches Training in einer mehr oder weniger intensiven und wettbewerbsorientierten Form ist für viele Menschen im Alltag wichtig. Auch aus ärztlicher Sicht ist ein möglichst aktiver Lebensstil wünschenswert – 150 Minuten moderate Anstrengung oder 75 Minuten forcierte Anstrengung empfehlen die meisten nationalen und internationalen Expertinnen und Experten als Wochenpensum. Was aber, wenn eine COVID-19-Erkrankung durchgemacht wurde? Wie bald kann wieder wie oft und wie intensiv trainiert werden?

Individuelle Unterschiede

Das hängt natürlich davon ab, wie schwer der Betroffene erkrankt war und ob es Vorerkrankungen im Herz-Kreislaufbereich oder in den Atemwegen gibt. Abgesehen von diesen Faktoren bestehen individuell zum Teil erhebliche Unterschiede in der Regenerationsfähigkeit. Und als wären das noch nicht genug Spaßbremsen, ist auch die Datenlage sozusagen erst im Werden, was die Validität der Empfehlungen doch einigermaßen einschränkt.

Das Folgende dient also nur als grobe Orientierung und ist – wie es so schön heißt – kein Ersatz für den Besuch beim Arzt oder der Ärztin. Auch ist bei den Empfehlungen zu unterscheiden, ob die Betroffenen einen milden oder moderaten bis schweren Verlauf von COVID-19 hatten. Leichtes Fieber, leichte Müdigkeit, Husten und Heiserkeit, Magen-Darmprobleme sowie die typischen Geschmacks- und Geruchsstörungen kennzeichnen einen „leichten“ Verlauf. Von einem „moderaten bis schweren“ Verlauf hingegen spricht man bei anhaltendem Fieber über 38 Grad Celsius, anhaltender Müdigkeit („Fatigue“), Atemnot und Zeichen einer Lungenentzündung im Thoraxröntgen.


Myokarditis oft unerkannt

Ein Konsensus Statement der EFSMA (Vereinigung der europäischen Gesellschaften für Sportmedizin) von Juli 2020 empfiehlt ebenso wie andere Statements von Expertinnen und Experten auch bei leichtem Verlauf eine Untersuchung durch einen Sportmediziner oder eine Sportmedizinerin, bevor es losgeht. Bei moderatem bis schwerem Verlauf sowie bei Betroffenen mit kardiopulmonaler Grunderkrankung sollten weiterführende Untersuchungen, zum Beispiel ein Herzultraschall, ein EKG und eine Laboruntersuchung, durchgeführt werden. Damit soll vor allem eine Myokarditis (Entzündung des Herzmuskels) als Folge von COVID-19 erkannt werden. Eine Myokarditis verläuft in vielen Fällen unentdeckt – weil symptomarm – und kann bei Überanstrengung zum plötzlichen Herztod führen.

Unstrittig ist, dass sportliche Betätigungen für COVID-Patientinnen und Patienten mit anhaltendem Fieber, Atemnot bereits in Ruhe, Husten, Brustschmerzen oder Herzstolpern nicht in Frage kommen. Jeder Patient und jede Patientin mit einer vorbestehenden Herz- oder Lungenerkrankung sollte vor Aufnahme des Trainings einen Arzt oder eine Ärztin konsultieren, auch wenn er oder sie symptomfrei ist. Treten im Zuge des Trainings Brustschmerzen, Fieber, Herzstolpern oder Atemnot auf, sollte unverzüglich ein Arzt bzw. eine Ärztin aufgesucht werden.


Zurück zum Spiel

Hier eine Zusammenfassung der Empfehlungen, die ein Team des Scotland Institute of Sport im British Journal of Sports Medicine veröffentlicht hat: Ein „Return to Play“, also die Wiederaufnahme sportlicher Betätigungen, die mit körperlicher Belastung einhergehen, sollte frühestens zehn Tage nach Einsetzen der Beschwerden erfolgen. Weiters sollte dies auch nur dann geschehen, wenn die betroffene Person mindestens seit sieben Tagen symptomfrei war und keine symptomatische Therapie, wie Paracetamol oder Ibuprofen, mehr benötigt. 

Dabei sollte die Belastung ausgehend von leichten Aktivitäten, wie Spazierengehen oder Jogging, langsam gesteigert werden. Zunächst – so die Empfehlung der Sportmedizinerinnen und Sportmediziner – sollte die Frequenz des Trainings erhöht werden, dann die Dauer der Trainingseinheiten und zuletzt deren Intensität. Der Trainingspuls sollte an den ersten beiden Tagen unter 70 % der maximalen Herzfrequenz liegen. In den folgenden vier Tagen sollte dieser Wert unter 80 % sein. Am siebten Tag schließlich sollte wieder eine normale Trainingsaktivität möglich sein.


Quellen: 

Salman D, Vishnubala D, Le Feuvre P, Beaney T, Korgaonkar J, Majeed A, McGregor AH. Returning to physical activity after covid-19. BMJ. 2021 Jan 8;372:m4721. doi: 10.1136/bmj.m4721. PMID: 33419740.
https://www.bmj.com/content/372/bmj.m4721.long

Metzl JD, McElheny K, Robinson JN, Scott DA, Sutton KM, Toresdahl BG. Considerations for Return to Exercise Following Mild-to-Moderate COVID-19 in the Recreational Athlete. HSS J. 2020 Aug 10;16(Suppl 1):1-6. doi: 10.1007/s11420-020-09777-1. Epub ahead of print. PMID: 32837412; PMCID: PMC7416806.
https://www.researchgate.net/publication/343564008_Considerations_for_Return_to_Exercise_Following_Mild-to-Moderate_COVID-19_in_the_Recreational_Athlete

Verwoert GC, de Vries ST, Bijsterveld N, Willems AR, Vd Borgh R, Jongman JK, Kemps HMC, Snoek JA, Rienks R, Jorstad HT. Return to sports after COVID-19: a position paper from the Dutch Sports Cardiology Section of the Netherlands Society of Cardiology. Neth Heart J. 2020 Jul;28(7-8):391-395. doi: 10.1007/s12471-020-01469-z. PMID: 32662058; PMCID: PMC7357275.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7357275/

Elliott N, Martin R, Heron N, et al. Infographic. Graduated return to play guidance following COVID-19 infection. British Journal of Sports Medicine 2020;54:1174-1175.
http://dx.doi.org/10.1136/bjsports-2020-102637

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