Wie sicher oder unsicher sind COVID-19-Vakzine?

Mögliche Nebenwirkungen sind entweder häufig und harmlos oder ernsthaft aber extrem selten.

Arzt beim Telefonieren

Was die negativen Folgen oder Effekte einer Impfung gegen das SARS-Covid-2-Virus betrifft, so verfügen wir mittlerweile über einen wirklich beeindruckenden Datenpool. Zahlreiche Studien haben untersucht, wie häufig es zu Impfreaktionen und Nebenwirkungen in der unmittelbaren Zeit nach der Impfung kommt, aber auch, wie das mittel- bis längerfristige Sicherheitsprofil der verschiedenen Vakzine aussieht. Hier ein Überblick:

Kopfschmerzen, Müdigkeit, Gliederschmerzen – wirklich häufige, aber harmlose Impfreaktionen

Wenn wir uns vor Augen führen, dass die Impfung dem Körper eine Infektion vorgaukelt, so ist es nicht verwunderlich, dass sich die Zeit nach dem Stich für viele Menschen anfühlt, als wären sie tatsächlich krank. In den meisten Fällen sind die Beschwerden mild bis moderat ausgeprägt und meist bestehen sie nur in den ersten zwei Tagen. Zu den beiden mRNA-Impfstoffen liegen uns sehr ausführliche Daten zu den einzelnen Symptomen vor. Nach der ersten Impfung treten Müdigkeit, Kopfweh und Muskelschmerzen innerhalb der ersten zwei  Tage jeweils bei etwa 30% der Personen auf und zwar gilt das für beide Impfstoffe. Nach der zweiten Impfung hatten schließlich deutlich mehr Personen mit grippeähnlichen Symptomen zu kämpfen. Es waren etwa 40% beim Impfstoff von BioNTech/Pfizer und 50-60% bei jenem von Moderna.

Die bisher genannten Zahlen wurden bei Personen über 16 Jahren erhoben, Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 15 Jahren litten beim zweiten Stich mit dem BioNTech/Pfizer-Impfstoff zu mehr als 60% unter Müdigkeit und Kopfweh – sie waren also häufiger betroffen als ältere Personen. Apropos ältere Personen: bei den Über-Fünfundsechzigjährigen traten die oben angeführten Beschwerden seltener auf und waren in der Regel auch wenig stark ausgeprägt.

Beim Impfstoff von Janssen (bzw. dem Mutterkonzern Johnson & Johnson) kam es nach der Impfung in 76% der Fälle zu systemischen Reaktionen, also Müdigkeit und Kopfweh und manchmal auch mit Angst verbundenes Herzrasen und Hyperventilation.

Was den Impfstoff von AstraZeneca betrifft, so traten Müdigkeit, Kopfweh und Fieber „häufig“ auf, bei bis zu 8% der Geimpften waren die Beschwerden sogar stark ausgeprägt.

Herzmuskel- und Herzbeutelentzündung

Diese beiden ernstzunehmenden Erkrankungen, also die Myokarditis (Herzmuskelentzündung) und die Perikarditis (Herzbeutelentzündung), wurden häufiger als üblich nach erfolgter Impfung mit einem der beiden mRNA-Impfstoffe beobachtet und zwar vor allem bei Männern in der Adoleszenz und im Erwachsenenalter. Die Impfstoffe von Janssen und AstraZeneca waren diesbezüglich nicht auffällig. Es ist wichtig, sich vor Augen zu führen, dass „häufiger“ nicht „häufig“ bedeutet. Die absolute Rate an Myokarditis und Perikarditis lag nach der zweiten Impfung mit einem mRNA-Impfstoff bei 41 Fällen von 1 Million Geimpften. Bei Frauen im gleichen Alter lag dieser Wert bei 4,2 von 1 Million. In allen Studien wird jedenfalls betont, dass die Erkrankung in den meisten Fällen einen milden Verlauf zeigt, also mit wenig Symptomen und wenig Behandlungsbedarf einhergeht und dass der erwartbare Nutzen der Impfung das Risiko in diesem Fall deutlich übertrifft. Dennoch wird empfohlen, dass vor allem junge Erwachsene mit Brustschmerzen, Kurzatmigkeit und Herzstolpern in jedem Fall eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen sollten.

Thrombose und Thrombopenie

Die Impfstoffe von Janssen (bzw. Johnson & Johnson) und AstraZeneca waren mit einem – extrem niedrigen – Risiko für Thrombosen mit einer Thrombopenie (also zu wenig Blutplättchen) assoziiert. Bei den beiden mRNA-Impfstoffen war dies nicht der Fall. Die Thrombosen traten an ungewöhnlicher Stelle auf, etwa in den Gehirnvenen oder den Darmvenen und sie wurden häufig an mehreren Stellen festgestellt, was ebenfalls ungewöhnlich ist. Meist traten diese Ereignisse innerhalb der ersten beiden Wochen nach der Injektion auf (bei AstraZeneca vor allem nach dem ersten Stich) und zwar vorwiegend bei Frauen unter 60 Jahren. Insgesamt lag die Thrombose-Häufigkeit bei 3 Fällen von 1 Million Geimpften, wenn man sich nur die Zahlen der Frauen ansieht, sind es 8,8 Fälle von 1 Million. Auch hier betonen Expertinnen, Experten und Gesundheitsbehörden, dass der Nutzen der Impfung das Risiko für solche seltenen Ereignisse bei weitem überwiegt. Nichtdestotrotz sollten Personen, die vor allem in den ersten zwei Wochen nach der Injektion mit einem der beiden Vakzine über starke Kopfschmerzen oder über eines der folgenden Symptome klagen, zügig einen Arzt bzw. eine Ärztin aufsuchen: Kurzatmigkeit, Brustschmerzen, Schwellungen der unteren Extremitäten, anhaltende starke Bauchschmerzen, starke Rückenschmerzen, epileptische Anfälle, neurologische Ausfälle oder Zeichen einer erhöhten Blutungsneigung, wie blaue Flecken oder punktförmige Einblutungen in die Haut (Petechien). All diese Symptome sind natürlich ganz generell dringende Gründe für eine ärztliche Konsultation.

Störungen des Menstruationszyklus

Erhöhter Stress, Gewichtsveränderungen, hartes körperliches Training oder wesentliche Änderungen des Lebensstils können den Menstruationszyklus beeinflussen. Natürlich hat die Pandemie solche Einflüsse zum Teil gefördert.  Nun wurde immer wieder von Frauen berichtet, die nach Erhalt einer COVID-19-Impfung solche Veränderungen ihres Zyklus beobachtet haben. Seriöse Studien, die dieses Phänomen untersuchen, laufen jetzt erst an. Die NIH, die US-amerikanischen National Institutes of Health, fördern zum Beispiel die Durchführung entsprechender Forschungsprojekte an gleich fünf angesehenen Universitäten, wie der Harvard Medical School oder der Johns Hopkins University. Die ersten Ergebnisse werden in Kürze erwartet.

Und sonst?

Vier Nebenwirkungen beziehungsweise Komplikationen seien noch kurz erwähnt: Ja, die meisten Personen haben vor allem am zweiten Tag nach der Impfung eine Schwellung und Schmerzen im Bereich der Einstichstelle. Ja, allergische Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock treten extrem selten auf (dennoch ist eine 15-30 minütige Beobachtungszeit zu empfehlen). Ja, eine potentielle Assoziation der Impfung mit einem Vakzin von Janssen/J&J oder AstraZeneca und dem so genannten Guillain-Barre-Syndrom wird derzeit untersucht. Dabei handelt es sich um eine seltene Autoimmunerkrankung, bei der Antikörper gegen die Hüllen der Nervenzellen gebildet werden, was zu schwerwiegenden neurologischen Symptomen führt. Sowohl die US-amerikanischen als auch die europäischen Gesundheitsbehörden bekräftigen auch in diesem Fall, dass der Nutzen der Impfung das Risiko bei weitem übertrifft. Finally: Nein, seriöse Daten, die auf eine Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit nach der Impfung mit einem nRNA-Impfstoff hinweisen, gibt es nicht.

Quellen:

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