Corona-Antikörpertests – wie aussagekräftig sind sie?

Was zeigen Coronavirus-Antikörpertests, was mit Antigen- und PCR-Tests nicht herausgefunden werden kann?

Bild Coronavirus

Immunreaktion auf Infektion

  • Antikörper werden vom Immunsystem als Reaktion auf die Infektion mit einem Virus gebildet. Da diese Reaktion ein bisschen Zeit benötigt, sind Antikörpertests nicht wirklich geeignet, um in einer Akutsituation herauszufinden, ob jemand an COVID-19 erkrankt ist.

    In diesen Fällen macht die Bestimmung der Antikörper Sinn:

    • Um Patienten zu identifizieren, die vor Kurzem eine SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht haben sowie jene, die infiziert sind und seit drei bis vier Wochen Beschwerden haben.
    • Bei einer schon Wochen zurückliegenden unklaren Infektion (die z. B. nicht mittels PCR-Test bewiesen war) kann die Bestimmung der Antikörper die Corona-Infektion bestätigen.
    • Als Nachweis einer stummen (d. h. nicht erkannten) Infektion in den letzten Monaten.
    • Bei Kindern mit Verdacht auf das (seltene) MIS-C (Multisystem Inflammatory Syndrome in Children) werden die COVID-Antikörper im Rahmen der diagnostischen Abklärung bestimmt.
    • Die Antikörperbestimmung kann auch gesundheitspolitisch interessant sein, um festzustellen, wie viele Menschen in einer Region bereits erkrankt / genesen sind.


    Nachweis abhängig vom Testverfahren

Wie lange es dauert, bis Antikörper nach einer Infektion nachgewiesen werden können, hängt auch vom Testverfahren und von der Antikörperklasse ab – also, ob IgM-, IgG- oder IgA- Antikörper bestimmt werden. Eine Auswertung von insgesamt 38 Studien zur Sensitivität der serologischen Testung auf SARS-CoV-2-Antikörper hat folgende Ergebnisse gezeigt: 

Eine Woche nach Beginn der Beschwerden werden IgM-Antikörper in 23 Prozent der Fälle nachgewiesen, nach zwei Wochen steigt dieser Wert auf 58, nach drei Wochen auf 75 Prozent.

Für IgG-Antikörper lagen diese Werte bei 30, 66 und 88 Prozent, Antikörper dieser Klasse wurden also zu jedem Zeitpunkt mit einer höheren Wahrscheinlichkeit festgestellt. In anderen - von dieser Auswertung nicht erfassten - Studien konnten IgG Antikörper nach 16 bis 20 Tagen in nahezu 100 Prozent der Fälle gefunden werden. Auch bei der Frage nach der Dauer der bestimmbaren Antikörperspiegel gehen die Ergebnisse der verschiedenen Studien auseinander. Es sieht so aus, als würden nachweisbare IgG-Spiegel bis zu acht Monate nach Infektion bestehen. Einzelne Studien haben aber einen rascheren Rückgang der Antikörper-Spiegel gezeigt.

Die IgA-Antikörper wiederum werden von vielen Expertinnen und Experten als wesentlicher diagnostischer Marker in der Frühphase einer milden COVID-19 Erkrankung gesehen. Dieser Marker ist auch in Hinblick auf den weiteren Krankheitsverlauf relevant.

Faktoren, die beeinflussen, wie lange jemand nach Infektion nachweisbare Antikörper hat, sind: das Ausmaß der initialen Immunantwort und die Schwere der Infektion.


Offene Fragen zur Immunreaktion 

Eine zentrale Hoffnung, die mit der Bestimmung von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 einhergeht, ist die Identifikation von Personen, die immun gegen das Virus sind. „Serologische Korrelate einer schützenden Immunität konnten bisher nicht definiert werden“, heißt es dazu in der medizinischen Datenbank UpToDate.

Das bedeutet konkret: Es ist bisher nicht möglich, aus Art und Ausmaß der Immunreaktion - also welche Antikörper und wieviel davon jeweils gebildet werden – abzuleiten, wie gut die betreffende Person vor einer (neuerlichen) Infektion geschützt ist. Dennoch ist die Tatsache, dass eine Immunreaktion stattgefunden hat und Antikörper gebildet wurden, grundsätzlich eine gute Nachricht.


Antikörper bieten gewissen Schutz

Eine Studie mit mehr als 12.000 im Gesundheitswesen tätigen Personen konnte dies eindrucksvoll nachweisen. Jene etwa 1.100 Teilnehmer, die zu Beginn seropositiv waren, also Antikörper gegen SARS-CoV-2 hatten, waren innerhalb einer Zeitspanne von sechs Monaten zu einem geringeren Teil PCR-positiv. Das Virus war also seltener nachweisbar, wenn initial Antikörper vorlagen.

Wie gut schützt nun eine einmal durchgemachte Infektion? Insgesamt legen die Daten den Schluss nahe, dass das Risiko für einer neuerliche Infektion innerhalb der ersten Monate gering ist, obwohl dies in einzelnen Fällen dokumentiert wurde.


In Einzelfällen Reinfektionen beobachtet

Ein 33-jähriger Mann aus Hongkong wurde fünf Monate nach PCR-positiver leichter COVID-19-Erkrankung im Rahmen eines Screenings neuerlich positiv getestet. Wahrscheinlich handelte es sich um zwei verschiedene Virusstämme, also um zwei verschiedene Infektionen. Nachdem die zweite Infektion asymptomatisch war, könnte es sein, dass die im Rahmen der ersten Infektion erworbene Immunität, die Schwere der zweiten Infektion abgeschwächt hat, auch wenn sie diese nicht verhindern konnte.

Die entscheidende Botschaft an alle bereits einmal positiv Getesteten oder gar an COVID-19 Erkrankten lautet jedenfalls: Die Corona-Schutzimpfung ist auch nach einer schon erfolgten Infektion sinnvoll und kann das Risiko für eine neuerliche oder erstmalige schwere COVID-19-Erkrankung reduzieren!


Forschung zum Einsatz von Antikörpern

Neben der Entwicklung von Impfstoffen ist der therapeutische Einsatz von Antikörpern ein wesentliches Forschungsfeld im Kampf gegen COVID-19.

Studien mit monoklonalen Antikörpern (= diese werden von B-Zellen produziert, die auf eine einzelne Ziellinie zurückgehen) haben gezeigt: Diese konnten bei Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Mitarbeitenden in Pflegeheimen, die mit infizierten Personen Kontakt hatten, das Risiko an COVID-19 zu erkranken, reduzieren. Diese vielversprechenden Ergebnisse müssen nun von der wissenschaftlichen Community kritisch unter die Lupe genommen werden.

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