Coronavirus und die Welt nach der Pandemie

„Ich will einfach, dass alles wieder so ist wie vorher“, ist ein häufig von Menschen in der Krise gedachter oder gesagter Satz, obwohl im Grunde jeder von uns weiß, dass das unmöglich ist. Mit der aktuellen COVID-19-Krise wird es nicht anders sein, da können noch so wirksame Impfungen nichts daran ändern.

Hände umfassen Globus

Während uns HIV gelehrt hat, dass Sexualität gefährlich ist, hat SARS-CoV-2 aus sozialen Kontakten einen potentiellen Risikofaktor gemacht. Das wird unser Leben nachhaltig beeinflussen. Wie das Beratungsunternehmen McKinsey in seinem im Februar 2021 erschienenen Report „The Future of Work after Covid-19“ prognostiziert, wird das Kriterium „körperliche Nähe“ bei künftigen Entwicklungen des Arbeitsmarktes eine große Rolle spielen.


Coronavirus prägt die Arbeitswelt nachhaltig

Bereiche mit einem höheren Level an körperlicher Nähe werden nach Ansicht von McKinsey nach der Pandemie eine deutlichere Transformation durchmachen. Automatisierung und Künstliche Intelligenz werden in diese Branchen noch rascher einziehen als vor der Pandemie. In Handel und Gastgewerbe und in Bürojobs mit geringerer Qualifikation werden die meisten Jobs verlorengehen. Der Trend zum Homeoffice mit dem massiven Rückgang von genutzten Büroflächen spielt dabei eine wesentliche Rolle. Zwar entstehen aufgrund des nun noch schneller wachsenden E-Commerce neue Jobs im Bereich von Logistik und Lagerung, aber diese werden den Verlust an Arbeitsplätzen in körpernahen Branchen nur zu einem kleinen Teil ausgleichen, so McKinsey.

Vor der Pandemie sind vor allem Berufe im mittleren Einkommensbereich, in Produktion und Administration, verlorengegangen. In einer Post-COVID-Welt werden auch die am schlechtesten bezahlten Jobs zurückgehen und nur Berufe in den höheren Einkommens-Segmenten werden wachsen. Es wird wohl massiver Investitionen in Aus- und Weiterbildung bedürfen, um diesem Shift am Arbeitsmarkt gerecht zu werden. 


Pandemiekrise als Wendepunkt?

Adil Najam, Dekan der Frederick S. Pardee School of Global Studies an der Boston University, hat mit 99 führenden Denkern unserer Zeit darüber gesprochen, wie eine Welt nach COVID-19 aussehen könnte und zahlreiche erwartbare, aber auch viele überraschende Antworten bekommen.

Der Harvard-Ökonom Dani Rorik ist zum Beispiel der Ansicht, dass die Pandemie den ohnehin bereits bestehenden Trend zum Rückzug aus der Hyperglobalisierung beschleunigen wird.

Francis Fukuyma, Stanford Politikexperte („Das Ende der Geschichte“) stellt einfach nur fest, dass es wohl noch nie in der Moderne eine Phase mit einem so hohen Grad an Ungewissheit gegeben hat.

„Wir werden Roboter in allen Bereichen unseres Lebens haben“, meint Robin Murphy, Professor für Ingenieurswissenschaften an der Texas A&M Universität.

Der Umweltexperte Bill McKibben sieht in der Pandemie einen Weckruf für die Menschen, die nun sehen, dass Krisen in einem weltweiten Ausmaß möglich, aber hoffentlich beherrschbar sind. 

Der einflussreiche Intellektuelle Noam Chomsky meint, wir sollten diese Krise und die Frage, welche Welt aus der Pandemie hervorgeht zum Anlass nehmen, uns zu fragen, in was für einer Welt wir leben möchten.

Achim Steiner, verantwortlich für das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen, wundert sich angesichts der unglaublichen Beträge, die für die Bekämpfung der Pandemie mobilisiert werden, über den Geiz der Weltgemeinschaft hinsichtlich der wesentlich kleineren Beträge, derer es bedürfte, um die Klimakrise zu bekämpfen.

Vielleicht ist das ja die wichtigste Lektion, die uns das Virus lehrt: Dass wir Krisen bewältigen können, wenn wir nur wirklich verstehen, dass es zum Handeln keine Alternative gibt.

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