Coronavirus – gekommen, um zu bleiben? 

Lockdown für Lockdown nimmt der Grad der Erschöpfung der Menschen zu. Die Hoffnung auf eine „Rückkehr zur Normalität“ entpuppt sich in vielerlei Hinsicht als Illusion. Von einer neuen Form der Normalität ist jetzt immer öfter die Rede. Wie diese aussehen wird, wissen weder die klügsten Immunologen noch die schlauesten Zukunftsforscher. Immerhin können uns Erstere mit verschiedenen Szenarien und Zweitere mit einem bunten Strauß von Prognosen und Visionen versorgen.

Frau hält Mund-Nasen-Schutz aus dem Auto

Drei mögliche Szenarien für die Corona-Zukunft

Epidemiologen und Immunologen haben verschiedene Modelle zum weiteren Pandemieverlauf entwickelt. Das „Was-wäre-wenn-Spiel“ der COVID-19-Pandemie hat im Wesentlichen drei Parameter, von denen abhängt, wie lange und wie sehr wir noch in den Seilen hängen. Das sind die Immunantwort auf Infektion oder Impfung, die Durchimpfung der Bevölkerung sowie die Mutationsfähigkeit des Virus. Nur einer der drei Paramater lässt sich direkt beeinflussen.

Parameter Durchimpfungsrate

Wenn wir davon ausgehen, dass die meisten Länder die Verteilung ausreichender Impfstoffdosen in überschaubarer Zeit in den Griff bekommen, bleibt die mangelnde Impfbereitschaft in der Bevölkerung als limitierender Faktor. Wie sehr dieser Faktor ins Gewicht fällt, hängt von seinem Ausmaß und von den anderen beiden Parametern des Pandemie-Algorithmus ab.

Parameter Immunität

Die Immunität hat aus Sicht eines Betroffenen drei Dimensionen: die Empfänglichkeit für eine Ansteckung, die Infektiösität, also wie ansteckend jemand ist, sowie die Erkrankungsschwere, also wie stark die Symptome bei einer (neuerlichen) Infektion sind.

Von den bisher verfügbaren Impfungen und von Untersuchungen bei Menschen, die bereits einmal erkrankt oder infiziert waren, wissen wir, dass das Vorhandensein von Antikörpern, die Ansteckungsgefahr, aber auch die Schwere einer Erkrankung nach Ansteckung wahrscheinlich deutlich reduziert. 

Zum Einfluss einer durchgemachten Erkrankung oder Impfung auf die Infektiösität gibt es vergleichsweise noch wenige Daten. Es sieht aber so aus, als würde auch hier der wünschenswerte Effekt in relevantem Ausmaß eintreten. 

Entscheidend ist nun vor allem, ob – und falls ja, wie rasch eine einmal aufgebaute Immunität wieder abnimmt. Aktuelle Studien zeigen, dass die Level an neutralisierenden Antikörpern, die bei der Verhinderung einer (neuerlichen) Infektion eine wichtige Rolle spielen, nach etwa sechs bis acht Wochen wieder zurückgehen.

Doch unserem Immunsystem stehen weitere Instrumente zur Verfügung: Memory-B-Zellen sind in der Lage, bei Bedarf sehr rasch neue Antikörper zu produzieren, sowie T-Zellen, die direkt infizierte Zellen beseitigen. 

Parameter Mutationen

Die Mutationsfähigkeit oder Mutationsrate des Virus ist zweifelsfrei gegeben, wenngleich nicht in einem Ausmaß wie bei der saisonalen Grippe. Auch ist unser Organismus nicht gänzlich unvorbereitet, wenn er zum zweiten Mal, dann in der mutierten Form, mit dem Coronavirus konfrontiert ist.

„Unser Immunsystem hat einige Tricks im Ärmel und kann auf viele Strukturen des Virus reagieren, nicht nur auf das Spike-Protein“, betont Jennie Lavine, Infektiologin an der Emory Universität in Atlanta, Georgia, in einem Interview mit der Fachzeitschrift Nature. Dennoch sind die Impfstoffhersteller gefordert, ihre Produkte den jeweiligen Mutationen laufend anzupassen.

Ausrottung unwahrscheinlich

Aufgrund der drei Parameter – Immunität, Mutationsfähigkeit und Durchimpfung – und weiterer Faktoren, wie dem möglichen Befall von Tieren als Zwischenwirt, gibt es drei mögliche Hauptszenarien

Im nicht sehr wahrscheinlichen Idealfall – Szenario 1 – gelingt, wie bei den Pocken, eine weitgehende Ausrottung des Virus. Dazu braucht es eine lebenslange Immunität, ausgelöst entweder durch eine leicht verlaufende Erkrankung im Kindesalter oder durch die Impfung sowie einen Erreger, der kaum bis gar nicht in der Lage ist zu mutieren. Mit beidem ist im Fall von COVID-19 nicht zu rechnen.

Ebenfalls nicht sehr wahrscheinlich ist das (Worst Case)-Szenario 2: In diesem setzt sich die Pandemie die nächsten Jahre fort – mit immer wieder steigenden Infektionszahlen und stark be- bzw. überlasteten Gesundheitssystemen.

Aus Pandemie wird Endemie

Von den meisten Expertinnen und Experten am wahrscheinlichsten eingestuft ist Szenario 3: Aus der globalen Pandemie mit steigenden Infektionszahlen wird eine Endemie. Bei einer solchen kommt es immer wieder in bestimmten Gebieten der Erde zu einem Aufflackern der Infektionszahlen, im Großen und Ganzen ist die Situation stabil.
 
Ähnlich wie bei den meisten (z. T. durch andere Coronaviren ausgelösten) banalen Erkältungskrankheiten, erwerben die meisten Menschen in diesem Szenario bereits in ihrer Kindheit durch eine meist harmlos verlaufende Erkrankung eine Immunität oder bauen diese als Folge einer Impfung auf. 

Auch wenn es im Laufe der Jahre zu einem Rückgang der Immunität kommt, die Dimension der Immunität also nicht so deutlich ausgeprägt ist, verläuft eine erneute Infektion milde. Das Immunsystem schützt also nicht vor Ansteckung, aber vor schweren Verläufen.

Die Kombination von jährlichen Impfungen mit erworbener Immunität bei einem weiteren Teil der Bevölkerung, könnte dann zu einem vorübergehenden saisonalen Anstieg von Infektionen führen. 

Maske, Abstand, Durchimpfung

Ein Modell von Alexandra Hogan und Kolleginnen am Imperial College in London besagt: Bei einer Impfung, die eine Übertragung zu 90 Prozent verhindert, müssen mindestens 55 Prozent der Bevölkerung geimpft sein, damit in Kombination mit Social Distancing-Maßnahmen die Virusausbreitung kontrolliert werden kann. 

Werden alle diese Maßnahmen aufgehoben, steigt der notwendige Grad der Durchimpfung auf 67 Prozent.  Demnach haben wir es weitgehend in der Hand, in den nächsten ein bis zwei Jahren für eine ausreichende Durchimpfung zu sorgen, um eine Art Herdenimmunität zu erreichen bzw. die Schwere der Krankheitsverläufe drastisch zu senken! Die Zeit dafür gewinnen wir durch das Einhalten der Social Distancing-Maßnahmen.

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